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„Musikalisches Temeswar“ mit Galaabend der russischen Musik

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Vladislav Piavko, einer der bekanntesten Tenöre Russlands, hat die jungen Solisten, die den Wettbewerb „Michail Glinka“ gewonnen haben, nach Temeswar begleitet.
Foto: Zoltán Pázmány

Als Maestro Corneliu Murgu, der Direktor der Rumänischen Oper Temeswar, 2014 Jurymitglied beim internationalen „Michail Glinka“-Wettbewerb in Moskau war, hat er dem Juryvorsitzenden, dem russischen Startenor Vladislav Piavko, den Vorschlag gemacht, die Gewinner des Wettbewerbs nach Temeswar einzuladen. Anlass sollte das 40. Festival „Musikalisches Temeswar“ dazu bieten.

Und wenige Monate später standen die Sopranistin Maria Gorelova, die Mezzosopranistin Anna Viktorova, der Tenor Alexey Mikhailov, der Bariton Aleksandr Sukhanov und der Bass Garri Agadzhanyan auf der Bühne der Temeswarer Oper und ernteten fleißig und verdienter Weise Beifall. Die kräftigen, klangvollen Stimmen interpretierten Werke von Glinka, Mussorgsky und Tschaikowski und brachten die russische Wehmut zum Vorschein. Begleitet wurden sie von dem Orchester der Rumänischen Oper Temeswar unter der Leitung des Gastdirigenten Murad Annamamedov.

Das Festival „Musikalisches Temeswar“ ist in seiner „Herbstvariante“ auf Opernmusik ausgerichtet. Im Frühjahr hatten die Liebhaber der klassischen Musik in der Philharmonie ihren Durst nach Konzerten von Format gestillt, zurzeit sind sie in die Oper eingeladen. Nach dem Auftakt „ganz in Temeswarer Tradition“, wie Corneliu Murgu für die ADZ/BZ erklärte, mit Verdis „Aida“ – eine Anspielung auf die Eröffnung der ersten Saison an der Rumänischen Oper Temeswar im Gründungsjahr 1947 ebenfalls mit Verdis monumentalem Bühnenwerk – war die Reihe an die jungen Solisten aus Russland gekommen, um einige der besten Stimmen von 2003 bis 2014 zu präsentieren.

Der Wettbewerb „Michail Glinka“ ist ein Pool, in dem die neuen besten Stimmen Russlands entdeckt werden, Solisten, die auf internationalen Bühnen auftreten werden. Vladislav Piavko, der vergangenes Jahr der Vorsitzende der Jury gewesen ist, hat die Solisten nach Temeswar begleitet: „Diese jungen Solisten singen alle auch im Ausland. Die Mezzosopranistin Anna Viktorova hat am ‘Teatro alla Scala’ gesungen und ist in Ljubljana, Triest, Venedig und in vielen anderen Städten aufgetreten. Die Sopranistin Maria Gorelova ist Ehrengast des ‘Bolschoi’-Theaters, wo sie russisches Repertoire interpretiert und jetzt beginnt, auch italienisches Repertoire zu singen. Der armenische Bass, der aus dem Ural stammt, Garri Agadzhanyan interpretiert Rollen aus dem russischen und italienischen Repertoire. Diese jungen Solisten beginnen also auch auf Bühnen weltweit bekannt zu werden“, erklärte er für die ADZ/BZ.

Und wie er die Rumänische Oper Temeswar findet, verriet Vladislav Piavko auch: „Temeswar ist für meine Familie sehr wichtig, meine Frau, die grandissima Irina Arkhipova, hat hier 1962 gesungen, ich war hier 1977. Und meine Tochter, Ludmila Magomedova, ist hier 1989 in ‘Norma’ aufgetreten. Für uns ist diese Bühne wie ein Sonnenzeichen. Ich liebe das Licht auf den Gesichtern des Publikums. Das Opernhaus ist auch als Gebäude sehr schön“.

Wie es für die jungen russischen Solisten ist, wenn sie heute internationale Anerkennung anstreben, im Vergleich zu seiner Jugend, wollten wir von Vladislav Piavko wissen. Der Tenor erklärte daraufhin für die ADZ/BZ: „Ich zitiere hier einen japanischen Solisten, der in Moskau studiert hat: ‘Für die Kunst ist der Kommunismus besser, fürs Leben ist es der Kapitalismus’. Die Vorbereitung, das Studium ist sehr lang für einen Solisten und man braucht Geld. Heute wollen sie nicht mehr nur 10 Rubeln, sondern 10 Millionen. Die Kunst ist aber für das Volk. Es gibt sehr viele junge Talente“.

Am Ende des Galaabends stieg Corneliu Murgu auf die Bühne und überreichte seinem langjährigen Freund Vladislav Piavko eine Plakette des Festivals „Musikalisches Temeswar“. Die Russen waren da. Mit ihrer Wehmut und mit ihren Stimmen.

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