Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

„Der Tanz bringt uns näher zu Gott!“ / Hellen Ganser leitet ein erfolgreiches Tanzstudio in Temeswar

Mittwoch, 24. Juni 2015

Hellen Ganser mit zwei ihrer Schüler: „Der Tanz ist sehr komplex; er verbindet Musik, Bewegung, Farbe. Wenn Temeswar Kulturhauptstadt wird, was wir uns auf jeden Fall wünschen, soll es 2021 auch viel Ballett geben. Ich wünsche mir aus ganzer Seele, dass auch einige meiner Schülerinnen dabei sind.“
Foto: Zoltán Pázmány

Ende der Saison an der Rumänischen Nationaloper Temeswar und ein Zeitpunkt, wo sich die Ballettschulen vorstellen – jedesmal ein Event für die Eltern und Freunde der kleinen Mädchen, die sich für den klassischen Tanz interessieren: an der Vorderfront der Oper hängt ein Riesenplakat mit dem Programm des Monats Juni und gleich vier Ballettschulen oder Tanzstudios haben ihre Jahresendefeier vergangener Woche gehabt – in chronologischer Reihenfolge der Auftritte ihrer Schüler sind es die Tanzstudios von Rodica Murgu, Ana Valkay, Hellen Ganser und die Tanzschule „Arabesque Stars“ unter der Leitung von Adriana und Constantin Gâdea.

Hellen Ganser hat ihren Vertrag als Ballerina mit der Rumänischen Staatsoper Temeswar 1982 unterzeichnet: „Als ich die Prüfung abgelegt hatte, war ich noch nicht 18 Jahre alt. Drei Tage später war mein Geburtstag. Ich bin seit 33 Jahren hier angestellt, tanze aber seit fünf Jahren nicht mehr, aber es hat mir viel Spaß gemacht. Der Tanz war die Leidenschaft meines Lebens“.

Die schönsten Rollen, an die sie sich erinnert, sind Mirta in „Giselle“, eine der drei Solistinnen in der „Scheherazade“, Fräulein Cristina, der Gehilfe in der „Puppenfee“. Hellen Gansers Geschichte als Balletttänzerin hat jedoch als fünfjähriges Mädchen in einem Tanzstudio in Bukarest begonnen. Ebenso ein Tanzstudio hat Hellen Ganser in Temeswar aufgebaut. „Als ich noch sehr jung war, habe ich die Ballettklasse einer Kollegin übernommen, die nach Italien gefahren ist. 2000 habe ich mein eigenes Tanzstudio auf Anraten einer sehr guten Freundin gegründet“.

Anfangs sind ihre Schülerinnen in Ballettsolos auf der Bühne des Deutschen Staatstheaters aufgetreten. „Als die Gruppe gewachsen ist, kamen wir auf die Opernbühne und haben Ballettvorstellungen vorbereitet. Die erste war «Der Nussknacker». Die Kinder haben gelernt, Rollen zu interpretieren, nicht nur einen Tanz vorzuführen. Es folgten «Dornröschen», «Die Schwanenprinzessin» als Anlehnung an den «Schwanensee», «Coppelia», «Don Quijote», «La fille mal gardée» - diese Vorstellung war eine Premiere für Temeswar, «Aschenputtel». In diesem Jahr bereiten wir den «Korsar» vor, also haben wir Piraten, Prinzessinnen und Haremstänzerinnen auf der Bühne“.

 

Nicht nur aus Temeswar

 

Pro Jahr machen an die 80 Kinder mit. „Viele rufen mich selbst dann noch an, wenn sie nicht mehr im Tanzstudio mitmachen oder kommen in die Vorstellungen, um sich zu erinnern, wie sie selbst auf der Bühne gestanden haben. Vergangener Tage haben mich zwei junge Damen auf einer Terrasse angesprochen: «Sie sind unsere Ballettlehrerin gewesen und wir möchten Ihnen für die schönen Jahre danken»“.

Die jüngsten Ballettschülerinnen sind vier Jahre alt. „Aber ich habe auch eine Studentin in der Ballettschule“, erklärt Hellen Ganser „Sie hat mit vier Jahren angefangen, macht auch jetzt mit“.

Die Kinder, die das Tanzstudio besuchen, kommen nicht nur aus Temeswar: „Ich habe Kinder die von der Apfelalm / Poiana Mărului kommen, aus Reschitza, Lippa, Busiasch, Perjamosch, sie kommen zweimal die Woche nach Temeswar, um Ballett zu tanzen. Es freut mich, dass die Eltern das weiterführen, was früher in den guten Familien ein Usus war, den Kindern Unterricht in Musik, Ballett oder Fremdsprachen zu erteilen. Die Eltern kümmern sich viel um die Kinder, damit diese in der Ästhetik ausgebildet werden“.

Einige von Hellen Gansers Schülerinnen haben den Tanz zu ihrem Beruf gemacht: „Einige meiner Schüler haben das Ion-Vidu-Lyzeum besucht, wurden auch Olympiker. Eine ehemalige Schülerin tritt in Temeswar auf, eine andere ist Solistin in Bukarest“.

Ballettschulen oder Balletstudios haben eine Tradition in Temeswar und haben schon immer eine große Rolle gespielt, wie Hellen Ganser erklärt: „Die ersten Solisten der Rumänischen Oper in Temeswar stammten von solchen privaten Tanzstudios. Bei der Gründung der Oper vor 70 Jahren wurden die ersten Solisten – wie Elisabeta Ferreti, Puiu Fonta, Nectara Toma – von den Ballettstudios rekrutiert, die damals noch von Ballerinas aus Deutschland und Österreich geleitet wurden“.

Was möchte Hellen Ganser ihren Schülern mitgeben, um sie anzuspornen? „Meiner Meinung nach hat der Tanz etwas Göttliches an sich. Das Schöne, der Tanz und die Kunst im Allgemeinen bringen uns näher zu Gott“.

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