Urlaub auf dem „Balkon Europas“

Das kleine kaukasische Land Georgien hat zu allen Jahreszeiten viel zu bieten

Montag, 16. April 2018

Die Dreifaltigkeitskirche in Stepanzminda vor dem Berg Kazbeg bietet einen eindrucksvollen Anblick.

Die Altstadt von Tiflis mit der persischen Festungsanlage Nariqala

Mittelalterliche Klöster und Festungsanlagen lassen sich in ganz Georgien finden, wie auch in Ananuri, 60 Kilometer nördlich von Tiflis.

Im Sommer wird die Schwarzmeerküste nicht nur von Touristen, sondern auch von vielen Georgiern aus den Städten bevölkert.
Fotos: die Verfasserin

Als Gott die Erde unter den Menschen aufteilte, kamen die Georgier zu spät – sie hatten wieder einmal ein fröhliches Fest mit viel Wein gefeiert. Nun aber mussten sie erkennen, dass alles Land bereits aufgeteilt war. So erklärten sie, dass sie die ganze Nacht das Glas zu Ehren Gottes erhoben hätten. Daraufhin war Gott so gerührt, dass er ihnen das letzte Stück Land gab, das er eigentlich für sich selbst aufgehoben hatte: das Paradies.

Die Bewohner Georgiens heißen jeden Besucher voller Offenherzigkeit und Großzügigkeit willkommen, denn ein Sprichwort besagt, der Gast komme von Gott. Auch die Statue „Mutter Georgiens“, die auf einem Berg über die Hauptstadt Tiflis wacht, verdeutlicht diese Gastfreundschaft: In der linken, vom Herzen kommenden Hand hält sie eine Schale Wein, um die Gäste des Landes gebührend zu empfangen. In der anderen Hand aber hält sie ein Schwert, um ihr von zahlreichen Invasionen traumatisiertes Land vor Eindringlingen zu beschützen. Denn in dem langen Zeitraum vom antiken Königreich Kolchis bis zur heutigen Republik Georgien wurde die Region zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer unablässig von fremden Völkern angegriffen. Kein Wunder, schließlich beeindruckt die Vielfalt der Natur auf engem Raum noch heute alle Reisenden. Trotz der zahlreichen Besatzungen blieb das georgische Volk seinen Traditionen, seinem christlich-orthodoxen Glauben und seiner einzigartigen Kultur im Kern treu. Und so fasziniert noch heute das Mosaik aus kaukasischer Lebensart und europäischen sowie asiatischen Einflüssen.

Kultur

Das südkaukasische Land bietet selbst dem Kurzreisetouristen eine wahre Fülle an kulturellen Eindrücken. Ein Highlight für jeden Besucher ist die georgische Küche: Am beliebtesten sind wohl das Chatschapuri, eine Art Käsepizza, die je nach Region sehr unterschiedlich aussehen und schmecken kann, und die Chinkali, kunstvoll geformte Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen. Im Restaurant werden die Speisen für alle Gäste gemeinsam in die Mitte des Tisches gestellt, in der Regel zusammen mit Weinkaraffen. Die georgische Weintradition reicht über 7000 Jahre zurück, sodass die Georgier ihr Land auch die „Wiege des Weins“ nennen. Wenn gemeinsam getrunken wird, dürfen niemals Trinksprüche fehlen: Bevor die Gläser geleert werden, wird Gott, der Verstorbenen oder der Familie und Freunden gedacht.

Abseits von kulinarischen Freuden werden die Bewohner des eurasischen Staates leidenschaftlich, wenn es um ihre uralte Geschichte oder den kulturellen Reichtum der georgischen Sprache geht. Das Georgische ist die südkaukasische Sprache mit den meisten Sprechern und hat ein eigenes schmuckvolles Alphabet. Besonders in den polyphonen georgischen Gesängen, die dem UNESCO-Weltkulturerbe angehören und denen man mit etwas Glück in einem orthodoxen Gottesdienst lauschen kann, kommt die Fülle der georgischen Laute zum Ausdruck. Musik hat in Georgien eine lange Tradition. Wer die Chance hat, in einem Restaurant neben der Volksmusik noch eine traditionelle Tanzshow zu bewundern, wird verzaubert sein.

