Urbane Akzente für Banater Gemeinden

Gemeinde Jahrmarkt mit großen Plänen um den Prinz-Eugen-Brunnen

Donnerstag, 23. Februar 2017

Ein sagenumwobener Ort: Der Prinz-Eugen-Brunnen von Jahrmarkt
Foto: Zoltán Pázmány

Jünger werden die alten Banater Gemeinden und Dörfer nicht: Das zeigt sich - wie in allen ländlichen Gegenden des Landes - von Jahr zu Jahr mehr an den verwahrlosten Häuserreihen, der schier unausweichlichen Überalterung ihrer schon betagten Bewohner, an der Landflucht oder gar dem Exodus der Jungen, die es in die nahen oder fernen Städte, bis nach Mailand oder Barcelona verschlägt. Viele der Banater Gemeinden, vor allem die ehemaligen banatschwäbischen, die bis zur Wende noch zu den blühendsten und wohlhabendsten Ortschaften des von Natur reichen Landstrichs zwischen Marosch und Donau gehörten, haben selbst ein Vierteljahrhundert danach noch nicht die Folgen der Massenauswanderung der Banater Schwaben Anfang der Neunziger überwunden. Einige davon werden sich leider kaum mehr davon erholen. In einigen Ortschaften hat sich jedoch durch die Zuwanderung aus allen Landesteilen eine neue Gemeinschaft herausgebildet, die nun hier und dort den Gemeinschaftswillen und auch die Kraft entwickelt, ihren Bewohnern angemessene Bedingungen zu bieten.

Etliche Randgemeinden der Metropole Temeswar, die im Banat schon längst als Maßstab gilt, haben es infolge des wirtschaftlich-sozialen Aufschwungs und im Sog des Immobilienbooms geschafft, der Stadt in jeder Hinsicht näherzurücken. Der Städter aber auch ein Besucher aus der Ferne kann sich schon bei einer Kurzvisite der Temeswarer Randgemeinden Dumbrăviţa, Girok oder Moschnitza nur die Augen reiben: Was zu sehen ist, sieht mancherorts besser und gar moderner aus als in einigen Wohnzonen der Begastadt. Und was anzumerken ist: Diese Gemeinden, die sich vor Jahren entschieden geweigert haben, dem von der ehemaligen Ciuhandu-Stadtverwaltung präsentierten Großplan der Banater Metropole (Zusammenschluss aller Gemeinden im Umkreis von 30 Kilometern und Bildung eines städtischen Ballungsraums Temeswar) zuzustimmen, haben es nun nach Jahren mittels eigener Kräfte geschafft. Das Beispiel hat gewirkt, denn jetzt bemühen sich auch andere Banater Gemeinden darum, ihre urbane Entwicklung voranzutreiben.

Kann der Prinz-Eugen-Brunnen Wunder wirken?

Jahrmarkt/Giarmata, nur zehn Kilometern nordöstlich von Temeswar gelegen, scheint zu den Ortschaften mit Aufwärtstrend zu gehören. Die einst blühende banatschwäbische Großgemeinde, an der Grenze zwischen Heide und Hecke, steckte jahrzehntelang nach der Auswanderung seiner Deutschen mit Kind und Kegel in einem scheinbar unüberwindlichen Tief. Seit Kurzem scheint man sich in Jahrmarkt (6200 Einwohner, mit Anschluss an die Banater Autobahn und in der Nähe des internationalen Flughafens „Traian Vuia“), nach dem Ansturm der Städter, die sich hier entschlossen Häuser bauen und niederlassen möchten, auch wieder auf sich selbst zu besinnen.

