Unterwegs zur Râmeți-Klamm

Entdeckenswerte Kleinodien auf dem Weg zur wilden Naturschönheit

Sonntag, 02. Oktober 2016

Das Kloster Râmeți, vorne die alte Kirche von 1377, dahinter die neue Kirche

Die alte Wassermühle in Geoagiu

Auf dem Weg zum Kloster und zur Klamm fährt man durch mehrere Dörfer.

Das Trascău-Gebirge Fotos: die Verfasserin

Fast zu jeder Zeit eine atemberaubende Schönheit: Wenn Schnee und Regen vorbei sind, ist das Râmeți-Reservat im Kreis Alba eines der besten Ziele für Wochenendausflüge. Im Frühjahr oder im Herbst ist das Reservat – im Sommer ein wenig überlaufen – vielleicht am schönsten. Will man allerdings in die Klamm, muss man darauf vorbereitet sein, eine Strecke durch den Râmeți-Fluss zu waten und ein bisschen zu klettern: Für diese atemberaubend schönste Strecke empfiehlt sich wiederum – wegen des kalten Gebirgswassers – die Sommerzeit. Feste Schuhe und Freude an der Wanderung, die keine leichte ist, sind ein absolutes Muss in der Ausstattung des Bergsteigers.

Den Weg in die Klamm finden nicht nur die Leute, die sich Ferienhäuser in der Gegend gebaut haben, sondern viele Bergliebhaber aus dem In- und Ausland. Beim Aufstieg hört man auch mal Englisch oder Französisch. Immerhin stellt die Râmeți-Klamm die größte touristische Naturattraktion im Trascău-Gebirge dar. Seit 1969 ist sie und die Umgebung als Naturreservat geschützt. Auf 150 Hektar breitet sich dieses aus, die Klamm selbst ist ungefähr einen Kilometer lang. Das Reservat umfasst die Gebirgsmassive Fundoi und Uzmezeu, die Klamm, sowie Wälder, Wiesen und Weiden in der unmittelbaren Umgebung. Bevor es die Klamm gegeben hat, existierte hier eine tunnelförmige Höhle, deren Spuren man heute immer noch sieht: Ihre Decke ist eingestürzt, so ist die Klamm entstanden. Der engste Teil der Klamm wird „Zu den Öfen“ („La cuptoare“) genannt.

Lohnende Zwischenstopps auf dem Weg...

Schon der Weg in Richtung Trascău-Gebirge ist von touristischen Kleinoden übersät, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Insidertipp: Im Kreis Alba sind mehrere Weinrouten markiert, eine davon führt unweit von der Râmeți-Klamm in Richtung Gemeinde Ighiu. Von der europäischen Straße E81 muss man Richtung Galda de Jos abzweigen, durch Ortschaften mit Namen wie Bucerdea Vinoasa fahren, das Trascău-Gebirge immer im Auge behaltend. Zielort ist Țelna, ein Name, der schon vor Jahrhunderten bekannt war, denn bereits zur Hochzeit des ungarischen Königs Matthias Corvinus wurde Wein aus Țelna serviert. Heute sind andere Rebsorten in der Gegend angebaut, genießen kann man Weißwein, Sorte Sauvignon Blanc oder Muskat Ottonel, der hier produziert wird. Man bekommt auch eine Gratistour durch den Weinkeller, in dem seit 1784 und somit vor der Französischen Revolution Rebensaft in großen Holzfässern gelagert wird: 25 Meter tief unter der Erde, in einem hufeisenförmigen Keller.

Zurück zur E81, die nächste Abzweigung, mitten aus Teiuș in Richtung Râmeți: Ein weiteres Kleinod liegt diesmal an der Landstraße, die in Richtung Râmeți-Klamm führt. Es ist die alte Wassermühle aus dem 14. Jahrhundert, ein Holzbau, der sich erstaunlich gut erhalten hat und der eine kleine Pause in Geoagiu direkt an der Landstraße und ein paar Fotos wert ist. Die Wassermühle hat dem Geoagiu-Kloster angehört.

