Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

„Non multa, sed multum“: Cristian Rudic – Solist und Zeremonienmeister

Mittwoch, 25. Februar 2015

Kräftige Stimme und Bühnensprache: Cristian Rudic anlässlich eines Auftrittes zum Tag der Deutschen Einheit. Foto: Zoltan Pázmány

Als Eisenstein kennt ihn das Temeswarer Publikum seit Jahren: Cristian Rudic ist der bekannteste Bariton der Rumänischen Oper Temeswar, der nicht nur die kräftige Stimme, sondern auch die Bühnensprache mit sich bringt. Der gebürtige Arader, der sein Debüt vor 22 Jahren, schon als Student, auf der hiesigen Bühne gemacht hat, erzählte für die BZ in perfektem Deutsch – „es ist meine Muttersprache, auf den Grabsteinen der Familie ist der Name Rudik geschrieben“ – über seine Karriere, die Beziehung zu Temeswar und den Chancen unserer Stadt den begehrten Titel im Jahre 2021 zu erlangen.

Über 30 Hauptrollen in Opern, Operetten und Musicals hat er interpretiert. Fragt man Cristian Rudic nach der beliebtesten Rolle, so antwortet er: „die Rolle, die du am meisten liebst, ist die Rolle, die du gerade im Moment studierst. Ich dachte, ich werde für Don Giovanni und Jago angestellt, Jago hat mich nach Japan geführt, hat mir zu einer internationalen Karriere verholfen, aber das Publikum hat mich in anderen Rollen geliebt als ich mich. Am öftesten habe ich hier Eisenstein interpretiert. Wenn man mich aus der «Fledermaus» kennt, bin ich zwar beehrt, aber es ist nicht nur die «Fledermaus» in meiner Seele“.

Mozart bleibt in der Seele

Und der beliebteste Komponist? „Am meisten habe ich Mozart gesungen, in Mozartkonzerten. Im goldenen Saal des Musikvereins in Wien habe ich über 200 Aufritte gehabt. Ich liebe Mozart und Wagner, aber es gibt Bach und Strauss. Heute liebe ich den Rotwein, morgen den Weißwein. Mozart bleibt jedoch in der Seele, in den Organen, in dem Soma des Menschen und auch im Gehirn“.

Nicht nur für die Oper, auch für Operette – sein nächster Auftritt ist in der Rolle Jupan in der „Gräfin Maritza“, die noch in dieser Spielzeit Premiere feiern wird – und Musicals hat Cristian Rudic ein Herz: „Operette habe ich immer mit Hingabe gemacht. Dass Operette eine leichte Muse ist, heißt nicht, dass sie auch eine leichte Kunst ist. Das Musical öffnet Weg, die ich in den beiden anderen Gattungen nicht so empfunden habe. Die Zusammenarbeit mit dem DSTT war bahnbrechend nicht nur für mich, sondern auch für die Tradition, für die Mode des Musicals hier. „The Sound of Music“ war das erste Musical in Temeswar überhaupt. Danach haben sich alle Institutionen im Gebäude geschickt, ein Musical zu produziert.“

Cristian Rudic ist nicht nur auf der Bühne der Oper präsent, sondern tritt auch in Musicals auf der Bühne des DSTT und des Nationaltheaters auf und ist „Zeremonienmeister“ oder Moderator zum Beispiel bei den Auftritten des „Incanto Quartetto“, das aus Mitgliedern des Opernorchesters besteht. „Ich habe gegen alte Mentalitäten gekämpft, dass zum Beispiel der Sänger nur ein Produzent von hohen Tönen ist und dass der Schauspieler ein Nicht-Sänger ist. Ich habe ein Leben lang versucht, die Grenzen zu verwischen, nach Wagners Ideal der Gesamtvorstellung zu handeln, zu denken und zu fühlen. Wenn wir von diesem «Incanto» sprechen, dann rede ich von dem intimsten Teil meiner Seele: die heilige Musik. Ich will diesem Quartett das Bett geben, damit sie sich ruhig hineinlegen und musizieren, ich kann ihnen nur den Weg vorbereiten, die Musik macht den Rest. Ich kann mir das Leben nicht vorstellen, in dem ich nicht auftrete: als Schauspieler, als Sänger, als Moderator – ich hasse das Wort, auf Deutsch heißt es doch so schön, «durch den Abend führen».

„Temeswar ist eine europäische Kulturstadt“

Für den facettenreichen Künstler Cristian Rudic ist „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“ ein Thema. „Temeswar muss sich nicht in Europa integrieren, denn Temeswar ist seitdem es ein kulturelles Temeswar gibt, europäisch. Ein europäisches kulturelles Modell, das funktioniert hat, ist, außer dem Römischen Reich, die Kultur in der Habsburg-Monarchie. Das kulturelle Modell hat in Rumänien nach 1918 weiterhin gut funktioniert, man sollte nicht vergessen, dass der Erlass für die Rumänische Oper Temeswarer von König Mihai I vor seinem Exil unterzeichnet wurde was mich sehr stolz macht, hier zu dienen. Aber nach den schändlichen Jahren des Kommunismus und ein bisschen Postkommunismus sind aus den Mentalitäten die Sachen zu entfernen, die der Kommunismus gegen die Kultur eingeführt hat. Temeswar war seit Eugen von Savoyen eine europäische Kulturstadt, ob Hauptstadt ist egal. Man darf jeoch nicht nur in die Vergangenheit schauen, man lebt in der Gegenwart. Aber wer die Vergangenheit nicht kennt, kennt auch die Zukunft nicht. Man muss die Zukunft planen, Geld investieren in die Kultur. Ich muss den heutigen Präsidenten zitieren: «Jeder Heller in Kultur investiert, ist gut investiertes Geld. Das müsste man sich als Motto an den Hals hängen“.

Von Rudic stammt die Aussage, Temeswar leide an Festivalitis. „Damit wollte ich unterstreichen: «Non multa, sed multum» (Nicht vielerlei, sondern viel). Es ist wichtig, dass man vieles macht, aber die Atmosphäre des Jahrmarktes sollte unseren Geschmack für Kultur nicht beeinflussen. Die Kultur muss auf die Straße, die Kultur muss nicht zum Jahrmarkt werden. Ich drücke die Daumen für Temeswar!“

 

 

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