Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Die Stadt der Blumen im Blumenfestival

Mittwoch, 27. Mai 2015

Kunst und Natur trafen sich in diesem Exponat, das von den Temeswarer Fotografen bevorzugt wurde.
Foto: Zoltán Pázmány

Stadt der Blumen, Stadt der Rosen, Stadt der Parks – so wird Temeswar nicht selten liebkost. Am Wochenende konnte man das doppelt zu spüren bekommen: zum ersten Mal fand in unserer Stadt auch ein Fest der Blumen statt: unter dem Namen „Timfloralis“ hat der Stadtrat dieses Festival vermarktet, das als Idee eigentlich ein Importprodukt ist. Man denke da nur an Brüssel, die belgische und europäische Hauptstadt, die den eigenen Bewohnern wie auch der Welt jedes Jahr im August die schönsten Fotos von Blumenteppichen schenkt, die „La Grand Place“ schmücken: schöne, alte Gebäude aus braunen Backsteinen, zu deren Füßen die Blumen verschnörkelte Muster in Teppichform legen. Begonien ziehen die Brüsseler vor, Petunien haben in Temeswar in herz- oder halbkreisförmigen Arkaden zum Anschauen und Bestaunen angezogen. Natürlich wäre es vermessen, einen Vergleich zu ziehen, aber andererseits, muss man sich doch wagen und nach Höherem streben.

 

Das Paradies der Selfies

Drei Tage lang hat das erste Blumenfest in Temeswar gedauert und hat das Stadtzentrum in ein „Paradies der Selfies“ verwandelt, wie das einer der Fußgänger auf den Punkt gebracht hat. Bei milden Temperaturen drängte es die Temeswarer ins Freie und überall konnte man Kameras und Smartphones zücken sehen.

Der Start war am Freitag, allerdings waren die Vorbereitungen zu Mittag noch im vollen Gange. Sogar die Grünfläche, die von „Horticultura“ im Stadtzentrum gepflegt wird und eigentlich immer ein schönes Bild abgibt, wurde noch am Freitag mit neuen Blumen bepflanzt. Enttäuscht waren die Temeswarer auch über die Blumenkuppel, die aus künstlichen Pflanzen hergestellt und vor der Oper aufgehängt wurde. „Zu kostspielig“ und „zu schnell verwelkt“ wäre eine richtige Blumenkuppel gewesen, hat Bürgermeister Nicolae Robu bekannt gegeben. Zu kitschig kann man jetzt von der Blumenkuppel sagen, die aufgehängt wurde. Dafür begrüßten die Temeswarer die bunten Schirmchen, die die Ungureanu-Straße nun im zweiten Jahr schmückten, mit ihren Fotoapparaten. Vor den Schirmchen war noch eine Blumenarkade aufgestellt, um den Spaziergang märchenhaft zu gestalten.

 

Blumen anschauen, fotografieren und verkosten

Rund um Blumen kreisten die Werkstätten sowie die Verkaufsstände. Von den Werkstätten, die unter anderem von dem Studentenkulturhaus angeboten wurden, machten die Kinder Gebrauch: Bearbeitung von Tongegenständen und Verzierung von Hüten mit Blumen. „Wir benutzen keine künstlichen Blumen, also müssen wir sie jede Stunde wechseln“, so Diana C. die Zuständige für den Stand. Es fehlten die Modells nicht, die Kleider aus Blumen und blumige Haarreifen trugen. Ein bisschen Prinzessinnenspiel, das wiederum bei den Fotografen sehr gut ankam.

Die Stände wetteiferten mit ihrem Angebot: der reichste war wohl der von der für die Stadtparks zuständigen Gesellschaft „Horticultura“. Außer Blumen und Zierpflanzen brachte „Horticultura“ alle erdenklichen und in den Temeswarer Parks gängigen Bäume zum Verkaufen, von der Silbertanne bis hin zu den Palmen (Temeswar wird seit einigen Jahren in der warmen Jahreszeit mit Palmen geschmückt). Auch der Stand der Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin „Banatul“ hat Leute herangezogen, die Uni warb vor allem für die Fakultät für Gartenbau und Forstwirtschaft und zog mit dem rankenden Efeu an.

Die Besucher des Festivals konnten Blumen bewundern, fotografieren, riechen und sogar verkosten. Von Rosen, die als Tee oder Konfitüre genossen, von Kapern, den feinen grünen Knospen, die Fisch oder Fleisch verfeinern, und den Gänseblümchen, abgesehen, mit denen man ein Butterbrot verzieren kann, war mir nicht bekannt, welche Arten von Blumen in der Kulinarik verwendet werden. Und trotzdem kann man mehr genießen und seinen Gaumen daran erfreuen. Einer der Hingucker des ersten Blumenfestivals in der Bega-Stadt war jedoch ein altes Klavier, ganz von Moos und Efeu bedeckt. Auch wenn das Festival nicht die Ausmaße kante, die man vielleicht erwartet hatte, so kann man für die erste Auflage behaupten: ein bisschen Farbe und Freude hat es den Temeswarern schon gebracht.

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