Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt 2021

Historische Architektur in Wort und Bild festgehalten

Mittwoch, 04. März 2015

Bei der Vorstellung des Buches an der Temeswarer West-Universität: Univ.-Prof. Dr. Marilen Pirtea, der Rektor der West-Universität (Mitte), links von ihm die beiden Autoren Mihai Botescu und Mihai Opris, rechts von ihm Adriana Babeti und Radu Radoslav.
Foto: Zoltán Pázmány

„14.500 historische Gebäude gibt es in Temeswar. Man müsste 15 Bände herausgeben, um sie alle vorzustellen, doch niemand würde die Bände finanzieren.“ Die Aussage stammt von einem Fachmann und einem besonderen Kenner Temeswars: Mihai Opris ist Architekt und hat schon 1987 eine damals sehr begehrte Monographie der Stadt veröffentlicht. Fast dreißig Jahre später ist nun ein Buch – eigentlich von der Qualität her ein Album, obwohl das Wort bei der Vorstellung nicht gefallen ist – erschienen, das die Unterschriften des inzwischen in Deutschland lebenden Mihai Opris und des Architekten Mihai Botescu trägt, der ein passionierter Fotograf ist und die historischen Gebäude der Stadt in einem besonderen Licht erscheinen lässt.

Das Erscheinen des Buches „Arhitectura istorica din Timisoara“ („Die historische Architektur der Stadt Temeswar“) wurde vergangener Woche als ein besonderes Event im feierlichen Rahmen an der West-Universität gefeiert. Mit einem Bild von einem der Wahrzeichen der Stadt, dem katholischen Dom, auf dem Deckel, zieht das Buch sofort die Blicke an. Nicht nur Architekten haben sich für das Album interessiert; Kulturschaffende, Professoren, Literaten und auch Vertreter des Klerus und der Verwaltung haben der Vorstellung des Buches durch die Literatin Adriana Babeti und den ehemaligen Chefarchitekten der Stadt Radu Radoslav beigewohnt. „Es ist eine Publikation, die für Temeswar wichtig ist und womit sich Temeswar als Kandidat für den Titel einer Kulturhauptstadt zeigen lässt“, erklärte Adriana Babeti.

Das Duo Mihai Opris – Mihai Botescu hat bei der Zusammenarbeit für den Band ausgezeichnet funktioniert, weil beide Architekten akribisch arbeiten, wie Adriana Babe]i es unterstrichen hat: „Der Band ist das Ergebnis einer vierzigjährigen Dokumentationsarbeit, die Mihai Opris fast manisch genau durchgeführt hat. Seiner Ansicht nach kann man nichts approximieren. Er hat viele Mythen zerschlagen, indem er jedes Detail überprüft hat. Ich denke da an eine Legende über das älteste Haus in Temeswar, das in der Paltinis (Evlia Celebi)-Str. Nr. 2 steht und das man aus der Türkenzeit wähnte. Mihai Opris hat mir erklärt, dass es sich dabei um österreichische Ziegelsteine handelt und seine Aussage mit einer wissenschaftlichen Studie belegt, die Vasile Opris an nach einer Expertise in den neunziger Jahren durchgeführt hat. Das Haus erscheint zum ersten Mal auf einem Plan von 1746, ist also nach dem Einzug Eugen von Savoyens in Temeswar errichtet worden“.

Ein Band, der Temeswar als multikulturellen Schmelztiegel preist und in Wort und Bild die wichtigsten Architekturdenkmäler festhält, die die verschiedenen in Temeswar lebenden Gemeinden festhält, konnte nur mehrsprachig erscheinen: Rumänisch, Englisch, Deutsch, Ungarisch und Serbisch.

Die Fotografien, die den Text begleiten, hat Mihai Botescu mit viel Geduld erarbeitet, der Fotograf hat gewartet, bis die einzelnen Gebäude, die er fotografiert hat, ins richtige Licht gerückt sind. Mihai Botescu gibt auch zu: „Bei der großen Anzahl der historischen Gebäude in Temeswar, musste ich eine Auswahl treffen. Weil das Buch eine Visitenkarte darstellen und vorgezeigt werden soll, habe ich letztendlich die Gebäude fotografiert, die nicht nur architektonisch und historisch wichtig, sondern auch renoviert sind“.

Das Buch, das mit Unterstützung der Stadt Temeswar sowie einer Liste von Sponsoren im Tempus-Verlag erschienen ist, stellt den architektonischen Schatz der Stadt in seinen Seiten dar. Andererseits erwarten die Temeswarer von den Behörden auch, dass mehr für die Erhaltung und Sanierung dieses Schatzes an historischen Gebäuden in Temeswar gemacht wird.

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