Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Gespräch mit Simona Neumann, der Geschäftsführerin des Vereins, kurz vor der letzten Wahlrunde

Mittwoch, 14. September 2016

Simona Neumann, die Geschäftsführerin des Vereins „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“
Foto: Ovidiu Bega

Nur noch wenige Stunden trennen uns vom Zusammenkommen der Jury für die letzte und entscheidende Wahlrunde der Stadt aus Rumänien, die im Jahr 2021 den Titel einer Kulturhauptstadt Europas tragen wird. Vor einem Monat hat der Verein „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“ die endgültige Dokumentation für die Kandidatur eingereicht, die zurzeit auch auf der Webseite www.capitalaculturala2021.ro zusammen mit den Dokumentationen der anderen drei Kandidaten, Frauenbach/Baia Mare, Klausenburg/Cluj-Napoca und Bukarest abrufbar ist. Keine Pause für den Verein, denn zwischen dem 8. und dem 14. September hat die Jury die vier Städte besucht, um sich die Kandidaten mit eigenen Augen anzuschauen.

„Die Dokumentation haben wir am 12. August eingereicht, neun Monate nach Beenden der Vorauswahl“, erklärte Simona Neumann, die Geschäftsführerin des Vereins für die „Banater Zeitung“. „In dieser Zeitspanne haben das Team und die Kuratoren an der Neufassung der Dokumentation gearbeitet, um den Empfehlungen der Jury entgegenzukommen. Es wurde intensiv, leidenschaftlich und verantwortlich gearbeitet. Am Ende dieses Weges, der eigentlich für uns Temeswarer fünf Jahre an Vorbereitungen, Einbinden des Publikums, an gutem Funktionieren des Vereins Temeswar – Kulturhauptstadt Europas bedeutet hat, haben wir das Gefühl, dass wir etwas sehr Gutes erschafft haben, worauf wir stolz sein können und das als eine Strategie für die Entwicklung der Stadt mit Hilfe der Kultur bleiben kann“.

 

„Beanspruchend, interessant und wagemutig“

Im Laufe der Jahre haben sehr viele Leute mitgemacht. „Es haben viele Menschen in verschiedenen Etappen des Projektes mitgemacht. In diesem Jahr hat das Team ,TM2021‘ 22 Mitarbeiter gezählt; 21 Kuratoren haben das künstlerische Programm skizziert“, so Simona Neumann.

Die Geschäftsführerin beschreibt die Arbeit folgendermaßen: „Sie war beanspruchend, interessant und wagemutig. Praktisch mussten wir uns die Stadt mit einem Kulturprogramm im Jahr 2021 vorstellen und das mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen. Es ist nicht einfach. Vieles kann sich ändern, wenn man die Entwicklung der Technologien in Betracht zieht. Das ist der Grund, weshalb wird ein flexibles Programm konzipiert haben, das sich den Änderungen anpassen kann, ohne auf seine künstlerische Qualität zu verzichten und das zugleich auch an die internationalen Kunstbewegungen angebunden ist“.

So war auch die Zeitspanne bis zur Einreichung der Dokumentation eine „intensiv erlebte“, wie sie Simona Neumann beschreibt: „Wir hatten nur neun Monate zur Verfügung, in dieser Zeitspanne mussten wir alles bewirken: Finanzierung suchen, Personal anwerben, das über die Kompetenzen verfügt, die uns im Team gefehlt hatten, mit unseren internationalen Partner Kontakt aufzunehmen, Workshops mit Künstlern und den Kuratoren des Kulturprogramms zu organisieren, die Öffentlichkeit über unsere Arbeit zu informieren, die Dokumentation zu verfassen, zu übersetzen, ein neues Design vorzuschlagen, das originell ist und ein Kunstwerk für sich darstellt“.

 

Studie belegt bemerkenswerte Unterstützung

Allein schon diese Aufzählung kann einen Einblick gewähren. „Es war aber gleichzeitig eine schöne Zeit, kann ich behaupten. Wir haben innerhalb des Teams viel voneinander gelernt. Wir haben gelernt, uns gegenseitig zuzuhören, die Ideen anderer zu akzeptieren. Mir haben die letzten vier Jahre, in denen ich bei der Vorbereitung der Kandidatur dabei war, dazu verholfen, die Stadt und ihre Bedürfnisse besser kennenzulernen, die sensiblen Punkte, die schmerzenden Punkte und alles, wo eine Veränderung möglich ist. Zugleich habe ich auch außergewöhnliche Menschen kennengelernt, Menschen, die mit ihren Ideen und ihrer Hingabe das kulturelle Leben der Stadt, die Wirtschaft, die Presse, die Schulen, die Universitäten der Stadt anregen“.

Als größte persönliche Genugtuung nennt Simona Neumann die Tatsache, dass sie am Ende dieser Zeitspanne eine Gemeinschaft sieht, „die sich um diese Kandidatur gebildet hat: Ich erhalte täglich Anrufe, Botschaften, Emails zur Stärkung für die letzte Etappe, die am 16. September in Bukarest stattfinden wird“. Auch die Zahlen belegen diese Unterstützung seitens der Bevölkerung, so zeigt „eine Studie, die von der Soziologie-Fakultät an der West-Universität Temeswar durchgeführt worden ist, dass zirka 90 Prozent der Temeswarer die Kandidatur unterstützen wollen. Das ist bemerkenswert!“ meint Simona Neumann.

Ein letzter Schritt vor dem entscheidenden Treffen in Bukarest war der Besuch der Jurymitglieder in der Stadt. „Die Jury wollte den Puls der Stadt nehmen, so wie er an einem gewöhnlichen Tag ist. Sie wollte die öffentlichen Räume im Freien sehen, die Märkte, wollte sich mit Leuten treffen, um sich Rechenschaft über das Vermögen der Stadt zu geben, ein Event von diesen Ausmaßen ein Jahr lang zu veranstalten“.

Auf die Frage, welche Erwartungen sie und das Team haben, kam dann die knappe, aber auch selbstsichere Antwort: „Zu gewinnen!“

 


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