Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

„Heute geht mir ein Traum in Erfüllung“ – Interview mit Corneliu Murgu, dem Generaldirektor der Rumänischen Oper Temeswar

Mittwoch, 30. März 2016

Seit 2000 leitet der weltbekannte Tenor Corneliu Murgu die Rumänische Oper Temeswar.
Foto: Zoltán Pázmány

Heute vor 70 Jahren hat König Mihai I. das Dekret für die Einrichtung der Rumänischen Oper Temeswar unterzeichnet. Das Opernensemble wird an diesem Abend mit Verdis „Aida“ auf der Bühne stehen; es ist dieselbe Oper, mit der die erste Spielsaison, ein Jahr nach der Unterzeichnung des Erlasses, eröffnet wurde. Es ist nun die 16. Spielzeit, in der Corneliu Murgu an der Spitze dieser im In- und Ausland bekannten Kulturinstitution steht, damit ist der ehemalige Startenor auch der Temeswarer Operndirektor mit dem längsten und auch erfolgreichsten Mandat. Während seiner Amtszeit ist die Oper 2004 zum Staatsopernhaus aufgestiegen, das Ensemble wurde verjüngt, die Solisten wurden auch gefördert, sich im Ausland weiterzubilden und aufzutreten. Andererseits sind namhafte Solisten aus dem Ausland nach Temeswar eingeladen worden, viele von ihnen hatten bereits mit „Maestro Murgu“, wie er von seinen Mitarbeitern genannt wird, zusammengearbeitet. In einem Interview, dem er der BZ gewährte, zog Corneliu Murgu Bilanz.

 

Heute treten in „Aida“ nur Haussolisten auf, davon debütieren fünf in Verdis Oper. Was bedeutet Ihnen diese Aufführung?

Etwas Schöneres kann sich ein Operndirektor nicht wünschen, dass bei einer Gala oder einer Jubiläumsvorstellung Haussolisten auftreten. Und dazu noch fünf Debüts in einer Vorstellung! „Aida“ ist eine großartige Vorstellung und ein Leitmotiv der hiesigen Oper. Heute geht mir ein Traum in Erfüllung.

 

Wurde auch jemand seitens der Königsfamilie eingeladen?

Wir haben eine Einladung zugeschickt, Sie kennen jedoch die Situation. Mir geht es jedoch darum, dass die Besucher die Vorstellung genießen. Ich werde auf keinen Fall auf der Bühne stehen, um zu erzählen. Im Allgemeinen ziehe ich es vor, in der Loge zu sitzen, wo ich für jeden einzelnen Solisten zittere. Der glücklichste Augenblick ist für mich beim Fall des Vorhangs, wenn alles glatt gelaufen ist, obzwar es für den Künstler ein trauriger Moment ist, weil er alles gegeben hat und der Vorhang dann wie eine Guillotine wirkt.

 

Welches waren die Highlights in den 70 Jahren?

Alle, die in dieser Institution angestellt waren, haben auf irgendeine Weise für die Kontinuität gesorgt und ich bin allen sehr dankbar. Am besten kann ich mich auf die Zeit beziehen, die ich kenne, seit 1990, als ich im Juni zum ersten Mal hier, in der „Cavalleria Rusticana“ aufgetreten bin, und vorwiegend auf die Zeit nach 2000, seitdem ich die Oper leite. Es gefällt mir nicht, als Manager bezeichnet zu werden, eigentlich auch nicht als Direktor, ich bin die Person, die in dieser Institution alles unter einen Hut bringen muss. Ich glaube, dass ich zur Qualität beigetragen und auch für den Bekanntheitsgrad der Oper gesorgt habe, das Ensemble hat viele Tourneen gemacht. Seit neun Jahren sind wir beim OperettenSommer in Kufstein dabei.

 

Wie wird sich die Oper an dem Kulturhauptstadtjahr beteiligen, sollte unsere Stadt den Titel gewinnen?

Es ist noch ein weiter Weg. Sollte Temeswar den Titel gewinnen, müssen die Vorbereitungen früher beginnen. Ich werde mein Bestes tun, solange ich Direktor bin. Wir werden auf jeden Fall dabei sein, man soll nicht vergessen, dass die Oper die größte Kulturinstitution in Temeswar ist. Hoffentlich wird bis dahin auch die Fassade anders aussehen. Man kann die alte Fassade zum Vorschein bringen oder die jetzige restaurieren, Hauptsache, man führt diese Arbeiten durch.

 

Wie schwierig ist es, neue Produktionen vorzuschlagen und das Repertoire zusammenzustellen?

Ich bin ein waschechter Banater und die Banater sind für ihre Speisekammern berühmt. Man muss also sparen können, um etwas zu realisieren. Meine fixe Idee war, die Operette in den Rosenpark zurückzubringen. Das Festival hat in den letzten 10 Jahren so an Bedeutung gewonnen, dass ich auch auf dem Markt von Leuten angehalten werde, die wissen wollen, was wir im Sommer im Rosenpark machen. Es ist das größte Festival im Freien bei uns, wir haben pro Abend an die 3000 und im Laufe des Festivals an die 10.000-12.000 Besucher. Es ist also eine wichtige Sache für die Stadt, auch im Hinblick auf die Kulturhauptstadt. Außerdem findet das Festival an einem äußerst schönen Ort statt, der Rosenpark wurde völlig saniert; was ich mir noch wünschen könnte, ist, dass eine größere Plane eingebaut wird, damit wir bei Regen auch das Orchester unterbringen können.

 

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