Unschuldige Nacktheit und sinnliches Rot

Doppel-Vernissage im Schillerhaus: Cristian Ianza und Francoise Mariana Roşian Apostol

Samstag, 24. Juni 2017

Vernissage der Doppelausstellung von Cristian Ianza (links) und Francoise Mariana Roşian Apostol (2.v.li) im Schillerhaus
Foto: George Dumitriu

Schönheit wird die Welt retten, davon war zumindest Dostojewski überzeugt, erklärt Kunstkritikerin Prof. Adriana Bălan beim Anblick der Gemälde von Francoise Mariana Roşian Apostol. Rottöne von Mohn bis purpur-violett charakterisieren den Stil der Malerin. Rot vermittelt Sinnlichkeit – trägt deshalb das traurige Mädchen am Strand zumindest rote Strümpfe? Wirken die züchtigen Musikerinnen in den feuerroten Tuniken nicht sogar sinnlicher als ihre Aktbilder?

Nacktheit auch bei Cristian Ianza. Nur, dass seine Skulpturen eher Zartheit und Schutzbedürfnis, Liebe viel mehr als Sinnlichkeit vermitteln. Hingegossene Bronzefigürchen, selbst in ihrer Nacktheit pur, unschuldig, rein. Sinnlichkeit schleicht sich auch bei den Keramiken nur durchs Hintertürchen ein - ein Spiel mit biblischen Metaphern: die robuste, gehörnte, natürlich-nackte Eva - sie erinnert an ein dralles Bauernmädchen mit einfältigem Gesicht, die nach einem Riesenapfel greift. Eine Frucht, fast so groß wie sie selbst, mit einem überdimensionierten, ironisch lachenden Mund - jedoch auf der anderen Seite, die Eva nicht sehen kann. „Meine Figuren lösen keine Gedanken an Sexualität aus“, urteilt Ianza selbst über seine Werke. Der Apfel kommt darin immer wieder als Leitmotiv vor, wie auch andere christliche Symbole. Die Vernissage der Doppelausstellung „Zwischen Sakralität und Sinnlichkeit“ (Între sacru şi senzual) am 14. Juni im Bukarester Kulturhaus „Friedrich Schiller“ begeistert auch Ana Blandiana, die sich vor allen als große Verehrerin Cristian Ianzas zu erkennen gab.

Die aparten Skulpturen des Künstlers aus Petroşani, der zeitweise in Kronach lebt und auch in Deutschland unter Kunstkennern ein Begriff ist, finden wir auf beide Etagen verteilt, kokett vor Spiegeln, in Nischen oder Fenstersimsen aufgebaut. Über seine Stiftung Ianza Art Inter-Cultural organisiert der Bildhauer immer wieder Workshops für internationale Nachwuchskünstler. Die Gemälde von Francoise Mariana Roşian Apostol sind in der ersten Etage zu bewundern. Neben Malerei befasst sie sich auch mit Glaskunst, einige kleinere Werke kann man auf einem Fenstersims antreffen. Apostol, die erst im vergangenen April im Schillerhaus ausstellte (29. April: „Transzendenz in Farbe und Form“), ist vor allem in Frankreich bekannt, wo sie bis 2008 lebte.

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