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Premieren und Projekte des Temeswarer Opernhauses

Mittwoch, 06. April 2016

Das Opernhaus bei Nacht
Foto: Zoltán Pázmány

Zum Doppelabend mit dem „Bajazzo/Cavalleria Rusticana“ lädt die Rumänische Oper Temeswar am 17. April ein. „Die Vorstellung wurde auf diese Art und Weise noch nicht gemacht. Ich habe in einer Nacht geträumt, dass ich auf der Bühne stand, im ‚Bajazzo‘. Um mich herum waren Balletttänzer. Wir haben den Prolog behalten, eine der schönsten Bariton-Arien, die es gibt, es folgt ein Ballettteil. Die Regisseurin Eugenia Andrei hat eine originelle Idee eingebracht, aber ich werde das Geheimnis nicht lüften“, erklärte Maestro Corneliu Murgu, der Direktor des hiesigen Opernhauses für die „Banater Zeitung“.

Im Falle der „Cavalleria Rusticana“ habe man sich für ein einfaches Bühnenbild und einfache Kostüme entschieden. „Die Personen sind nicht schwarz gekleidet, sondern bunt. Alles wird sehr einfach sein, das Thema ist aktuell, es hätte heute passieren können“.

Die musikalische Leitung übernimmt David Crescenzi. „Der Maestro ist seit 2003 Gastdirigent an dem hiesigen Haus. Wir haben eine quasi-italienische Sonorität unserem Orchester gegeben, was besonders wichtig ist“, so Corneliu Murgu.

Den Besuchern entgegenkommen

Die Aufstellung des Repertoires ist keine einfache Sache, das gab auch der Operndirektor zu: „Wir sind ein Repertoiretheater, kein Produktionstheater. Wir müssen auf die Besetzung achten. Behält man dieselbe Besetzung in einer anderen Vorstellung nach kurzer Zeit, kommen die Besucher nicht. Man muss auf viele Aspekte achten. Wir haben zwischen fünf und sieben Vorstellungen pro Monat. Nicht alle Opernliebhaber verfügen über ausreichend finanzielle Mittel. Viele müssen überlegen, ob sie das Geld ausgeben wollen, wobei unsere Karten im Durchschnitt 20 Lei kosten. Es ist also teurer, ins Kino zu gehen. Im Schnitt kostet es also dann 40-50 Lei für zwei Personen für einen Vergnügungsabend, das sind keine Ausgaben, die unbedingt gemacht werden müssen. So überlegen viele. Man muss den Leuten deshalb ein sehr reiches Repertoire anbieten“.

In seinem Repertoire setzt das Temeswarer Opernhaus viel auf Operetten. „Diese kommen gut an und werden oft von jungen Menschen besucht, was mir sehr gut gefällt“, unterstrich Corneliu Murgu. Auch das Opern- und Operettenfestival im Rosenpark ist da ein Aushängeschild für die Produktionen des hiesigen Opernhauses: „Dadurch, dass der Eintritt frei ist, können auch Leute dabei sein, die es sich sonst nicht leisten. Viele denken auch, dass sie für 20 Lei ein Kilogramm Fleisch kaufen und drei Tage lang essen. Aber im Rosenpark gewinne ich vielleicht fünf oder zehn Leute, die auch weiterhin in die Oper kommen werden. Beim Festival wird auch in Zukunft der Eintritt frei sein, auch wenn die Kosten erheblich sind“, versicherte uns Corneliu Murgu. „Es war schon interessant, festzustellen, wie still sich das Publikum verhält. Obwohl Leute mit Kleinkindern dabei waren. Solange ich diese Institution leite, wird dieses Festival mit freiem Eintritt sein. Die Temeswarer verdienen das. Es erinnert mich auch an das Temeswar aus meiner Kindheit, in den 1960r- 70er Jahren habe ich die Operettenaufführungen im Rosenpark gesehen“.

Den Nachwuchs fördern

Neue Stimmen versucht der Operndirektor immer wieder zu entdecken. Allein vor einer Woche haben fünf Haussolisten in Verdis „Aida“ ihr Debüt gefeiert. Und: „Vor kurzem habe ich eine Hörprobe am Musiklyzeum angeregt. Ich muss wissen, was die Zukunft bringt“.

Seit er die Oper leitet, hat sich Corneliu Murgu um die Förderung junger Talente bemüht, über die jetzige junge Generation meint er: „Ich kann nicht verlangen, dass die Schüler von heute auf demselben Niveau wie diejenigen aus meiner Kindheit sind. Wir hatten entweder montags die erste Stunde oder am Freitag die letzte Stunde Musik. Wir wurden gefragt, was wir am Wochenende in der Oper oder in der Philharmonie gesehen hatten. Musik gehört zur Bildung“, unterstreicht Corneliu Murgu, der sich über die Vorhaben, die Musikstunden aus dem Unterricht der Achtklässler wegzustreichen, verärgert gezeigt hat.

Corneliu Murgu schaut auf die längste Amtszeit als Operndirektor zurück. Über einen Nachfolger meint er: „Ich kann über die Eigenschaften, die er haben sollte, nicht entscheiden, ich kann ihm aber einige meiner Geheimnisse lüften. Wenn er versteht, dass ich ihm helfen kann, dann werde ich ihm auch helfen. Solange es mir die Gesundheit ermöglicht, werde ich an der Leitung der Institution bleiben. Und wenn der Kontext sich nicht radikal verändert. In Rumänien ändern sich die Sachen sehr schnell“.

 

 

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