Unser Kandidat: Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Bewerbung um einen europäischen Titel

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Setzt sich für Temeswar ein: Simona Neumann

Temeswar bewirbt sich um den Titel einer „Kulturhauptstadt Europas 2021“, ein Projekt, das alle Temeswarer etwas angeht oder angehen sollte. Mit der Rubrik, die heute startet, wollen wir unsere Leser über die Kandidatur ihrer Stadt auf dem Laufenden halten.

Für die Vorbereitung der Kandidaturdokumentation und deren Verteidigung vor der Jury im Jahre 2017 ist der Verein „Temeswar - Kulturhauptstadt Europas 2021“ zuständig. Nach dem Bestimmen des Gewinners, wird der Verein die in der Dokumentation geplanten Kulturprogramme mit den Kulturakteuren umsetzen. Die Geschäftsführerin des Vereins Dr. Simona Neumann, die auf eine 17jährige Erfahrung auf Managementlevel im Bereich der internationalen Beziehungen zurückschaut, klärte uns über den aktuellen Stand der Dinge auf.

 

Welches ist die wichtigste Karte Temeswars in diesem Wettbewerb?

Die Vorteile Temeswars sind seine europäische Dimension, die von seinen multi- und interkulturellen Zügen lebt, die Offenheit gegenüber dem Neuen und die Fähigkeit, das Neue aufzunehmen, die günstige geographische Lage, in der Nachbarschaft Serbiens und Ungarns und an der Kreuzung einiger großer Hauptstädte wie Bukarest, Belgrad und Budapest. Temeswar ist auch die Stadt, in der die Bevölkerung die Revolution 1989 gegen das totalitäre Regime angefangen hat. Temeswar ist eine Stadt mit einem reichen historischen und architektonischen Erbe sowie einer entwickelten bürgerlichen Tradition. Es ist eine Universitätsstadt, aber auch eine Stadt mit einem exzellenten touristischen und wirtschaftlichen Potenzial. Nicht zuletzt liefert das reichhaltige kulturelle Leben der Stadt die Schlüssel-Ressourcen für ein üppiges kulturelles Programm im Jahre 2021. In den letzten Jahren haben nicht die Städte mit dem reicheren historischen Erbe und der reichsten kulturellen Tradition gewonnen, sondern die, welche mit Hilfe dieser Pluspunkte ein tragbares und innovatives Programm zu erarbeiten wussten, auf Grund eines klaren Konzepts und einer Vision.

 

In der Vorgehensweise des Vereins spielt auch das Stadtbranding eine Rolle?

Der Verein bereitet die Kandidatur der Stadt vor und erarbeitet das Konzept der Kandidatur, das die Stadt repräsentieren und für den Kontinenten relevant sein soll. Es ist ein bisschen verschieden vom Branding-Prozess einer Stadt. Ein Konzept veranschaulicht die Verbindung zwischen den Zielen und den Ressourcen, den Werten der Stadt. Obwohl das Konzept allein nicht zum Gewinnen des Wettbewerbs führt, kann ein originelles und beliebtes Konzept die Wünsche der Bürger und der Verwaltung mit der Vision der Kandidatur verbinden. Das Konzept muss wichtige, individuelle Aspekte der Stadt reflektieren und einen flexiblen und kohärenten Rahmen für alle seine Komponenten bieten. Es wurde im Laufe mehrerer Treffen und Debatten mit hunderten von Mitmenschen und Gästen erarbeitet. (Über das Konzept lesen Sie in unserer Rubrik in der nächsten Ausgabe – N. Red.)

 

Welches ist das Event des Jahres unter dem Schirm „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas“? Bis vor Kurzem haben sich die Kulturhauptstädte Europas auf eine Großveranstaltung fokussiert, wie etwa das Theaterfestival in Hermannstadt/Sibiu. Seit einigen Jahren aber sind die Kulturprogramme der Städte, die den Titel gewinnen, differenzierter. Sie sind um das Konzept der Kandidatur gebaut und es können mehrere wichtige Events für das Jahr eingeplant werden. Wir werden die Einplanung dieser Veranstaltungen in Kürze beginnen; die Themen werden von den Kulturoperateuren und den Intendanten definiert. Was erwidern Sie den Temeswarern, die kein Vertrauen haben, dass unsere Stadt den Wettbewerb gewinnen wird?

Die Kandidatur geht auch die Temeswarer an, die nicht an das Potenzial ihrer Stadt glauben, die ihren lokalen Stolz verloren haben oder ihn nie hatten. Der Titel soll den Bewohnern den Respekt vor der eigenen Stadt wiedereinbringen, durch das Prestige und die Sichtbarkeit, die Temeswar auf europäischer und internationaler Ebene haben wird. Zweitens: in Lille, Mons, Liverpool oder Marseille hatte die Bevölkerung kein Vertrauen, dass die Städte den Titel gewinnen werden. Es waren keine kulturellen Städte per excellence, im Gegenteil, sie hatten ernsthafte wirtschaftliche und soziale Probleme. Danach aber haben sich diese Städte eine neue Position auf der Karte Europas errungen, die Kultur wurde beflügelt, die Anzahl der Touristen ist gestiegen und die Wirtschaft hat sich diversifiziert. Drittens: Ein Kulturberater hat mir einst gesagt, dass es immer Menschen geben wird, die nicht an die Vorteile eines solchen Titels für die eigene Stadt glauben werden, auch nicht nach dem Gewinnen des Titels. Somit ist es aus der Erfahrung anderer Kandidatenstädte normal, dass es auch unter uns Temeswarer gibt, die nicht an diesem Wettbewerb glauben.

 

Was würden Sie sich von den Temeswarern wünschen?

Dass sie Vertrauen in sich selbst haben und dass sie an den schönen und guten Sachen, die in der Stadt passieren, teilnehmen, sich daran erfreuen. Und nicht zuletzt, dass sie mit demselben Enthusiasmus auf unsere Aktivitäten antworten wie bisher.

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