Unterricht auf der Baustelle

Sanierung der Lenauschule in Temeswar in Verzug

Samstag, 21. September 2013

Während der Winterzeit sind die Arbeiten an den Innenhöfen kaum möglich – diese sollen im nächsten Frühjahr abgeschlossen werden.
Foto: Zoltán Pázmány

Schritt für Schritt soll das Gebäude des Nikolaus Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timişoara im neuen Licht erglänzen. Das neue Schuljahr hat bereits begonnen und die Lenauschüler sollen bald in neu sanierten Klassenräumen lernen. Derzeit sind die Arbeiten noch in vollem Gange: Viele Klassenräume haben keine Fenster, am Dach ist auch noch einiges zu machen und bis die Fenster auf den Fluren nicht montiert werden, kann auch keine Endfertigung durchgeführt werden. Eigentlich sollten bis zum Beginn des neuen Schuljahres alle Fenster eingebaut werden. „Es gab jedoch Verzögerungen seitens der Firma, die die Fenster liefern sollte. Darum brauchen diese Arbeiten etwas mehr Zeit“, sagt Helene Wolf, die Leiterin der Lenauschule. „Dieses Problem muss dringend bis Oktober erledigt werden“, meint die Schulleiterin.

Das Sanierungsprojekt wird im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von zwei Consulting-Teams betreut, die sowohl aus internationalen, als auch aus lokalen Fachkräften bestehen. Die Betreuung in finanziellen und juristischen Fragen erfolgt durch das Büro Macs aus Frankfurt/Main und die Betreuung in planerischen und baulichen Fragen durch die Arge SPS Plan Architekten aus Leipzig und ViaminA Architects aus Temeswar. Nach der öffentlichen Ausschreibung der Bauarbeiten für die Lenauschule wurde – nach Auswertung der eingegangenen Angebote – die Firma Paluni beauftragt.

Bestandteil der Beauftragung war dabei auch ein Bauablaufplan zur Ausführung der Arbeiten, der den sicheren Beginn des Schulbetriebes zum Ende der Ferien gewährleisten sollte. „Leider erfolgte die Ausführung der Arbeiten dieser Firma trotz mehrfacher Aufforderung nicht termingerecht. Die Problematik des Bauverzuges wurde durch die Beantragung des Insolvenzverfahrens für die Firma Paluni noch verschärft“, sagt Thorsten Spohler, Projektleiter für technische Beratung der KfW vor Ort.

Für die Firma, die für die Ausführung der Arbeiten zuständig ist, wurde das Insolvenzverfahren gestartet, und die Sanierung ist auch deswegen verzögert worden. Verspätet treffen auch die Zahlungen an wichtige Nachunternehmer ein. „So zum Beispiel den Hersteller der neuen Fenster aus Sathmar – sodass hier keine termingerechte Fertigung erfolgte. Dabei wurden die Probleme erneut verstärkt, da auch für diese Fensterbaufirma das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Die erste Lieferung der Fenster für den Innenhof wurde zum einen verspätet gemacht und zudem waren die Fenster zu klein angefertigt worden“, erklärt Thorsten Spohler.

Die Fenster konnten somit von der verantwortlichen Bauleitung und der technischen Consultants nicht abgenommen werden, sodass sie neu angefertigt und bereits vor dem Schulbeginn ausgeliefert werden sollten. Derzeit wurden Fenster nur an den Labors der Schule montiert. Der Einbau und der innere Verputz sollen von der Baufirma innerhalb der nächsten 14 Tage abgeschlossen werden, sodass die Nutzung der Klassenräume wieder möglich gemacht wird. Die Fertigstellung der in Arbeit befindlichen Fassaden und der Abbau der Gerüste soll dann auch innerhalb der nächsten drei Wochen erfolgen, sagte der KfW-Projektleiter.

In letzter Zeit wurden wegen der Verzögerung der Arbeiten mehrere Kontrollen seitens der Stadt in der Lenauschule gemacht. Verschiedene Personen haben kritisiert, dass im Eingangsbereich der Schule Betonpflastersteine verlegt wurden. „Diese Art der Pflasterverlegung entspricht natürlich nicht dem Charakter des historischen Gebäudes und auch nicht dem vorliegenden Projekt und dem an die Firma erteilten Auftrag. Hier ist die Verlegung von Natursteinpflaster geplant.

Die Bestellung dieser Pflastersteine erfolgte jedoch nicht rechtzeitig, so bestand die Gefahr, dass auch der Eingangsbereich der Schule nicht rechtzeitig zu Schulbeginn fertiggestellt wird“, erklärt Thorsten Spohler. Insofern wurde laut KfW-Projektleiter im Rahmen der Baubesprechung durch den von der Stadt beauftragten Bauleiter sowie dem planenden Architekten in Abstimmung mit der Consultants entschieden, hier unter Verwendung eines kurzfristig lieferbaren kostengünstigen Betonpflasters ein Provisorium zu schaffen, das den sicheren Zugang zur Schule gewährleistet. „Während der nächsten Schulferien wird das geplante Pflaster dann eingebaut werden“, sagt  Spohler.

Die Stadt möchte aber, dass auch andere Arbeiten für die Lenauschule gestartet werden. Da die Klassenräume in der großen Lenauschule für alle Klassen, die hier lernen, unzureichend sind – von der fünften bis zur zwölften Klasse, sodass die Schüler auch am Nachmittag Unterricht haben müssen – sollen neue Klassenräume in einer Halle von RATT (Öffentlicher Nahverkehrsbetrieb Temeswar) eingerichtet werden. Dann könnten alle Schüler am Vormittag Unterricht haben.

Derzeit ist dieses Problem nur teilweise gelöst. Der Unterricht von etwa acht Klassen in der RATT-Halle in der Intrarea Doinei-Straße könnte aber erst ab dem zweiten Schulsemester nach der Einrichtung der Räume möglich sein. Diese Investition wird auf eine Million Lei geschätzt und wird von der Kommune getragen. Die Räume sollen später einmal – nachdem ein neues Schulgebäude an der Oituz-Straße fertiggestellt ist – anderen Institutionen der Stadtverwaltung dienen. „Für die Schüler der fünften Klasse haben wir entschieden, dass sie weiterhin Unterricht in der kleinen Schule am Domplatz haben“, sagt die Schulleiterin Helene Wolf.

Für alle ersten und Vorschulklassen wird der Unterricht im Internatsgebäude der Lenauschule abgehalten. Für die Einrichtung der Vorschulklassen erhielt die Schule auch neue Möbel aus München.

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