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Deutsche, französische, österreichische, polnische… „Cafékultour“

Mittwoch, 27. April 2016

Barista-Show als Sahnehäubchen: Nana Holthaus-Vehse kennt alle Aspekte des Kaffemachens.
Foto: Zoltán Pázmány

Zirka 8000 Bohnen sind in einer großen Packung Kaffee enthalten. 120 Millionen Kleinfarmer bauen Kaffee an. Und zwischen 70 und 80 Staaten der Welt sind auf der Liste der Kaffeeproduzenten. Die schwarze Bohne hat es für viele Genießer in sich, aber nicht vielen sind die verschiedensten Aspekte des Prozesses des „Kaffeemachens“ bewusst.

Über nachhaltigen Kaffeeanbau, über die Gefährdung der Arabica-Bohnen durch den Klimawandel oder über Kaffeemaschinen und die Art, wie sie die Qualität des Getränks beeinflussen, hat Nana Holthaus-Vehse, die deutsche Barista-Meisterin des Jahres 2009, das Temeswarer Publikum im Auftakt der „Cafékultour“-Woche aufgeklärt.

Aber vor allem ging es bei dieser Barista-Show in Aethernativ-Café um Kunst: um die Kunst, Kaffee anzupflanzen, zu rösten und dann zu mahlen. Bis der Schaum in der Tasse perlt, müssen mehrere Etappen durchlaufen werden, alle haben etwas mit der Qualität des Getränks zu tun, das viele Menschen täglich nippen, schlürfen, genießen oder einfach in sich hineinschütten, um mit Turbo in den Tag zu starten oder diesen im selben Rhythmus durchzustehen.

Das Deutsche Kulturzentrum Temeswar und das Französische Institut haben in diesem Jahr zum zwölften Mal zur Cafékultour-Woche eingeladen. „Das Konzept hat sich seit meinem ersten Kontakt mit der Veranstaltung, vor Jahren, als ich Kulturreferentin war, nicht stark verändert“, erklärte Mona Petzek, die Leiterin des Deutschen Kulturzentrums. Raus aus den gewöhnlichen Veranstaltungsräumen und rein in die Cafés und Clubs lautet die Aufforderung. „Die Wiener Cafékultur stand als Beispiel!“, so Mona Petzek. Auch die Temeswarer scheinen sich dieser Koproduktion der beiden Kulturinstitutionen immer mehr zu erfreuen. Die Eventwoche wird in der Stadt an der Bega unter den Cafébesuchern, die auch ein Herz für Kultur haben, schon erwartet.

Jedes Mal sind es Theater, Musik und vor allem Zusammenspiele verschiedener Künste, die das Interesse des Publikums fesseln. Die Barista-Show – finanziell vom Goethe-Institut Bukarest unterstützt – war aber heuer das Sahnehäubchen der Veranstaltungswoche. Denn es gab grüne Kaffeebohnen zum Anfassen und Riechen, es gab jede Menge Information über die Herkunft des Kaffees und zum krönenden Abschluss das begehrte Getränk aus der Hand einer Barista-Meisterin. Schon nach dem konsistenten Vortrag müsste der Kaffee den Teilnehmern anders geschmeckt haben.

Die Veranstaltungswoche wird seit einigen Jahren auch von Partnerinstitutionen bereichert.

Das Österreich-Lektorat an der West-Universität Temeswar hat mit Unterstützung des österreichischen Kulturforums Bukarest im Rahmen der Cafékultour-Woche ein Treffen mit der Band „Bonnage Horreur“ vorgeschlagen, die lebendiges Kino macht: Auf der Musik von Benjamin Schiemer (Gitarre und Sitar) und Bernd Ammann (Kontrabass und E-Bass), zeichnet S. R. Ayers. Auch wenn alles planlos wirkt, geht das Trio nicht so vor, sondern setzt sich vor jedem Auftritt zusammen und sucht Themen aus; die Ergebnisse sollen beim Publikum die verschiedensten Emotionen hervorrufen: Kunst, die in Echtzeit entsteht und wirkt.

Das Polnische Kulturinstitut aus Bukarest ist auch seit einigen Jahren bei der „Cafékultour“-Woche dabei: Vorgeschlagen hat es wie schon im Vorjahr Zeichentrickfilme aus dem Festival „O!PLA Animation Across the Borders“. Die neuesten, preisgekrönten Produktionen der polnischen Zeichentrickfilmindustrie wurden in der Teestube der C²rture{ti-Buchhandlung projiziert: Dabei ging es um Zeichentrickfilme, die sich an Erwachsene richten, entweder war die Botschaft kunstvoll versteckt oder waren die Filme wegen der Zugehörigkeit zum Horror-Genre nicht kindgerecht.

Die Veranstaltungswoche ist mit Levente Kocsárdis One-Man-Show „Die Kunst, einen fahren zu lassen“ ausgeklungen, einer schonungslosen Satire über die Scheinheiligkeit der Politik und Gesellschaft. Im „Club 30“ hat das Publikum (ab 18) der Komödie beigewohnt, die auf Salvador Dalis Werk beruhte und dieses mit Musik verband, die der Schauspieler selbst komponiert hat. Die Veranstaltung wurde vom Kulturverein Arte-Factum vorgeschlagen.

Damit endete eine Woche, in der die Temeswarer entdecken konnten, dass Cafés und Clubs nicht nur guten Kaffee, sondern auch Kultur anbieten.

 

 

 

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