Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Breslau und San Sebastián präsentieren sich in diesem Jahr von ihrer besten Seite

Mittwoch, 17. Februar 2016

Ein reichhaltiges Programm hat Breslau für 2016 vorgeschlagen.

Eine Chance für Interessenten, zwischen 18 und 30 Jahre alt, ist es, in einer der in diesem Jahr gekürten Kulturhauptstädte Europas als Freiwillige zu arbeiten und dabei hautnah zu erleben, wie das Programm verläuft. Alle, die sich dafür interessieren, können sich für zwei Monate (zwischen dem 1. Juni und dem 30. Juli) nach Breslau/Wroclaw begeben; die polnische Stadt teilt sich in diesem Jahr den Titel mit dem spanischen San Sebastián.

Es entsteht eine Art Brücke zwischen der mitteleuropäischen, geschichtsträchtigen Stadt, der viertgrößten in Polen, und dem Atlantik-Städtchen mit viel Flair und weniger als 200.000 Einwohnern, eine Brücke, die auch einige Gemeinsamkeiten hervorhebt wie eine schwierige Geschichte, mit vielen Kämpfen. In Donostia/San Sebastián haben die Waffen der baskischen Organisation ETA erst vor vier Jahren geschwiegen.

Breslau/Wroclaw ist nicht minder eine Stadt der Konflikte gewesen, wie sich auch die Repräsentanten des dortigen Vereins für eine Europäische Kulturhauptstadt erinnern: „Nach vielen Jahren der Pracht und der Entwicklung der Stadt kündigte sich eine Katastrophe von schier unbegreiflichem Ausmaß an. Die Stadt lag nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig in Ruinen – physisch wie auch seelisch. Sie verlor viele ihrer Bewohner, jene Menschen, die sie über Generationen aufgebaut haben. Neue Bewohner sind gekommen – verängstigt, der Zukunft ungewiss, fremd. Zusammengewürfelt aus vielen Regionen des Nachkriegslandes bauten sie eine neue Identität auf und schufen dabei ihre eigene Kultur. Es ist viel Wasser die Oder hinunter geflossen, bevor das hinterlassene deutsche, jüdische und polnische Erbe als eines angesehen wurde. Nämlich als das unsere“.

 

Pompös inszeniert

Heute präsentiert sich Breslau unter dem Konzept „Räume der Schönheit“ mit einer sanierten, schmucken Altstadt. Die Stadt gilt als besondere Attraktion für junge Menschen, hier studieren zahlreiche Studenten an der Universität direkt an der Oder.

Die Eröffnung der Veranstaltungsreihe hat Mitte Januar mit einem dreitägigen Programm unter dem Titel „Erwachen“ in Regie von Chris Baldwin begonnen, dem Kurator für Performances, einer der insgesamt acht Kuratoren, die sich Breslau für das Programm 2016 ausgesucht hat. Chris Baldwin ist Regisseur für groß angelegte Performances und Spezialist in der Entwicklung von Städten und Gemeinden über Kulturprojekte. Die von ihm vorgeschlagene Show in der Eröffnung des Kulturjahres in Breslau wurde in den Medien als „pompös inszeniert“ dargestellt: 1300 Künstler, 200 Chorsänger, 50 Soldaten und 300 Radfahrer nahmen daran teil.

Die Stadt wird sich dem Besucher in diesem Jahr über zahlreiche Projekte in verschiedenen Bereichen wie Theater, Film, Architektur u.a. präsentieren und vermarkten. Ein besonderes Augenmerk wird der Literatur geschenkt, denn Breslau wurde von der UNESCO in diesem Jahr auch zur „Welthauptstadt des Buches 2016“ gekürt.

 

Brücke nach Spanien

Als offene Stadt, in der alle an der Kultur teilhaben können, will sich Breslau vorstellen, wie Krzysztof Maj, der Direktor des Vereins, erklärte: „Bei den Vorbereitungen legten wir großen Wert darauf, dass die Kultur überall zugänglich wird – in den Parks, auf Straßen, in Krankenhäusern, in Gefängnissen. Man muss keine Karten kaufen, um daran teilzunehmen“.

Ein großer Wert wird auch auf Toleranz gelegt, Breslau präsentiert sich als „nationalismusfreie“ Stadt in den Medien.

Der zweite Titelträger ist in diesem Jahr Donostia/San Sebastián. Unter dem Konzept „Kultur fürs Zusammenleben“ haben sich die Veranstalter das Programm vorgestellt, das in „einer der fünf schönsten Städte Spaniens“ – so die Tourismuswerbung – abgewickelt wird. Mit einem viertägigen Programm hat auch San Sebastián sein Jahr gestartet, am 20. Januar, genau am Tag der Stadt. Das Programm ist auch hier besonders reichhaltig und enthält zum Beispiel eine Ausstellung zum Thema „Der Friedensvertrag“, die als Schwerpunkt die Darstellung von Frieden und Gewalt in Europa haben wird oder das Projekt „Wanderbotschaften“, bei dem Künstler verschiedener Nationalitäten mit dem Boot, Bus oder dem Fahrrad in verschiedene Städte Europas fahren werden, um sich dort künstlerisch zu betätigen.

Als Tourist wird man in diesem Jahr wahrscheinlich von beiden Städten angetan sein, für die jungen Menschen aber ist das Mitmachen als Freiwillige in Breslau eine Nuance mehr direktes Erleben einer Kulturhauptstadt Europas: Weitere Informationen sind unter http://villageofcultures.pl/how-to-apply/ erhältlich.

 

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