Universität Jassy vergibt Ehrendoktor an deutschen Rumänisten

Prof. Dr. Wolfgang Dahmen erneut für seine wissenschaftlichen Verdienste geehrt

Samstag, 20. Juni 2015

Wolfgang Dahmen (in der Mitte mit Blumen) umgeben von den Mitgliedern der Ehrenpromotionskommission der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Jassy

Am 4. Juni hat die Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Jassy/Iaşi dem Jenaer Rumänisten Wolfgang Dahmen einen Ehrendoktortitel „für seinen substanziellen Beitrag zur guten Wahrnehmung der rumänischen Kultur in Deutschland“, wie es in der Begründung der Universität heißt, verliehen. Damit erhält Dahmen bereits seine zweite akademische Ehrung aus Rumänien; schon seit 2006 trägt er einen Doctor honoris causa der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca. Darüber hinaus wurde er 2013 mit dem Kulturellen Verdienstorden im Komtursrang („Meritul Cultural în grad de Comandor“) ausgezeichnet.

Dahmen, der 1982 promoviert wurde, ist seit 1995 Inhaber des einzigen Lehrstuhls für rumänische Philologie in Deutschland. Ursprünglich wollte der Rheinländer Lehrer für Geografie und Französisch werden, stieß aber während des Romanistik-Studiums auf die rumänische Sprache, in die ihn der damalige Rumänisch-Lektor an der Universität Köln, Pompiliu Marcea aus Bukarest, einführte. Entgegen der Gepflogenheiten im Massenstudienfach Französisch bekam der junge Dahmen so rasch die Möglichkeit des engen Kontaktes zu den Lehrenden. „Man war dann im zweiten Semester nicht mehr ,un student‘ sondern ,studentul‘“, erinnert er sich schmunzelnd. Von der angestrebten Promotion über ein rumänisches Thema riet ihm sein Doktorvater dann jedoch ab, ein solches sei, so sagte er damals, „für Ihre Karriere nicht förderlich.“ – Auch wenn er seine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit so zur französischen Dialektlehre schrieb, blieb Dahmen der Erforschung des Rumänischen verbunden.

Nachdem in der Folge der deutschen Vereinigung auf Empfehlung des Wissenschaftsrates die Friedrich-Schiller-Universität Jena eine Professur für rumänische Sprach- und Literaturwissenschaft einrichtete, wurde Wolfang Dahmen auf diese berufen. Doch die Geschichte der Beziehungen zwischen Jena und Rumänien im Allgemeinen und Jassy im Besonderen beginnen nicht erst 1995. Schon der Jenaer Zoologe Ernst Haeckel publizierte an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Jassyer Fachzeitschriften. Tatsächlich pflegt die Universität Jena ihre älteste Universitätspartnerschaft mit der Universität Jassy. Und auch Dahmen verbindet viel mit der dortigen Universität, wie er in seiner Dankesrede hervorhob: „Was für die Friedrich-Schiller-Universität als Institution gilt, gilt aber auch für mich persönlich: Die Alexandru-Ioan-Cuza-Universität Iaşi war die erste rumänische Universität, mit der ich in Kontakt gekommen bin. Damals hätte ich mir natürlich niemals vorstellen können, häufig in die Hauptstadt der Moldau zu kommen, hier wissenschaftliche Kooperationen zu pflegen, Mitglied in Promotionskommissionen zu sein und sogar einen Ehrendoktortitel zu bekommen.”

Dies macht deutlich, dass Dahmens Engagement für das Rumänische nicht allein seine zahlreiche wissenschaftlichen Publikationen (über 130 Titel in unterschiedlichen Sprachen, mit einem Schwerpunkt in der rumänischen Philologie, aber auch darüber hinaus) umfasst, sondern auch die Organisation von Sprachkursen und akademischen Kooperationen. Die Produktivität Professor Dahmens sowie seine Verdienste im deutsch-rumänischen Wissenschaftsaustausch würden dafür sorgen, so formulierte es die Kommission in ihrer Laudatio, „dass ein künftiger Historiker der kulturellen und akademischen Beziehungen zwischen Rumänien und Deutschland etliche Seiten für die Darstellung der Aktivitäten Wolfgang Dahmens reservieren wird.“

Der 65-Jährige wird noch zwei weitere Semester in Jena lehren und dann in den Ruhestand gehen. Ab Herbst 2016 übernimmt seine Nachfolgerin bzw. sein Nachfolger den Fachbereich. Die an vielen deutschen Universitäten grassierende Mittelkürzung wird dann aber auch nicht vor der Jenaer Rumänistik halt machen: Die Professur Dahmens wird in eine so genannte Junior-Professur umgewandelt. Obwohl damit – sowohl finanziell als auch vom akademischen Status – eine Deklassierung des Fachbereichs einhergeht, sieht Dahmen auch neue Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs mit dieser Änderung verbunden. Dahmen selbst wird wohl eher in den Unruhestand gehen. Einige Forschungsprojekte musste der Hochschullehrer ruhen lassen und hofft, nach seiner Pensionierung an deren Abschluss arbeiten zu können. So wartet noch eine Edition von Quellen zur Schulgeschichte Siebenbürgens im 19. Jahrhundert, an der er gemeinsam mit dem Jenaer Osteuropahistoriker Joachim von Puttkamer arbeitet, auf ihre Vollendung. Man wird also weiter von Wolfgang Dahmen hören.

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