„Unser Land“ kam nicht in Ausländerhand

Prognosen nach Liberalisierung des Landkaufs waren nicht zutreffend

Samstag, 31. Januar 2015

Die ewig um „unser Land“ Besorgten haben mal wieder umsonst Alarm geschlagen. Die im April 2014 in Kraft getretene Liberalisierung des Landkaufs, die (im Einklang mit den EU-Beitrittsklauseln Rumäniens) auch Ausländern als natürliche Personen das Kaufen landwirtschaftlicher Grundstücke erlaubt – bis dahin konnten sie das bloß mittels eigens dazu gegründeter Firmen tun – hat weder ein Wettrennen auf rumänische Landwirtschaftsflächen, noch eine massive Überfremdung des Eigentums an Boden, noch stark spürbare Verteuerungen der Grundstücke hervorgerufen. So zumindest stellt sich die Lage im Banater Bergland dar, wo in einigen Gegenden durchaus attraktive Filetstücke an landwirtschaftlich nutzbaren Böden vorhanden sind.

Die überwiegende Mehrheit der Grundstücke, die ab Inkrafttreten der Liberalisierung – konkret: zwischen Juni 2014 und Januar 2015 – ihren Besitzer gewechselt haben, sind landwirtschaftliche Flächen, die in Pacht bearbeitet wurden. In der genannten Zeitspanne sind auf der Internetseite der Kreisdirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung mehr als 300 Verkaufsangebote ins Netz gestellt worden.
Vom Juni 2014, als das Gesetz Nr.17/2014 in Kraft trat, sind dem Juristen der Landwirtschaftsdirektion, Sorin Borugă, 317 Angebote vorgelegt worden, die ursprünglich für eine landwirtschaftliche Gesamtfläche von 297,36 Hektar galten, von denen 217 Hektar Ackerland waren und 65 Hektar Weideland und Heuwiesen, 7,8 Hektar Obstgärten, 3,71 Hektar unproduktives Land, und andere Grundstücke 2,34 Hektar. Hinsichtlich der Preise weiß der Jurist zu berichten, dass diese im Banater Bergland in erster Linie vom Rechtsstatus der Landwirtschaftsflächen abhängen. Zwar gibt es im Banater Bergland – wie im gesamten Banat, in Siebenbürgen und im Partium auch – seit dem 18. Jahrhundert, seit der ordnenden Habsburgerzeit, Grundbücher, und auch die Satelittenaufnahmen im Vorfeld des EU-Beitritts sind bereits mit diesen Grundbüchern abgestimmt – nur war der Grundbesitz teilweise über Generationen vom Gewohnheitsrecht bestimmt und man vermied die Kosten der Grundbucheintragung von Veränderungen der Besitzverhältnisse. So gibt es ganze Ortschaften, wo zwar jeder weiß, welcher Fleck Land wem gehört, wo aber niemand einen Grundbuchauszug vorlegen kann, der das auch offiziell bestätigt. Darauf kommt es aber beim Grund-stückshandel an.

Selbstverständlich hängt der Preis zunehmend auch von der Kompaktheit der angebotenen Fläche bzw. der Möglichkeit ab, durch Zukauf Flächen zusammenzulegen, von eventuellen Kosten nach dem Kauf, aber auch von der grundsätzlichen Topografie des Grundstücks. So kommt es, dass es im Banater Bergland Grundstücke zu kaufen gibt, für welche die Besitzer zwischen 5000 und 6000 Euro fordern (oder um die 250.000 Lei), aber auch welche, die zwischen 500-1000 Lei zu haben sind. Jurist Borugă: „Nach den uns in der genannten Zeitspanne vorgelegten Verkaufsangeboten zu urteilen, werden die teuersten Landwirtschaftsflächen im Raum Karansebesch angeboten – vielleicht auch infolge des Wirtschaftsbooms in diesem Raum und in der Hoffnung, die landwirtschaftlichen Grundstücke umzuwidmen in Industrieflächen, weil jene der Stadt, die für Investitionen bestimmt sind, allmählich ausgehen. Fakt ist jedenfalls, dass dort Grundstückspreise von bis zu 278.000 Lei/Hektar gefordert wurden (um die 6000 Euro). Ein Besitzer wollte dort aus dem Verkauf seiner 22 Hektar 6.232.164 Lei herausschlagen. Am anderen Ende der Skala haben wir auch Verkaufsangebote gehabt, wo ein Besitzer für eine Parzelle von 2000 Quadratmetern ganze 100 Lei verlangt hat.“

Hinsichtlich der Struktur der interessierten Käufer hat Borugă herausgefunden, dass der Großteil Pächter sind, die sich allmählich eigene Grundstücke zulegen. Das ersehe man erst mal daraus, dass die meisten Käufer Firmen sind, die relativ große Landwirtschaftsflächen bearbeiten und dauernd an Vergrößerung durch Zusammenlegung von Flächen interessiert sind. Oft kaufen sie Grundstücke, die sie schon seit Längerem in Pacht bearbeiten, wo sie also den Boden kennen. Auch sie bieten je nach Nutzungsabsicht und Qualität sowie nach der Rechtslage. In Orawitza, bei Agadici, beispiels-weise, sind 1241 Quadratmeter Obstgarten für 682 Lei verkauft worden und 550 Quadratmeter um 304 Lei. Hingegen wurde Ackerland in Ticvaniu Mare um etwa einen Leu pro Quadratmeter (1094 Quadratmeter um 1222 Lei) verkauft, in Doclin bei Bokschan 1,72 Hektar Ackerland für 10.836 Lei und in Berzovia 1,1 Hektar Ackerland für 1000 Euro. Aber ebendort sind 1,74 Hektar Ackerland auch für 4176 Euro verkauft worden. Weideland ist günstig. In Lăpuşnicu Mare sind 1,45 Hektar Weideland um 2900 Lei verkauft worden, hingegen ist ein 784 Quadratmeter großes Stück Weideland in Păltiniş/Valea Boului bei Karansebesch, in Ortsnähe, um 86.000 Lei verkauft worden.

Kommentare zu diesem Artikel

norbert, 01.02 2015, 05:17
Man sollte die Rumänen mal besser informieren. .und erzählen. Wie das Land ausgesehen hat und weitestgehend noch aussieht. Als ich 97 das erste mal durch rumänien fuhr..sah es aus. .als ob überall nur Unkraut wächst. .Geschweige das man Landwirtschaft erkennen kann. .die international Bedeutung hat. .die Menschen in rumänien sind zwar erster im weltweiten ranking im fersehschauen..aber Zeitungen. .die sehe ich nirgendwo das die gelesen werden. .die rumänische Bevölkerung. .ist im Durchschnitt sehr uninformiert. .deswegen kann man diese Aussage im Bericht verstehen. Sie sollten froh sein das menschen schon vor tausend Jahren genau dessen nach Siebenbürgen gerufen wurden. .weil die damalige Bevölkerung dort .noch nicht sehr gut im Ackerbau waren. .das sah und sehe ich heute noch. .man kann sehen die Felder die von Investoren bearbeitet werden und die von Rumänen. .das ist meistens ein großer qualitativer unterschied. Weniger Fernsehen und mehr Zeitung lesen. .

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*