Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Trotz Sommer und Sonne Angebot der Kunstgalerien nicht verpassen

Mittwoch, 31. August 2016

Die Plastik „Kodály“ ist in der Helios-Galerie ausgestellt. Autor ist der bildende Künstler Dudás Sándor aus Csongrád.
Foto: die Verfasserin

Sommer in Temeswar und endlich auch sommerliche Temperaturen! Wer noch nicht raus aus der Stadt ist, kann sein Auge an der Kunst erfreuen, die Kunstgalerien sind prall gefüllt und stellen meist auch eine kühle Oase in der sommerlichen Stadtlandschaft dar. Sechzehn Galerien zählt man auf der Webseite timisoreni.ro, von der bereits vor der Wende existierenden Helios-Galerie im Stadtzentrum, dem klassischen Treffpunkt der Temeswarer Künstlergemeinde, bis zu den jüngeren Erfolgsrezepten wie die Galerien Jecza oder Calpe.

Bereits beim Schlendern durch die Stadtmitte kommt der Tourist oder auch der Temeswarer an zwei Galerien vorbei. Eine davon – die größere – ist die Helios-Galerie. Sechzehn Künstler aus Csongrád stellen zurzeit aus. Die Ausstellung der Künstler aus dem Nachbarland kann noch bis zum 2. September besichtigt werden und verdient, dass man ein Auge wirft.

In der Vitralientechnik entstandene Kunstwerke präsentiert Kovács Keve: Kobolde schauen mit Glupschaugen aus bunten, gepuzzelten Scheiben hervor. Klassisch schön ist die bronzene Figurengruppe von Maté István „Liebespaar“. Sztanó Zsuzsanna lädt zum Betrachten einer „Schwimmende Stadt“ ein: im Aquarell, schwarz auf weiß liegt die Stadtkarte vor dem Besucher, in mehreren Varianten, ihre Form wechselnd. „Antidepressiv“ hat Maté Hunor sein Acrylbild betitelt und Farben wie Blau und Gelb, mit einem Schuss Rot und Grün sind tatsächlich eine Freude für das Auge. Vom selben Künstler stammt auch eine bronzene Plastik: „Evolution“ – aus einem Schneckengehäuse windet sich ein Männertorso.

Auf wiederum andere Weise gelingt es Szepesi Dóra die Kunstliebhaber zu überraschen. Ihr äußerst gelungenes Patchwork „Figur mit Variationen“ bietet kastenförmige Kleinodien für das Auge. Dafür verwendet die Künstlerin Materialien wie Pappe und Textilien und wertet Objekte wie Zeitungsausschnitte oder Tickets auf. In einem der Kästchen sitzt eine Figur im Rollstuhl. Aus Metall. Darunter, ein Schlüssel.

Rund und gelb, wie soeben gebacken steht ein Brotlaib mit Kruste da: „Unser tägliches Brot“ steht darunter geschrieben. Die Plastik stammt von Varga Stefan Luigi.

Nur wenige Schritte von der Helios-Galerie entfernt ist der Ausstellungsraum des Temeswarer Stadtrates, eine Stätte, in die man immer wieder die Besucher heranzuziehen versucht. Im Laufe der Zeit waren hier Ausstellungen von Schülern untergebracht, die sich ihre Stadt im Jahr 2021 vorstellen sollten, Exponate der Absolventen der Design-Fakultät, Fotografien der visuellen Künstler aus Temeswar. Wer sich jetzt in den Raum begibt, kann noch für kurze Zeit die Ausstellung „Das befreite Temeswar“ erleben. Eine Ausstellung, die Kunstwerke lokaler Künstler präsentiert und die sich mit den 300 Jahren seit der Befreiung der Stadt von der osmanischen Herrschaft befasst. Das Gemälde, das sofort hervorsticht, trägt die Unterschrift von Valeriu Sepi: Mit dem Titel „Military history“ („Militärgeschichte“) ist damit dem Prinzen Eugen von Savoyen als Befreier der Stadt ein Denkmal gestellt: Der Prinz und Oberbefehlshaber der Armee des Habsburgerreiches ist zu Pferd in einer siegreichen Pose zu sehen.

Bogdan Nueleanu entwarf einen tropfenden Halbmond, eine symbolische Plastik für die Niederlage der Osmanen. Nach der Befreiung gehört Temeswar wieder der christlichen Welt an: Mit „Spiritualität in der Festung“ – ein Christusbild auf der Karte der Stadtfestung will Daniela Voştinar darauf hinweisen. Der Besucher kann die Mercy-Straße mit den Augen von Pavel Torony entdecken, den Wasserturm im Gemälde von Reghina Maria Târnoveanu besehen.

Wenn sich jemand also eine kurze Pause gönnt und vor der Sonne flüchtet, die Galerien empfangen auch im Sommer gerne ihre Besucher.

 

 

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