Unternehmerwandel: Angeln statt Asphalt

IHK-Präsident setzt auf Pferde und Störzucht

Mittwoch, 14. August 2013

Viel Grün auf der Freizeitfarm am Dorfrand von Herneacova, das zwischen 1921 – 1935 eigenständige Gemeinde war und heute der Stadt Rekasch einverleibt ist. Foto: Siegfried Thiel

Auf  sieben Hektar erstreckt sich der See, umgeben ist er über weite Strecken mit Wald, nur selten rattert ein Fuhrwerk oder ein Traktor durch die Gegend. Dabei liegen Herneacova und die Farm des Unternehmers Georgic² Cornu nur gute zehn Kilometer von der Kleinstadt Rekasch entfernt. Den Weg, vorbei am Rekascher Weingut, hatten an diesem heißen Nachmittag auch der Temescher Kreisratsvize Marian Vasile und die Vizepräfektin Liliana One] angetreten. Sie wollten dabei sein, wenn die Maler aus der Temeswarer Künstlergilde ihr Künstlerlager in Herneacova abschließen. Rustikal, am Zaun angebrachte Gemälde, meist Naturmotive, bildeten den Hintergrund des offiziellen Abschlussteils, der sich in seiner Gesamtheit im Freien ereignete. Die beiden Vertreter der Politik mussten sich auch mit anhören, dass Temeswar zu wenig für seine Künstler tut, dass die Behörden viel zu wenig zur Förderung der Kunst beitragen und dass Städte wie Bukarest, Klausenburg, Jassy oder gar Lugosch in Sachen Kulturförderung vor Temeswar stünden, obwohl die westrumänische Stadt den Anspruch habe, Kulturhauptstadt 2021 zu werden, sagte der Hochschullehrer und Kunstkritiker Ioan Iovan. Ansatz des Unmutes war wohl die zuletzt recht angespannte Lage zwischen Künstlern und Bürgermeisteramt, wobei es um höhere Mieten für Räumlichkeiten der Künstlergilde gegangen war. Der Vorsitzende des Verbandes der bildenden Künstler, Janos Szekernyes, machte den versöhnlichen Ausgleich zu den kritischen Aspekten, zumal auch die Stadt in ihren Forderungen zurückgesteckt hatte. Man habe „Maler in eine malerische Gegend gebracht“, sagte der Verbandsvorsitzende. Außerdem verwies er darauf, dass Künstlerlager meist keine Kontinuität haben und oft gleich nach dem ersten Jahr auch wieder der Geschichte angehören. Dies sei bei Herneacova nicht der Fall, sagte Szekernyes, denn 2013 fand vor Ort das zweite Jahr in Folge das Sommertreffen der Temeswarer Maler statt. Allein die Unterkunftsmöglichkeiten seien derzeit gering, hieß es bei den Künstlern.

 

Die Firmen aus der Unternehmensgruppe Izometal haben derzeit einen schweren Stand. Vor allem weil die Kommunen mit Verzögerung oder gar nicht die geleisteten Arbeiten bezahlen, seien seine Firmen in dieser Lage, kritisiert Cornu zum wiederholten Mal. 150 Firmen haben angeblich Schulden bei den Unternehmen, deren Hauptaktionär der Temescher IHK-Präsident ist. Nun konzentriert er sich auf seinen Unterfangen mit Störzucht, Fischteich und Freizeitanlage bei Herneacova. Cornu schätzt, dass er auf seiner Farm mit Stören in zwei – drei Jahren 40 Tonnen Fisch und 500 Kilogramm Fischlaich pro Jahr erzielen wird. 56 Becken wurden im Frühsommer d.J. mit Fischen bevölkert. Dieses Projekt sollte Anfang des Jahres abgeschlossen werden, aber durch die anhaltende Krise sei die Finanzierung etwas in Verzögerung geraten, sagt Cornu. Er, der in Westrumänien auch als Asphaltkönig für seine Arbeiten im Straßenbau bekannt ist, finanziert das Unterfangen im Dorf Herneacova zum Großteil über ein EU-Projekt. Um es allein zu tragen, reiche ihm das Geld nicht, hatte er der Banater Zeitung bereits vor einigen Jahren gesagt, damals, als die Insolvenz noch nicht über sein Firmenimperium hereingebrochen war. 25 Millionen Lei wurde in die Anlegung eines Fischteiches im Weichbild des Dorfes Herneacova, etwa40 Kilometervon Temeswar entfernt, investiert. Auf 7,1 Hektar ist der Teich angelegt, dazu kommen die Anlagen, um Störe zu züchten. In sechs Systemen zur Wasserzirkulation werden in Herneacova Störe gezüchtet – der Räume zur Vermehrung der Fische funktioniert mit grüner Energie.

In Fachkreisen wird die gesamte Farm als ein „Labor“ bezeichnet und dient sowohl der Forschung, als auch der praktischen Anleitung im Bereich der Fischzucht. Einen Markt für das Fleisch der Störe und den zu erzeugenden Kaviar sieht der Farminhaber in Supermarktketten und Restaurants. „Reingewinn werden wir erst in 2-3 Jahren erzielen“, sagt Cornu. Im Fischteich neben der Störzucht haben Besucher und Touristen die Möglichkeit zu angeln. Den wahren Erfolg des Unterfangens glaubt Cornu erst dann erreichen zu können, wenn die gesamte Gegend zu einem Ort der Freizeitgestaltung wird: Angeln, entspannen, radeln, reiten – darin sieht er das Potenzial für den Ort, an dem speziell die Temeswarer und allgemein die Bürger aus der Region Urlaub machen sollten und „ihr Geld, statt im Ausland, vor Ort ausgeben“.

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