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Shakespeare in diesem Jahr auch auf den Temeswarer Bühnen präsent

Mittwoch, 03. Februar 2016

Szene aus „Titus Andronicus“ am Deutschen Staatstheater Temeswar.
Foto: DSTT

400 Jahre ohne, aber mit viel Shakespeare – vier Jahrhunderte sind seit dem Tod des großen englischen Dramatikers vergangen und wir alle haben heute mehr von Shakespeare als wenn er unser Zeitgenosse gewesen wäre.

Den Briten ist der große Dichter aus Avon so wichtig, dass sogar Premierminister David Cameron im Januar in einem Kommentar für die „Welt“ auf das Shakespeare-Jahr hingewiesen hat: Denn kein anderer Schriftsteller hat so viel für die Exportsprache Englisch und den Status der englischen Kultur weltweit getan wie William Shakespeare, der Dichter und Dramatiker der Superlative.

Die Bühnen weltweit machen sich für das Jahr 2016 bereit, auch in Temeswar ist das nicht anders. Die Intendanten der drei Temeswarer Bühnen, gemeint sind das Nationaltheater Temewar, das Deutsche Staatstheater und das Ungarische Staatstheater Csiky Gergely – sowie Schauspieler, die Rollen in Shakespeare-Dramen übernommen haben, haben wir zur Aktualität des englischen Dramatikers befragt.

Das Nationaltheater Temeswar, das seit seiner Gründung achtzehnmal Shakespeare inszeniert hat, bereitet „Hamlet“ vor, das Kronjuwel in Shakespeares Dramatik. Ada Lupu Hausvater, die Intendantin des Nationaltheaters Temeswar, führt die Regie für die künftige „Hamlet“-Premiere: „Die Art, in der der heutige Mensch sein Wesen in Worten wiederfindet, die vor 400 Jahren geschrieben wurden ist faszinierend. Ich bin sicher, dass ‘Hamlet’ heute aktueller ist denn je. Hamlet stellt die Notwendigkeit der jungen Generation zur Diskussion, sich an Modelle zu richten, denen sie nicht nachahmt, sondern die sie übertrifft. Indem sie von Idolen, die als minderwertig ertappt werden, enttäuscht sind, sind diese jungen Menschen orientierungslos. ‘Hamlet’ konzentriert diese Orientierungslosigkeit einer Generation“.

In dieser Inszenierung kommt die Titelrolle Matei Chioariu zu: „Es gibt den Menschen-Schauspieler. Ich sage mir: Bleib wie im Leben und antworte ehrlich, aufrichtig, gelassen auf die Probleme, die auf der Bühne erscheinen. Ich sehe diese Rolle wie ein Geschenk für mich. Was Shakespeares Aktualität betrifft, bin ich der Meinung, dass wir Menschen seit über 2000 Jahren dieselben sind. Die Fragen, Freuden, die Unentschlossenheit eines jungen Menschen im alten Sumer sind im Grunde nicht anders als die eines von heute. Ungefähr so aktuell ist Shakespeare“.

Das Deutsche Staatstheater Temeswar setzt auf eine ältere, aber erfolgreiche Produktion, wie der DSTT-Intendant Lucian Vărşăndan erklärte: „Wir sind nicht in der Lage, eine neue Shakespeare-Inszenierung zu machen, weil sich viele seiner Stücke für ein recht kleines Theaterensemble nicht eignen, aber wir hoffen durch die Wiederaufnahme von ‘Titus Andronicus’ auch dem Anlass gerecht zu werden“. Am DSTT sind im Laufe der Jahre sieben Shakespeare-Stücke aufgeführt worden, die jüngsten davon „König Cymbelin“ und Titus Andronicus“. „Gewiss ist Shakespeare immer noch aktuell“, meint Lucian Vărşăndan. Er ist einer der besten Dramatiker, seine Stücke haben äußerstes dramatisches Potenzial und er war auch in den unterschiedlichen Gattungen des Genres tätig, man kann schwer sagen, ob seine Dramen oder seine Lustspiele eher seine Kunst als Dramatiker zum Ausdruck bringen. Ich bin für zeitgemäße Inszenierungen, es ist wichtig, dass diese, basierend auf dem Stoff, etwas dem heutigen Zuschauer zu sagen haben. Aber ich bin nicht für eine Modernisierung um jeden Preis“.

Im „Titus Andronicus“ interpretiert Radu Miodrag Vulpe die Hauptrolle: „Es war harte, aber schöne Arbeit. Für mich wird diese Rolle nie fertig sein. Shakespeare wird immer wieder neu erfunden von den Schauspielern und den Spielleitern, die sich mit dieser Welt treffen“.

Das Ungarische Staatstheater hat zwar für dieses Jahr zwar noch kein Shakespeare-Stück geplant, „aber es hängt auch viel von den Regisseuren ab, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir arbeiten für das Ensemble. Und außerdem hat alles, was Theater ist, eine Beziehung zu Shakespeare“, erklärte der Intendant Ballasz Attila.

Allein seit 1989 gab es vier Shakespeare-Inszenierungen am Ungarischen Theater, „Hamlet“ war wohl die am meisten gefeierte davon. Intendant Ballasz Attila hatte damals die Titelrolle interpretiert: „Hamlet ist auf jeden Fall ein Prüfstein, für den Interpreten, für das ganze Theater. Hamlet – vielen scheint es, dass dort das Theater beginnt und auch endet. Ich hatte anfangs nicht den Mut, mich an die Rolle heranzuwagen, nach so vielen großen Schauspielern, ich war lange frustriert, bis mir der Regisseur Victor Ioan Frună gesagt hat, dass es sich eigentlich um einen Kriminalroman handelt. Dann habe ich mich von der Bürde der Rolle entlastet gefühlt. Und überhaupt wären wir Theaterleute sehr arm ohne Shakespeare“.

 

 

 

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