Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Zum zwölften Mal Opern- und Opernfestival im Rosenpark

Mittwoch, 07. September 2016

Szene aus dem Musical „Anatevka oder Der Fiedler auf dem Dach“ mit Cristian Rudic als Tevje
Foto: Nationaloper Temeswar

Zwei volle Wochenenden, neun erfolgreiche Produktionen, Tausende von zufriedenen Besuchern: Am Sonntag ist das zwölfte Opern- und Operettenfestival in Temeswar ausgeklungen – der kulturelle Sommerevent in der Stadt an der Bega! Wenn es an anderen Häusern heißt „Auf Wiedersehen bis im Herbst!“ wirbt die Rumänische Oper Temeswar mit einem riesigen Plakat für das Festival und bereits beim Schließen des Vorhangs im Juni, das das Ende der Spielsaison an der Rumänischen Oper Temeswar ankündigte, haben die Musikliebhaber dem Festival entgegen geeifert. Seit zwölf Jahren hat es sich eingebürgert, dass der Rosenpark am letzten August-Wochenende Treffpunkt derer wird, die ein Herz für Verdi, Strauss & Co. haben. Seit einigen Jahren sind zwei Wochenenden dafür vorgesehen, denn die Nachfrage ist stetig gestiegen.

Warme Nächte, sternklarer Himmel, gute Musik, ein guter Plausch in der Pause und Treffen mit Freunden. Das Festival ist zu einer Gelegenheit geworden, mit der Familie auszugehen, FreundInnen zu treffen, Babys erste Opernerfahrung mitzuerleben. Auch in diesem Jahr waren viele Kinderwagen dabei und wie jedes Jahr hielten auch die sonst zappeligsten Kinder auf magische Weise still. Musik kann eben Wunder wirken. Und das nicht nur bei den eigens für sie am Sonntagvormittag angelegten Aufführungen von dem „Gestiefelten Kater“ von Cornel Tr²ilescu und Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Die jüngsten Besucher waren vom ersten Abend da. Denn warme Nächte mit guter Musik sind eben ein Balsam auch für Babys.

Es sind die fleißigen Operngeher, die sich hier wiederfinden, aber auch viele Neugierige, die vielleicht zum ersten Mal eine Opern-Degustation erleben. Damit ist das Ziel auch erreicht. Wie Operndirektor Corneliu Murgu in einem Interview für die „Banater Zeitung“ gemeint hat: „Wenn ich dank des Festivals zehn neue Operngeher gewonnen habe, die dann die Karten kaufen und in die Vorstellungen kommen, hat es sich schon gelohnt“. Deshalb ist das Festival mit freiem Eintritt organisiert. Was als Degustation gedacht war, ist einem Schmaus gleich gekommen. Denn es ist eine Leistung, neun Produktionen – darunter einige mit mehrjährigem Publikumserfolg wie etwa das Musical „Anatevka oder der Fiedler auf dem Dach“ von Jerry Bock sowie „Newcomer“ wie etwa Ruggiero Leoncavallos „Der Bajazzo“, als Ballett präsentiert, das nur vor wenigen Monaten Premiere hatte – dem Publikum in so kurzer Zeit zu präsentieren.

Der Anfang war für alle gedacht: das Musical „Anatevka oder Der Fiedler auf dem Dach“. Humorvoll im ersten Akt, was Klein und Groß im Publikum gefiel, stülpt die Handlung dann im zweiten in Tragik Akt über. Sinnierend verschwindet Tevje – Cristian Rudic in einer seiner Glanzrollen zu sehen– von der Bühne, er versteht die Welt nicht mehr, nachdem die russischen Soldaten ausgerechnet während der Hochzeit seiner Tochter Zeidel im Dorf auftauchen und die Leute niedergeschlagen.

Das Festival ist ein Marathon mit dem humorvollen und sinnierenden Tevje gewesen, mit traurigen Harlekins und einer mörderischen Sizilianerin, mit dem gestiefelten Kater, mit der tragischen Figur der Violetta, mit Sklavenchor, mit flottem Barbier und Hänsel und Gretel. Und zum Schluss dann mit der Gräfin Mariza – ein fröhlicher Eintritt in den Herbst und ein Appetizer auf die kommende Spielsaison.

Mit dem Opern- und Operettenfestival gelingt es dem Veranstalter die Besucher auf die Kunst des Genießens aufmerksam zu machen und auf eine sehr gelungene Weise, das kulturelle Niveau der Temeswarer zu erheben.

 

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*