Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Liviu Holender auf der Opernbühne: „Die Leidenschaft, die Passion ist für die Musik!“

Mittwoch, 02. März 2016

Der junge Bariton Liviu Holender
Foto: Zoltán Pázmány

Als bei der Opern- und Ballettgala im Februar der Vorhang aufging, wussten die Besucher, die den Saal gefüllt haben, genau, wonach sie Ausschau halten sollten: Es traten viele der wertvollen Haussolisten auf, aber auch Namen, die auf anderen Bühnen Karriere gemacht haben, wie etwa die Sopranistin Cellia Costea und der Tenor Sorin Brătescu oder die Ballettsolisten Yvonne Slingerland Cosialls und Ovidiu Iancu. Und der Name eines jungen Solisten, der eine große Resonanz hat: Liviu Holender machte seinen Auftritt als Bariton auf der Bühne der Rumänischen Oper Temeswar.

Ioan Holender und der hiesige Operndirektor Corneliu Murgu hatten in der Loge Platz genommen. Der Saal war voll, das Publikum, das ein geübtes Ohr im Operngesang hat – schließlich feiert die Einrichtung in diesem Frühjahr ihr 70-jähriges Bestehen – spendet zwar gern Beifall, aber man hört die Bravo- oder Zugabe-Rufe immer nur berechtigterweise. Das war dann auch der Fall mit Liviu Holender. Der prominente Vater ist den Temeswarern schon längst ans Herz gewachsen, nun ist auch der Sohn herzlich aufgenommen worden. Mit Liviu Holender, der die Fakultät für Rechtswissenschaften an der Universität Wien, besucht und gleichzeitig an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Gesang und Oper studiert, hat die BZ-Redakteurin Ştefana Ciortea-Neamţiu folgendes Interview geführt.

 

Sie haben vergangenes Jahr in Temeswar auf der Bühne der Philharmonie gestanden, diesmal auf der Bühne der Staatsoper. Wie war das Gefühl?

Natürlich, ein Sänger gehört eher auf die Opernbühne als zur Philharmonie. In der Philharmonie war das wunderschön und das Schöne war auch, dass ich als Pianist schon  der Philharmonie das Erste Beethoven-Klavierkonzert und Haydn-Klavierkonzert vor einigen Jahren gespielt habe, aber hier eigentlich zurück an der Oper zu kommen, weil ich eigentlich mit acht Jahren, vor fünfzehn Jahren also, hier als Kind in „Toska“ als Hirte debütiert, aber hier auf der Bühne, wo auch mein Vater gesungen hat und wo alle großen rumänischen Sänger debütiert haben, das ist natürlich eine ganz besondere Freude und Aufregung.

 

Genau! Wie war das jetzt, viele Jahre später nach Ihrem Vater hier aufzutreten? Denkt man dann an diesen Aspekt?

Natürlich, natürlich auch. Es ist natürlich auch eine große Verantwortung, es ist seine Stadt und seine Bühne, wo er schon als erfolgreicher Sänger in Österreich hierhergekommen ist. Ich glaube, das ist auch die Bühne, außer der Wiener Staatsoper, wo er die meisten Vorstellungen gesehen hat, also kann er hier auch die Akustik beurteilen, er weiß, wie die Sänger hier früher waren, was muss ein Sänger hier können und auch dass er im Publikum saß und ich auf der Bühne stand, war für mich schon sehr, sehr aufregend.

 

Ist es eher leicht oder schwierig, wenn man Holender heißt und einen berühmten Vater hat?

Sowohl als auch. Ich meine, natürlich bietet es gewisse Möglichkeiten und gewisse Kontakte aber schlussendlich muss man sich aufgrund seiner Leistungen und der Stimme durchsetzen. Sicher, wenn ich hier als Herr Müller komme, sind keine Erwartungen da, aber wenn man sagt, schau da, es kommt Holenders Sohn, da ist man schon irgendwie in der Erwartung, etwas zu hören. Aber letztendlich steht man alleine auf der Bühne, mit seiner Stimme, mit seinem Können. Man muss damit überleben und damit Erfolg haben. Das zählt dann.

 

Sie haben sowohl Jura als auch Gesang studiert. Haben Sie sich nun fest für den Gesang entschlossen?

Ich schließe im nächsten Jahr sowohl Jus als auch Gesang ab, ich gehe dann ab Spielzeit 2017-2018 nach München, ans Gärtnerplatztheater und bin dann zwei Jahre als Solist im Engagement, als Bariton, was natürlich eine ganz große Sache ist. Das Gärtnerplatztheater ist ein wichtiges deutsches Theater. Aber die Leidenschaft zum Gesang, zur Musik hat überwogen. Jura ist immer noch mein Interesse, aber die Leidenschaft, die Passion ist für die Musik, für den Gesang.

 

Temeswar kandidiert für den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2021 und ist im Dezember auf die Kurzliste nach der Vorauswahl gekommen. Im September wird erst die Stadt ernannt, die den Titel tragen soll. Falls dies zutreffen sollte, würden Sie nach Temeswar zurückkommen wollen 2021?

Mit großer Freude. Ich drücke die Daumen, dass das Temeswar schafft, ich meine die Stadt hat so viel zu bieten, die Oper, deutsches, ungarisches, rumänisches Theater, viele Musikfestivals. Ich hoffe es wirklich und es wäre besonders schön, im Rahmen dieses besonderen Jahres zurückzukommen, aber vielleicht wird es auch davor schon der Fall sein.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*