Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Kunst hautnah erlebt beim „Festival der Temeswarer Künste“

Mittwoch, 15. Juni 2016

Kunst hat die Stadt für eine Woche überschwemmt.
Foto: Zoltán Pázmány

Es heißt nicht „Kunstfestival der Stadt“. Nein. „Festival der Temeswarer Künste“ nennt sich die Veranstaltungswoche, auf die die Bürger der Stadt zurückschauen. Obzwar Kunst eine universelle Sprache ist, haben die Veranstalter – die Stadtverwaltung sowie das Kulturhaus der Stadt auf diese Bezeichnung gepocht.

Es geht darum, den Bürger als Kunstkonsumenten und –produzenten so gut wie möglich einzubinden. Deshalb war der Eintritt frei, deshalb wurde vorwiegend im Freien Kunst dargeboten und genossen. Deshalb wurde auch vor allem mitgemacht, nicht nur mitgesungen, sondern vor allem mitgewirkt, Hand angelegt, gemalt und modelliert.

Die Kunst sollte für alle sein: So haben Kinder ab 10 Jahren mitgemacht, etwa an einer Skulptur-Werkstatt in der Triade-Stiftung. Zehn Schüler vom Nikolaus-Lenau-Lyzeum, der Walddorfschule und dem Béla-Bártok-Lyzeum haben unter der Anleitung des Bildhauers Bogdan Nueleanu über fünf Tage lang über diese Kunst gelernt. Jeder Schüler hat an einer Skulptur gearbeitet, am Sonntag war es soweit: Bei der Vernissage der Ausstellung kamen Eltern und Geschwister, aber auch andere Interessenten zusammen.

Die Schüler haben vor allem Büsten und Tiere modelliert. Jeden Tag hieß es, etwas Neues zu lernen. Wenn am ersten Tag der Bildhauer eine Einführung in diese Kunst gab und den Kindern einige Skulpturen zeigte, die Kinder dann auch die ersten Skizzen machten, so begannen sie am zweiten Tag bereits konkrete Schritte zu machen: Von der Skizze ging es Stück um Stück zum fertigen Objekt.

Anfang Juni war es klar, als das Programm bekannt gegeben und am Freiheitsplatz eine Bühne aufgestellt wurde, dass es bald soweit ist. Drei Passantinnen, zwei davon Italienerinnen, schauten sich das an und sagten etwas über „la città“. Die Stadt war es tatsächlich, die zu dem Event für alle ihre Bürger eingeladen hatte. Und als die Bühne fertig aufgerichtet war, schlug die Stunde aller Kunstliebhaber aus Temeswar und auch derer, die es jetzt geworden sind, denn ansteckender konnte die Atmosphäre nicht sein.

„FestArteTM“ hat aber vor allem das alte Stadtzentrum wiederbelebt und in eine riesige Plattform für Künste verwandelt. Nichts war in den vergangenen Tagen schöner, als durch die Straßen zu flanieren und hier und da etwas zu entdecken: eine Malwerkstatt am Domplatz, eine Präsentation, wie Gravuren gemacht werden, das „Lutelier“ in einer Nebenstraße. Das Beiwohnen steckte an: Die Temeswarer ließen sich gern in die verschiedensten Aktivitäten einbinden, ob nun Malerei oder Tangotanz.

Die Highlights der Woche wurden dann am Abend genossen und große Kulturinstitutionen der Stadt machten mit: So hat der Auftritt der Band „Implant pentru refuz“ viele Fans angezogen. Das Deutsche Staatstheater Temeswar hat eine Vorstellung von Herta Müllers „Niederungen“, eine Inszenierung von Niky Wolcz, eine der erfolgreichen Produktionen des Hauses, dargeboten. Am selben Abend erklang Analia Selis Stimme am Freiheitsplatz, die Temeswarer Philharmonie „Banatul“ begleitete sie unter dem Stab des Dirigenten Radu Popa: Feuriger Tango war angesagt und die Mitglieder des Tanzclubs „Magnum Team“ hatten das Publikum schon darauf vorbereitet, indem sie die Zuschauer bereits vor dem Konzert auf den Geschmack gebracht haben. Wer offen genug war, ließ sich anstecken und begann in dem Dekor des alten Platzes zu tanzen, wer sich nur daran erfreue wollte, setzte sich auf eine Bank und klatschte begeistert Beifall.

In einer geringen Entfernung malten und modellierten Vorschulkinder mit ihren Eltern, Schüler unter der Aufsicht eines Lehrers oder Studenten von der Kunst- und Design-Fakultät, aber auch jeder Bürger, der Freude an Pinsel und Farben hat.

Mit den Aufritten von „Beck Corlan“ und „Cobzality“ klang „FestArteTM“ am Sonntag aus.

Für eine Woche war die Temeswar – und das nur wenige Tage davor so kapriziöse Wetter hat diesmal mitgespielt – eine bessere, fröhlichere, offenere Stadt. Kein Wunder, dass die Fans des Festivals, die vor Beginn der Festwoche auf den sozialen Netzwerken „Kann es kaum erwarten!“ gepostet hatten, nun erwartungsvoll auf das nächste Jahr schauen.

 

 


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