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Filme, Wassermelonen und Musik beim dritten Festival „Ceau, Cinema!“

Mittwoch, 20. Juli 2016

Die jüngsten Zuschauer bei der Projektion des Zeichentrickfilms „Lotte“.

Mehr als zwei Wochen ist Münchhausen auf kanonenkugelgroßen Wassermelonen auf den Posters und Bannern in Temeswar und Gottlob geflogen. Sah lustig aus und klang lustig, denn es klang wie Sommer, Wassermelonen und Film. Es war „Ceau, Cinema!“-Wochenende in Temeswar. Und in Gottlob. Und es war die Wassermelonen-Trilogie. Denn die Wassermelonen spielten die Rolle des Teasers bei diesem Festival.

„Ceau, Cinema!“ nennt sich „ein Hosentaschenfestival“, ist aber in seinem dritten Lebensjahr bereits über den Rand der Hosentaschen hinaus gewachsen. An Format und an Qualität der Filme, an Teilnehmern und deren Enthusiasmus.

Temeswar hatte vor „Ceau, Cinema!“ nichts, was sich mit TIFF oder den vielen Filmfestivals in Bukarest nur annähernd vergleichen konnte. Jetzt hat es ein Festival, dem die Filmfans entgegen eifern können.

Das Konzept „klein, aber fein“, auf das die Veranstalter, die beiden Vereine „Marele ecran“ und „Pelicula cultural²“, setzen, hat sich bewährt. Mit Hilfe einer großen Anzahl von Partnerinstitutionen, ist das Festival zu einem begehrten Anlass für alle Filmfreunde geworden, die etwas von dem europäischen Film halten und das auf der Leinwand im Freilichtkino, im Ungarischen Theater oder im Haus der Künste sowie im Kino in Gottlob erleben wollten, was selten im kommerziellen Kino und im TV gezeigt wird. Eben alternatives, gutes Kino.

Das Festival war rund um einen Wettbewerb gebaut, sechs Filme eiferten um die Trophäe. Der große Preis (im Wert von 1000 Euro) ging dann an die kroatische Produktion „Das Leben ist eine Trompete“ (Regie: Antonio Nuic). Die Jury war aus dem Regisseur R²zvan Georgescu und den Schauspielern Alina Ilea und Alexandru Papadopol gebildet. Der Publikumspreis (im Wert von 500 Euro, von „Kathrein“ gestiftet) wurde dem polnischen Film „Meine Schwester“ (Regie: Kinga Debska) vergeben.

Im Festival wurden aber viel mehr Filme gezeigt. Filme verschiedener Art und aus verschiedenen Ländern: Von Kultfilmen aus den 1990er Jahren – gemeint ist die „Drei-Farben-Trilogie“ des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieslowski, bis zu aktuellen rumänischen Dokumentarfilmen, von dem estnischen Zeichentrickfilm „Lotte“ bis hin zu Kurzfilmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ein Preis sollte für selbstständige Produktionen / Debüt vergeben werden (in Höhe von 500 Euro, gestiftet von Vitas Rumänen). Schließlich einigte sich die Jury darauf, ihn auf zwei Produktionen aufzuteilen. Den Debütpreis erhielten Mimi S²l²jan und Adelina Buliba{a für „Die Libelle“, einen Kurzfilm, den die beiden Araderinnen in der Sektion „Banater Filme“ präsentiert haben. Der Preis für eine selbstständige Produktion ging an die vom Publikum viel beklatschte rumänische Komödie „Zwei Lose“ (Regie: Paul Negoescu).

Zum Reiz des Festivals gehört aber auch, dass es nicht nur in Temeswar stattfindet, sondern auch in Gottlob. Das gibt dem schmucken Ort, dessen Name vor allem in der heißen Jahreszeit auf allen Märkten in Temeswar in großen Lettern steht, noch einen besonderen Kick. Nicht nur die Gottlober kommen nach Temeswar, auch die Temeswarer zog es an diesem Wochenende dorthin. Dorthin, wo die Wassermelonen wachsen und wo „Blazzaj“ am Ende des Festivals den Abschiedsabend mit der für dieses Festival komponierten Hymne „Hai la Ceau!“ eröffnete.

Rasta-Zöpfe, Baumwolltaschen mit der Aufschrift „Das Land brennt und sie machen Dokumentarfilme!“ sowie T-Shirts mit einem besonderen Aufdruck: eine grün-rote Filmklappe (es ist eine Wassermelone, die die Form einer Filmklappe nimmt). „Mici“ und Cola oder Bier an diesem Abend. Keine Wassermelonenlimo wie bisher. Eine für Hochzeiten gebrauchte Halle, in einen Konzertsaal umgewandelt, das Wetter hat nicht mitgespielt, sonst wäre die Band auf dem Fußballstadion der „Spartak Gottlob“ aufgetreten.

Viele Jugendliche, zwei Mitarbeiterinnen des Französischen Kulturzentrums, einige Gottlober. Der Solist von „Blazzaj“ meinte schmunzelnd, er dürfe als Einziger sitzen bleiben. Sein Bein ist in Gips. Aber auch ihn hielt es nicht lange auf dem Stuhl. Und das Publikum eiferte mit.

Der „Festivalkuchen“ hatte viele Rosinen darin. Wassermelonengroße Rosinen. Gemeint sind eben diese Extras wie dieser Abend. „Ceau, Cinema!“ ist eben ein Festival mit Filmen, Wassermelonen und …Pepp.


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