Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Entscheidendes Jahr 2016

Mittwoch, 06. Januar 2016

Simona Neumann (stehend), die Geschäftsführerin des Vereins „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“, bei der Vorstellung der Vorhaben des Vereins für das Jahr 2016.
Foto: Zoltán Pázmány

„In zufälliger, in absolut zufälliger Reihenfolge werde ich nun die Städte bekannt machen, die sich für die zweite Runde qualifiziert haben“. So hat Steve Green, der Leiter der Expertenjury, die Auswahl getroffen hat, im Dezember bei der Pressekonferenz im Kulturministerium erklärt. Temeswar ist der erste Name gewesen, den er genannt hat.

Die Freude war groß unter den Mitgliedern des Vereins „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“ und dessen Unterstützern, die sich Ende des Jahres noch einmal getroffen haben, um die bisherigen Etappen in der Kandidatur Revue zu passieren, Einblick in die bisher wohl gehütete Kandidaturakte zu gewähren und auf die weiteren Schritte zu verweisen, die unternommen werden müssen.

Drei Städte werden im Jahr 2021 den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt tragen, neben einer Stadt aus Rumänien werden es eine griechische Stadt und eine Stadt aus einem EU-Anwärterland sein: Serbien kandidiert mit Novi Sad, aus Montenegro stellt sich Herceg Novi. In Rumänien hatten sich 14 Städte beworben, ebenfalls 14 Städte aus Griechenland werden in den Auswahlprozess aufgenommen, die Kurzliste wird aber im Südbalkanland erst im Februar bekannt gegeben.

Seit es feststeht, dass auch Städte aus den Beitrittskandidatenländern in das Auswahlverfahren aufgenommen werden, hat der Temeswarer Verein ein Abkommen mit seinem Counterpart aus Novi Sad abgeschlossen. Die beiden Städte sind ja ohnehin verschwistert und könnten– falls beide gewinnen – durch gemeinsame Projekte zur besseren Vorstellung der gesamten Region beitragen. Temeswar hat sich ja in seiner Kandidatur auch als Kandidat des historischen Banats ausgegeben.

 

Die fünf Pfeiler

Auf fünf Pfeilern hat sich die Kandidatur Temeswars gestützt, denen fünf Tätigkeitsverben entsprechen, die alle aus dem neuesten Kandidaturkonzept entnommen sind: „beleuchten“, „reflektieren“, „eindringen“, „in Beziehung bringen“ und „globalisieren“. Diese sind die Eckpfeiler für das Programm im Jahr 2021. Das Jahr soll unter dem Schlagwort „impulsionieren“ stattfinden. Nach 2021 soll die Stadt sich dann mit dem Wort „wiederbeginnen“ beschäftigen. Die einzelnen Schlagwörter haben mit dem Image Temeswars als Revolutionsstadt, als Technologie-Pol und als interkultureller Schmelztiegel zu tun. So versucht man etwa durch „Beleuchten“ die Technologie-Dependenz in eine Kulturdependenz umzuwandeln, wie das Teodora Borghoff vom Verein Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021 erklärt hat: „Unter ‚Eindringen‘ verstehen wir das Eindringen in den öffentlichen Raum. Der Verlust des öffentlichen Raums ist einer der Ernstfälle in der Stadt. Deshalb soll Licht gemacht werden. Unter „Globalisieren“ verstehen wir den Einsatz für eine gemeinsame Vision für die Zukunft der Stadt. Hier geht es um ‚die kreativen Industrien‘, die als die Wirtschaftsträger des 21. Jahrhunderts gelten“.

Der Verein musste für die Kandidatur einige Schwachstellen der Stadt bloßstellen, die durch die Kandidatur verbessert werden sollen, so etwa der Umgang mit der Roma-Minderheit oder der Zugang der behinderten Menschen zum Stadtleben und Stadterleben, auch etwa der Zugang zu diversen Kultureinrichtungen. Ein weiteres Manko der Stadt ist der Umgang mit den finanziell benachteiligten Menschen und deren Integration in die Gesellschaft. Dies sind einige der Problemzonen, auf die die Projekte im Jahr 2021 positiv wirken sollen.

 

24 Großprojekte

Die Kernfrage, die sich das Team bei der Erarbeitung der Dokumentation gestellt hat, lautete: „Was bieten wir Europa an?“ Denn die Kandidatur soll nicht nur einen lokalen Effekt haben, sondern über die Region hinaus europaweit etwas bewirken. Gegenseitiges Lernen und Änderungen in eine positive Richtung sind dabei wichtig.

Mit 24 Großprojekten soll das Jahr 2021 kulturell reich bespickt sein, dafür werden sich die Partnerinstitutionen einsetzen. Der Verein hat auch bisher mit vielen lokalen, nationalen und internationalen Institutionen zusammengearbeitet. Allein aus dem Ausland stehen bisher 97 Partnerinstitutionen auf der Liste.

Sollte Temeswar den Titel gewinnen, werden die Kulturinstitutionen Projekte im Rahmen der Themenliste vorschlagen. Etwa 70 Prozent des Kulturprogramms soll allerdings schon bei der Einreichung der Kandidatur-Akte in der zweiten Etappe, noch in diesem Jahr, fest stehen. Die restlichen 30 Prozent kommen hinzu, wenn der Titel gewonnen wird.

Die Tätigkeiten werden nicht 2021 enden, es gibt ein Follow-up: 2022 werden Projekte abgewickelt, die das kulturelle Erbe der Kandidatur sichern sollen.

Zusammenhalten ist jetzt wichtiger denn je, wie Bürgermeister Nicolae Robu es auch unterstrich: „Wir sollten stolz auf das Projekt sein, denn wir haben es erarbeitet, mit Hilfe von Spezialisten. Es gab aber auch eine Zeit, wo verschiedene Leute versucht haben, das Projekt umzustürzen, mit dem Hintergedanken, dass ein Misserfolg gewissen Personen ein politisches Kapital in den Wahlen bringen könnte. Das sind Menschen, die nicht verstanden haben, dass das Projekt der Kandidatur ein Projekt aller Temeswarer ist! Es ist gut, dass die letzte Etappe des Wettbewerbs erst nach den Lokalwahlen stattfindet!“

Da uns interessiert, wie die anderen Städte aus Rumänien, die auf der Kurzliste stehen, die Kandidatur bisher gehandhabt haben, werden wir in den kommenden Wochen ihre Kandidaturakten vorstellen.

 

 

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