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„Der Duft des Zirkus“ – in der Vision von Toulouse Lautrec, Chagall und Picasso

Mittwoch, 15. April 2015

Das Plakat wirbt für neueste Ausstellung im Temeswarer Kunstmuseum

Nicht nur Studenten der Kunstgeschichte ist der Name Toulouse-Lautrec ein Begriff, in meiner Vorlesung zur Mediengeschichte gebe ich meinen Studenten auch weiter, dass der Name des Künstlers mit der Werbegeschichte verbunden ist: Ende des XIX. Jahrhunderts entdeckte der Adlige Henri de Toulouse-Lautrec seinen Sinn für das frivole, das schrille Paris und entwarf Plakate für Kabaretts und Zirkusse, die heute Museen zieren. Aber nicht nur Studenten waren an dem Event anwesend, das am Donnerstag im Temeswarer Kunstmuseum stattgefunden hat und das unsere Stadt als Kulturstadt ziert: die Vernissage der Lithografie-Ausstellung „L’air du cirque“ („Der Duft des Zirkus“).

Henri de Toulouse-Lautrec gilt als der erste bedeutende Vertreter der modernen Plakatkunst und seine Werke stellen den Kern der Ausstellung dar. Aber er ist nicht der einzige große Künstler, dessen Werke hier ausgestellt sind: Auch einige der schönsten Lithografien von Pablo Picasso, Hermann Paul, Pierre Laprade, Luc-Albert Moreau, Jean Cocteau, André Dunoyer de Segonzac sowie Marc Chagall sind dem kunstliebhabenden Publikum aus Temeswar näher gekommen. Eine Neuheit stellen für das Publikum aus Rumänien die Lithografien von Izis Bidermanas dar, einem Fotografen und Künstler, der aus Litauen stammte und während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich flüchtete.

Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. Victor Neumann, dem Direktor des Kunstmuseums Temeswar, und Thomas Emmerling, dem Kurator der Ausstellung, die von der Galerie Euro Art Luxembourg stammt, und in Anwesenheit des rumänischen Kulturministers Ioan Vulpescu eröffnet.

 

80 Juwelen der Lithografie

Insgesamt 80 Kunstwerke von 21 bedeutenden französischen Künstlern des XIX. und XX. Jahrhunderts sind in dieser Ausstellung zusammen getragen worden.

Das verbindende Element ist das Motiv: das Kunterbunte, das Wilde, das Feenhafte des Zirkus begeisterte viele Künstler um die Wende zum XX. Jahrhundert und später. Der Zirkus mit seinen Akrobaten und Seiltänzerinnen, den Dompteuren und den wilden Tieren, den Clowns und den Magiern versetzte die Künstler in eine Traumwelt, in der sie die verschiedensten Empfindungen hatten, von Melancholie bis hin zu Begeisterung. Diese schrille Welt der Zirkuskünstler und der donnernden Beifälle unter einer Kuppel wurde meisterhaft festgehalten und nach eigenem Empfinden weitergegeben. Jetzt sollen die Besucher, auch solche, die vielleicht seit Jahren keinen Zirkus mehr besucht haben, an den Duft des Zirkuszeltes und der Zirkuswelt – unter der Kuppel läuft die Zeit anders, die Regeln sind andere als in der Außenwelt – erinnert werden und – warum nicht – auch an die eigene Kindheit.

Ein weiteres verbindendes Element ist die Technik, in der die Kunstwerke ausgearbeitet wurden. Bei der Lithografie handelt es um „eine grafische Technik, bei der auf eine präparierte Steinplatte mit fetthaltiger Kreide oder lithografischer Tusche die Zeichnung aufgebracht und im Flachdruckverfahren vervielfältigt wird“, so der Duden.

Der Titel der Ausstellung ist eine Anlehnung an ein Buch, das von der französischen Autorin Louise Hervieu stammt, „L’âme du cirque“ („Der Geist des Zirkus“) ist 1924 im Verlag „Librairie de France“ erschienen.

Die Ausstellung wird vom Kunstmuseum Temeswar in Zusammenarbeit mit der Galerie Euro Art Luxembourg und mit Unterstützung des Kreisrates Temesch organisiert. Sie kann bis zum 1. Juni während des üblichen Programms des Kunstmuseums (von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr) besichtigt werden.

 

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