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Picasso, „Meninas“ und Toreros in einer Ausstellung im Kunstmuseum

Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Ausstellung kann bis zum 15. September besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17.30 Uhr angelegt.
Foto: Zoltán Pázmány

„Que viva Picasso!“ – „Es lebe Picasso!“ heißt es im Kunstmuseum Temeswar, wo zurzeit Werke des Meisters des 20. Jahrhunderts ausgestellt sind. Über 50.000 Kunstwerke hat das Genie hinterlassen; Malerei, Bildhauerei und Keramik beschäftigten ihn gleichermaßen. „Ihn charakterisierte eine unglaubliche Kreativität, er hat, einer simplen Berechnung nach, zirka 2,3 Kunstwerke pro Tag erschaffen“, hat der Kurator Thomas Emmerling bei der Vernissage neulich erklärt. „Und dass seine Kunstwerke wertvoll sind, hat bereits Salvador Dalí sehr plastisch ausgedrückt: ‚Niemand versteht es, das Öl so teuer zu verkaufen wie Picasso‘“. Dem kann man hinzufügen: Niemand versteht es so präzise, eine gewellte Linie in ein Kunstwerk zu verwandeln wie er. Das kann der Besucher der Ausstellung in Temeswar gut erkennen.

Die Ausstellung, die uns durch den ganzen Sommer begleiten wird, ist dank der Zusammenarbeit zwischen dem hiesigen Museum und der Firma „Merkur Global“ entstanden.

Als Pablo Picasso am 2. November 1945 die Pariser Druckerei „Mourlot Frères“ betrat, war der Grundstein einer langen Zusammenarbeit gelegt worden. Die Druckerei war für die Herstellung ausgezeichneter Lithografien sowie von Plakaten für die französischen Museen bekannt und hat Bücher von Schriftstellern und Künstlern der Moderne herausgebracht. Der Maler und Zeichner Georges Braque hat das Treffen zwischen Picasso und Fernand Mourlot, dem künstlerischen Leiter der Druckerei, angeregt. Fernand Mourlot hat unter anderem für Henri Matisse, Marc Chagall und Joan Miro gearbeitet.

Picasso war 1945 bereit, sein graphisches Werk in Lithographien umwandeln zu lassen. Eine Vielzahl seiner Werke war bereits während der Kriegszeit, die Picasso in Paris verbracht hat, entstanden, so „Les Méninas et la vie“ („Die Hoffräulein und das Leben“). Später: „Toros y Toreros“ („Stiere und Toreros“). Diese Werke können nun auch im hiesigen Kunstmuseum betrachtet werden.

Picasso hat über Jahre hinweg versucht, seinem Idol, dem spanischen Meister des 18. Jahrhunderts Diego Velázquez, nachzueifern. So ist auch in diesem Kräftemessen die Entstehung der „Les Méninas et la vie“-Serie zu verstehen, die von „Las Meninas“, dem bekannten Werk des Altmeisters, ausgeht. 200 Jahre später blickte die Infantin Margarita, die im Mittelpunkt des Gemäldes von Velázquez steht, aus Picassos Werken mit verzerrtem Gesicht in die Welt, ein Auge überdimensional, das andere viel kleiner, das Lächeln hat sie jedoch bewahrt. Das Gemälde von Velázquez hat Picasso auf das Essentielle reduziert: auf drei Gestalten, grün, blau und rot, sowie den Hund, der im Vordergrund liegt. Einzelne Teile von Velázquez’ Gemälde werden von Picasso aufgegriffen, andere werden hinzugedichtet wie die Palmen- und Meerlandschaft, die durch ein Fenster erblickt werden kann.

Bei „Toros und Toreros“ geht es um ein Thema, das dem spanischen Genie der modernen Kunst ans Herz gewachsen war: Mal in Schwarz-Weiß, mal in bunten Farben, oft sind aber nur einige Elemente zu erkennen, etwa der Dreispitz oder die schlanke Linie des Toreros – der Pinselstrich lässt die gesamte Energie des Toreros und des Malers ineinanderfließen.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung, in der insgesamt 118 Werke präsentiert werden, stellt die Serie dar, die Picasso für Tristan Tzaras Buch „De mémoire d’homme: Poème“ geschaffen hat. Picasso war mit dem Mitbegründer des Dadaismus befreundet. Da heuer 100 Jahre seit der Entstehung der Kunst- und Literaturströmung gefeiert werden, ist dieser Teil der Ausstellung umso interessanter und rückt dadurch auch erneut in die Aktualität. Außerdem lassen gerade diese Lithographien Picasso näher an den Betrachter rücken, denn sie halten die Fingerabdrücke des Meisters fest, etwa in den Tupfen eines Falters: Die Lithographien sind in „Fingermalerei“, mit den in Litho-Tinte getauchten Fingern ausgeführt worden.

Und noch näher rückt der Meister an sein Publikum dank der Fotografien heran, die die Ausstellung begleiten: Picasso am Strand oder ein Porträt von ihm; das Lächeln ist sein Markenzeichen.

 

 

 

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