Unser Foidl-Traian

Mittwoch, 09. Juli 2014

Der Direktor des Rumänischen Inlandsgeheimdienstes SRI, George Maior, erklärte den Medien, der SRI habe am 29. Oktober 2009 erstmals den Präsidenten aufmerksam gemacht auf „Fragen betreffs die nationale Sicherheit, die von diesem Clan ausgehen“. Vom Clan des Sandu Anghel, genannt Bercea Mondial (wie es auch auf seiner Villa steht). Und der sonst (d.h. wenn es ihm passt) so umsichtige Präsident Rumäniens behauptete, er habe nichts gewusst von den Transaktionen mit Gerichtsurteilen durch seinen Bruder Mircea, durch welche dieser um schweres Geld Strafmilderung für den Clanchef erhoffen ließ. Zumal SRI-Chef Maior bekanntgab, dass die Berichte über den Clan mit (besorgniserregender) Regelmäßigkeit vom Geheimdienst verfasst und zu „den Zuständigen“ (auch den Präsidenten) gelangten.

Zu behaupten, man habe davon nichts gewusst, was alle wussten, das nannte meine Großmutter „foidln“. Wer vor ihr „foidelte“, der log nicht ganz offen, aber offensichtlich – und hatte Großmutters augenzwinkerndes Verständnis dafür. Vielleicht hat auch unser Präsident gehofft, dass seine offene, aber nicht für jedermann offensichtliche Lüge um sein Wissen über die Justiztransaktionen seines Bruders als „Foidln“, nicht als „Lügen“ aufgefasst wird. Er hat sich selbst und seine politische Zukunft schützen wollen. Durch Foidln.

Soziologisch spannender, weil ganz offensichtlich, ist der Werdegang des Zigeunerclans des „Bercea Mondial“ von bettelarmen Roma zu steinreichen Zigeunern, die, grad mal so, einem Vermittler hunderttausende Euro aushändigen, im Vertrauen, der werde für den Clanchef Strafmilderung durch Manipulation der Justiz erzielen. Menschlich gesehen steht ein solcher Versuch im Einklang mit der Zigeunergesetzgebung und –pflicht: einem Clanmitglied muss um jeden Preis geholfen werden. Auf der Stufe der Neureichen (= primitiver Kapitalismus, die „Denk“ebene eines Gigi Becali), auf welcher der Clan des Bercea Mondial handelt, war schon die Tatsache, dass sie den Präsidentenbruder zum Taufpaten eines ihrer Kinder erkoren, ein justiziarischer Schachzug zum Eigenschutz. Indem Mircea Basescu den Stand des „nas“, des Taufpaten, im Zigeunerclan akzeptierte, wurde er Mitglied des Clans und Teil des byzantisch-balkanischen Systems des „Naschismus“, des Clandenkens und –handelns. Und der Clanpflichten. Sein Bruder, der Präsident, auch.

Was in modernen Gesellschaften „soziales Kapital“ genannt wird – das Gesamtsystem der Beziehungen eines Individuums/Bürgers, das seine gesellschaftliche Verankerung ergibt – das heißt in Rumänien „Beziehungen haben“, also Teil eines persönlichen, elastischen, „induviduellen Rechtsstaats“ zu sein, wo der Rechtsstaat auch mal ausgehebelt werden kann – durch „Beziehungen“. Durch den „Naschismus“ sind Sandu Anghel und sein Clan mit dem „B²sescu-Clan“ eine Beziehung eingegangen, sie müssen Freud (die Überreichung der schweren Goldkette durch Bercea Mondial an Maria Bsescu in Costesti) und Leid (Milderung eines Gerichtsurteils) teilen.

Angesichts solcher „Beziehungen“ ist die Justiz in Rumänien noch lange nicht unabhängig.


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