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Helen Alba macht sich für die Förderung der deutschen Mundarten stark

Mittwoch, 08. Februar 2017

Helen Alba erstellt jeden Mittwoch die Pipatsch-Seite der Banater Zeitung.
Foto: Zoltán Pázmány

Für einen Deutschen möge die Pipatsch-Seite in banatdeutschen Mundarten eine lustige Erscheinung sein, für die Deutschen aus dem Banat ist sie definitiv ein Stück Heimat. Dafür, dass ein Stück Heimat jeden Mittwoch in die Häuser der Banater Schwaben kommt, sorgt seit vielen Jahren Helen Alba (66), die Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar.

Helen Alba stammt ursprünglich aus der Ortschaft Bogarosch/Bulgăruş im Kreis Temesch. Ihre Kindheit verbrachte sie in ihrem Heimatort. „Es war eine glückliche Zeit“, erinnert sie sich heute an jene Zeit zurück. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Bogarosch zog sie nach Temeswar, um dort die Nikolaus-Lenau-Schule zu besuchen. „Ich wohnte im Schulinternat und durfte nur alle drei Wochen nach Hause. Es war eine harte Zeit – ich erfand manchmal Sachen, um nach Hause fahren zu dürfen“, erzählt sie lächelnd. Im letzten Schuljahr wohnte sie mit einer jungen Ärztin im selben Zimmer – mit ihr bereitete sie sich auf die Aufnahmeprüfung an der Medizinfakultät vor. „Vor der Prüfung musste ich eine Genehmigung vom Arzt erhalten, dass ich ´geeignet fürs Studium´ bin. Leider erhielt ich diese nicht auch vom Augenarzt“, sagt Helen Alba. Mit Schmiergeld hätte dies irgendwie gelöst werden können, doch das wollte ihre Familie nicht. Folglich musste sie aufs Studium verzichten und Arbeit suchen. Sie ließ sich 1969 bei der Möbelfabrik Tehnolemn in Temeswar anstellen, wo sie ihren künftigen Ehemann kennenlernte.

Nach dem Mutterschaftsurlaub, der bis 1977 dauerte – Helen Alba hat einen Sohn und eine Tochter – ließ sie sich bei der Fabrik Electromotor anstellen, wo sie Motoren wickeln musste. „Die Arbeit hat mir so richtig Spaß gemacht“, sagt sie. 1990 stieß sie jedoch auf eine Anzeige der Neuen Banater Zeitung. Die NBZ suchte Redakteure – Helen Alba bewarb sich für einen Posten. Für die Zeitung war sie schon seit einigen Jahren ein bekannter Name – sie hatte bereits ab den 70ern Texte und Gedichte auf der Pipatsch-Seite veröffentlicht. Sie wurde angestellt – zuerst als Korrektorin, einige Monate später als Redakteurin und schließlich als Hauptredakteurin, zwischen 1998 und 2002. 1993 schloss sie eine journalistische Fortbildung an der evangelischen Medienakademie in Nürnberg ab. „Es war eine schöne Zeit in der Redaktion. Das Schreiben, die Ausfahrten, alles hat Spaß gemacht“, sagt Helen Alba. Zwischen 2003 und 2005 gab sie das „Schwoweblatt“ des Temeswarer Deutschen Forums heraus. Anschließend wechselte sie zu einer Privatfirma, von wo sie in Rente ging.

Ein Leben lang war Helen Alba aktiv gewesen, was das Fördern der banatdeutschen Mundarten und der banatschwäbischen Sitten und Bräuche angeht. Sie zählt zu den Gründungsmitgliedern des „Temeswarer Liederkranzes“ und hat einige Jahre mitgesungen. Was vielleicht nur wenige über Helen Alba wissen: Sie spielt sehr gut Akkordeon und sang in ihrer Kindheit im Jugendchor aus Bogarosch mit. Ihre Mutter selbst war die Chorleiterin in ihrer Heimatortschaft.

Es ist also nicht von ungefähr, wenn ab Herbst Simon, ihr fünfjähriger Enkelsohn, die Knaben-Grundschule der Regensburger Domspatzen – eine Schule mit musisch-musikalischem Schwerpunkt - besucht. Simon spielt Gitarre, singt im Chor der Domspatzen und hat vor Kurzem eine Blockflöte geschenkt bekommen. „Meine größte Errungenschaft sind meine Kinder und jetzt mein Enkelsohn“, sagt Helen Alba, die jeden Abend über WhatsApp mit dem kleinen Simon telefoniert.

Dass ihr die banatschwäbischen Mundarten besonders am Herzen liegt, das beweist Helen Alba mit jeder Pipatsch-Ausgabe. Als Mitglied des Literaturkreises „Stafette“ veröffentlichte sie aber auch mehrere Bücher in banatschwäbischer Mundart, unter anderem „E Schmunzle vun der Heed“ (1996) und „Schwowischi Gsetzle“ (2005). Bisher beteiligte sie sich an allen Mundartautorentreffen in Temeswar. 

2019 feiert die Pipatsch-Seite der Banater Zeitung ihr 50-jähriges Jubiläum. Viele Leser und Freunde der BZ erinnern sich gern an das 40-jährige Pipatsch-Jubiläum in Temeswar zurück, als auch ein Kuchenwettbewerb auf dem Programm stand. Bei der 50-Jahr-Feier der Pipatsch wird Helen Alba ganz bestimmt aktiv dabei sein.

 

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