Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

„Temeswar hat einen Vorteil“ – Interview mit dem DFDB-Vorsitzenden Johann Fernbach

Mittwoch, 13. April 2016

Der DFDB-Vorsitzende Johann Fernbach hat den Brandeisz-Violinwettbewerb in Temeswar angeregt.
Foto: Zoltán Pázmány

Der erste Internationale „Josef Brandeisz“-Violinwettbewerb, der vor Kurzem ausgeklungen ist, hat das Augenmerk der Temeswarer Musikliebhaber auf das Demokratische Forum der Deutschen im Banat gelenkt. Über diese Veranstaltung und über die Projekte, die sich das DFDB im Hinblick auf die Kandidatur Temeswars für den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2021 vornimmt, sprach der DFDB-Vorsitzende mit der BZ-Redakteurin Ştefana Ciortea-Neamţiu.

 

Welches ist Ihr Fazit zu dem Brandeisz-Wettbewerb?

Ich war begeistert, es hat mich sehr gefreut, dass das ein großer Erfolg war, das haben die Teilnehmer gesagt, die Jury, die Studenten, die Kinder, die Professoren, die Begleiter, im Gala-Konzert waren auch die Sponsoren und politische Persönlichkeiten dabei, sie alle haben unseren Wettbewerb gelobt. Es war nicht leicht, diesen Wettbewerb zu organisieren, man braucht mehr Leute, die eingebunden werden. Wir waren diesmal nur zu dritt, Frau Ute Moisuc, Simona Negru von der Musikhochschule und ich. Das ist viel zu wenig. Wenn wir den Wettbewerb in zwei Jahren wieder veranstalten, dann werden wir ein größeres Team haben.

 

Sie haben, seitdem Sie den Vorsitz des DFDB übernommen haben, viele Kulturveranstaltungen angeregt. Warum ist es Ihnen so wichtig, den Akzent auf die Kultur zu setzen?

Ich hoffe es wurde richtig verstanden, für mich bedeutet die deutsche Kultur, die schwäbische Kultur, die Kultur der Minderheit hier, in Temeswar, im Banat, nicht nur Volksmusik und Trachten, sondern auch das Gedenken an Brandeisz zum Beispiel. Es gibt so viele Deutschen, die man vergessen hat. So habe ich mir vorgenommen, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir hatten auch einen schönen Liederabend: von Robert Schumann vertonte Lenau-Gedichte. Lenau ist hier geboren, aber weltberühmt. Warum sollten wir nicht seines gedenken? Das ist mein Ziel und das werde ich auch tun, solange ich Vorsitzender des Banater Forums bin.

 

Temeswar ist nun auf der Kurzliste für die Kandidatur für den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2021. In den nächsten Monaten wird an dem Programm gearbeitet, das man für das Jahr 2021 vorschlagen will. Was schlägt das DFDB vor?

Es ist sehr gut, dass wir auf der Kurzliste sind. Ich glaube aber – und ich will keine Kritik ausüben – dass wir mehr machen müssten. Zum Beispiel beim Festival „Musikalisches Temeswar“. Man muss so eine Gelegenheit nutzen, dass man international bekannte Künstler einlädt. Dasselbe gilt auch für die Oper. Ich möchte nicht kritisieren. Aber das müsste man so tun, wenn man kandidiert. Es sind große Städte, die mit uns im Wettbewerb stehen. Man müsste mehr machen, es müsste mehr Geld in die Kultur investiert werden. Das Geld bekommt Temeswar ja zurück, wenn es den Titel gewinnt. Wir unterstützen alle Projekte und wir haben uns auch einige vorgenommen. Ich kenne Frau Simona Neumann sehr gut und wir werden alles Mögliche tun, um die Kandidatur zu unterstützen. Persönlich setze ich mich für mehr musikalische Veranstaltungen im Forum ein, auch die Kirchenmusik muss gefördert werden. Heuer werden 300 Jahre seit der Befreiung Temeswars (von der osmanischen Herrschaft – N. Red.) gefeiert, dazu gehören Konzerte im Dom, ein Symposium, das wir hier organisieren. Das sind alles Kulturveranstaltungen, die wir machen.

 

Was will konkret das Forum für das Jahr 2021 vorbereiten?

Wir werden hier im Haus Symposien haben, viele Konzerte, da ich an der Musikhochschule tätig bin: Wir werden viele Konzerte mit Studenten haben, Kammermusikabende, auch Professoren machen mit Simona Negru, Silvana Cârdu und Marius Maniov, der ein sehr berühmter Bariton ist. Wir arbeiten mit der deutschen Theaterabteilung zusammen, Frau Eleonora Ringler-Pascu und Karina Reitsch setzen sich ein, und auch mit dem DSTT, mit dem Intendanten Lucian Vărşăndan bin ich im Kontakt.

 

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Chancen für Temeswar aus, im September den Titel zu bekommen?

Es ist nicht leicht, aber Temeswar hat einen sehr großen Vorteil: Es ist die Stadt der Revolution. Das weiß man auch im Ausland, das wissen auch die Mitglieder der Jury. Das ist entscheidend glaube ich. Temeswar ist auch eine multikulturelle Stadt, eine Stadt mit vielen Konfessionen. Das sind einige unserer Vorteile. Und auch das Stadtbild ist besonders. Ich glaube, wenn auch die vielen schönen Häuser saniert werden, hat die Stadt gute Chancen. Temeswar muss eine Kulturhauptstadt werden und das wünschen wir uns auch.

 

 

 

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