Die Gemeindeverwaltung um Bürgermeister Virgil Bunescu kündigte nämlich den Start eines ehrgeizigen Vorhabens zur Modernisierung und Wiederbelebung der Gemeinde an. Kernstück und Ausgangspunkt dieses Projekts soll ein sagenumwobener Ort der Gemeinde, der „Prinz-Eugen-Brunnen“, sein. Über diesen leider lange Jahre in Vergessenheit geratenen Brunnen in der Dorfmitte, in der Senke zwischen den beiden Hügeln, auf der Jahrmarkt angelegt ist, erzählen sich die alten Jahrmarkter (die deutsche Ansiedlung erfolgte 1722) folgende Sage: „Als Prinz Eugen 1716 an der Spitze seiner Heere vor der Festung Temeswar stand, litten seine Soldaten in der sumpfigen Gegend an starker Trinkwassernot. Es gab weit und breit weder Brunnen noch Quellen. Prinz Eugen, der mit seinen Truppen bei Jahrmarkt rastete, hatte nachts am Fuße einer alten Weide einen seltsamen Traum. Eine Stimme sagte ihm, dass unter der Baumwurzel ein verborgenes Wasser fließe. Erwacht, legte der Feldherr sogleich die Quelle unter der Baumwurzel mit seinem Schwert frei. Und seine Soldaten konnten das beste Wasser trinken, um darauf die siegreiche Schlacht gegen die Türken zu schlagen. Seither, so die Sage, fließt in Jahrmarkt der Prinz-Eugen-Brunnen.“

Dass die unterirdischen Quellen ein wahrer Schatz für die Gemeinde sein könnten, führten auch die ehemaligen deutschen Dorfbewohner in der kommunistischen Epoche vor: Vor zirka 50 Jahren schufen sich die Jahrmarkter mittels einer Thermalwasserquelle in gemeinschaftlichem Einsatz ein Freibad inmitten der Natur, umrahmt von schattigen Bäumen. Dieses war bis kurze Zeit nach 1990 ein beliebter Ort, auch für die Städter aus Temeswar, musste jedoch, weil total verwahrlost, geschlossen werden. Laut Vizebürgermeister Claudiu Mihălceanu, möchte man im Rahmen des vorgenannten Gemeindeprojekts auch an diesen wertvollen Schatz, das warme Thermalwasser, das hier zur Genüge in etwa 800 Meter Tiefe sprudelt, denken. Der Plan ist folgender: Mit Geldern aus dem Gemeindehaushalt soll ein neues Thermalbad und womöglich, wenn das Geld reicht, auch ein Spa eingerichtet werden.

Im Rahmen dieses Großplans, der für eine Gemeindeverwaltung aufs erste etwas zu ehrgeizig aussieht, soll das gesamte Gemeindezentrum umgestaltet werden. Hier plant man, um den genannten Prinz-Eugen-Brunnen eine große Parkanlage anzulegen. Die Gemeinde möchte in dieser Zone auch ein ehemaliges schwäbisches Haus ankaufen und dort ein banatschwäbisches Dorfmuseum einrichten. Hinzu kommt - so der Plan - ein Kinderspielplatz, eine Freilichtbühne, eine Sportstätte mit Skateboard, Fitness-Ecke, ein Platz für Basketball. Als Hauptattraktion und als Unikum in der gesamten Gegend um Temeswar möchte man auf einer Strecke von 1,5 Kilometern eine Schmalspurbahn mit mehreren Haltestellen, mit Lok und Zug für die Kleinsten anlegen.

Die Gemeinde Jahrmarkt war in den letzten Jahren kaum durch kommunalwirtschaftliche Erfolge in die Schlagzeilen gekommen, dafür aber umso öfter durch allerhand Skandale wegen Korruption im Gemeindehaus sowie durch getrickste Rückerstattungen von Häusern und Feldern. Das hatten jedoch auch andere Banater Gemeinden zur Genüge zu bieten. Bürgermeister Bunescu wie auch seine Kollegen aus dem Rathaus zeigen sich jedoch diesmal voller Tatkraft und Hoffnung. Es ist abzuwarten, ob die Jahrmarkter ernst machen und ihrer schönen Sage aus verschollenen Zeiten gerecht werden können. 

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