Man beginnt, an Bergen vorbeizufahren und wenn das Sonnenlicht auf die Steine scheint, dann glitzert es hier und da. Die Trascău-Gebirgskette gehört zum Westgebirge, das wegen seiner Goldvorkommen bekannt ist. Hier ist es nur das „fools gold“, das glitzert – trotzdem eine märchenhafte Atmosphäre.

Als dritter und letzter Stopp bis zur Klamm empfiehlt sich das Râmeți-Kloster: Die alte Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert, auch ein kleines Museum mit alten Kirchengegenständen gibt es. Die neue Kirche ist erst nach der Wende im Jahr 1992 geweiht worden. Zweimal im Jahr – an „Mariä Himmelfahrt“ und am Tag der „Heiligen zwei Apostel Petrus und Paul“ – wird hier Kirchweihe gefeiert.

Nicht nur zu Kirchenfesten ist das Kloster gut besucht, auch an anderen Tagen parken Busse, Kleinbusse und Pkw vor dem Gebäudekomplex. Unglaublich rein ist die Luft hier, man spürt, dass der Wald und die hohen Türme des Trascău-Gebirges, die über alles wachen, entscheidend die Atmosphäre prägen. Hoch oben auf einem der Gipfel ist ein Kreuz zu sehen; vielleicht nicht so bekannt wie das im Bucegi-Gebirge, hinterlässt es doch einen starken Eindruck auf den Besucher.

...und der eigentliche Aufstieg zur Klamm

Hinter dem Parkplatz vor dem Kloster rauscht die Râmeți. Der Fluss ist wie alle Gebirgsflüsse schnell, eiskalt und viel belebter als man meinen würde: Eine schwarze Wasserschlange greift nach einer Bergforelle. Der aggressive und doch so natürliche Akt lässt kurz, wie ein Blitz, die sanfte, himmlische Atmosphäre zerbersten.

Hier beginnt ein Waldweg – manche nutzen ihn, um noch eine Weile Auto zu fahren, doch ein richtiger Bergliebhaber würde das nicht tun. Den Fluss entlang geht es in Richtung Klamm, man kann gar nicht genug gute Luft einsaugen. Hier sollte man sich Zeit lassen, um sich dankbar zu erweisen für das, was die Berge bieten: Vielleicht einen Schnee-Enzian (Gentiana nivalis) oder eine Arnika (Arnica Montana) oder auch eine Gebirgsaster (Aster alpinus). Die Farben der Blüten reichen von himmelblau bis gelb und lila. Auch die Steine sind hier kunterbunt, denn der Waldweg wird von kleinen Gebirgsbächen durchkreuzt, da leuchtet schon mal ein vom Wasser benetzter Stein smaragdgrün oder rostfarben auf. Am Anfang ist die Region noch stark besiedelt, viele Wochenendhäuser säumen den Weg. Da ist Sommerzeit gleich Grillzeit und manchmal zerreißt viel zu laute Musik die Idylle; kommt man jedoch unter der Woche in den anderen Jahreszeiten vorbei, kann man diese lästigen Begleiterscheinungen des Tourismus vermeiden.

Um die Mittagszeit herum kann man dann auf dem Waldweg auch mal einem Schulkind begegnen, das sich zu Fuß in das für Stadtkinder undenkbar weit abgelegene Dorf auf den Heimweg macht, denn es gibt hier auch noch die alteingesessenen Bewohner, auch wenn sie sich von den Touristen und den Ferienhausbesitzern wahrscheinlich überrannt fühlen müssen.

Folgt man dem Weg weiter, bekommt man die wohl urigste Bergdorfatmosphäre Rumäniens zu spüren: alte Häuser aus Holz, mit Heu gedeckt, das bereits Moos angesetzt hat – eine Szene wie aus dem Märchen. Unweit davon noch ein paar brandneue und eigentlich ganz schicke Ferienhäuser. Allmählich wird es weniger belebt, man sieht noch Spuren, die Holzfäller hinterlassen haben und steht dann plötzlich alleine da, mit den Felsen, dem Fluss und dem Wald. Die richtige Wanderung beginnt erst hier.

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