Die Hauptstadt

Die Hauptstadt Tiflis überrascht die meisten Besucher mit ihrer Vielfältigkeit und Andersartigkeit: Die orientalisch-anmutenden Schwefelbäder liegen in unmittelbarer Nähe zur riesigen vergoldeten Statue des Heiligen Georg; moderne Glasgebäude stehen im Gegensatz zu jahrhundertealten orthodoxen Kirchen; neue Hipster-Cafés mischen sich unter die traditionellen Kellerrestaurants; im Schatten herrlicher Gebäude im Jugendstil liegen Häuserruinen. Seit einigen Jahren erstarkt das studentische Szeneleben in Tiflis; Clubs und Bars nach westeuropäischem Vorbild sprießen aus dem Boden und erweitern diese vielfältige Stadt um eine weitere Komponente. Wer Tiflis bereist, lernt die Stadt lieben.

Natur

Der Norden Georgiens wird vom Großen Kaukasus beherrscht: Berge mit bis zu 5200 Metern Höhe lassen die Herzen von Naturliebhabern höher schlagen. Während der Höhenort Stepanzminda im Nordosten schon in drei Stunden Busfahrt von Tiflis aus erreicht werden kann, gibt es Bergregionen, in die sich nur wenige Menschen verirren. Hier kann der erfahrene Wanderer unberührte Berglandschaften genießen und mit dem Zelt unter freiem Himmel übernachten. Auch geführte Wandertouren mit Unterkünften sind in einigen Gebieten möglich.

Die Schwarzmeerküste im Westen des Landes zieht besonders in den heißen Sommermonaten Juli und August viele in- und ausländische Besucher an. Die kilometerlangen Kiesstrände und das Nachtleben der Stadt Batumi oder aber die Ruhe in den Küstendörfern bringen ein Gefühl von Urlaub und Erholung mit sich. Wer auf Entspannung setzt, findet diese aber auch in einem der vielzähligen Kurorte, die sich über das Land verteilen. Sehr beliebt ist das Städtchen Bordschomi, das an das größte Naturschutzgebiet Georgiens grenzt.

Beeindruckend zu jeglicher Jahreszeit ist schließlich die Landschaft der Halbwüste im Südosten, an der Grenze zu Aserbaidschan. Dort liegt das Höhlenkloster Dawit Garedscha, das man als Tagesausflug von Tiflis aus besuchen kann. Hat man mehr Zeit, lohnt sich eine Übernachtung im nahegelegenen Dorf Udabno, um den nächtlichen Sternenhimmel zu bewundern.

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Praktische Infos 

Anreise: Die Anreise aus Rumänien erfolgt am besten mit dem Flugzeug über Istanbul nach Tiflis oder von Budapest aus nach Kutaisi. Innerhalb des Landes bewegt man sich am schnellsten und günstigsten mit Kleinbussen, sogenannten Marschrutki, fort. Die beste Reisezeit sind die Monate April und Mai oder September und Oktober. Der Sommer in Tiflis ist sehr heiß, jedoch kann der Hitze in die kaukasischen Höhenlagen oder an die Schwarzmeerküste entflohen werden. Wer Ski fahren möchte, reist am besten zwischen Dezember und März nach Georgien.

Georgien in 3 Tagen: Genießen Sie die Atmosphäre der Hauptstadt Tiflis und machen Sie einen Tagesausflug ins Höhlenkloster Dawit Garedscha oder in die Höhlenstadt Uplisziche.

Georgien in einer Woche: Verbringen Sie 2-3 Tage in Tiflis, bevor Sie sich für 1-2 Tage von der ländlichen Weinregion Kacheti bezaubern lassen. Verbringen Sie anschließend eine Nacht in Stepanzminda, von wo Sie den Berg zur Dreifaltigkeitskirche erklimmen und den Kazbeg bewundern können, an den der Sage nach Prometheus gekettet war.

Georgien in zwei Wochen: Nachdem Sie Tiflis und Umgebung für einige Tage erforscht haben, suchen Sie sich ein Dorf an der Schwarzmeerküste oder genießen Sie im Sommer die Lebendigkeit Batumis. Von hier aus lohnt sich die Fahrt in den Gebirgsort Mestia, das Zentrum der beeindruckendsten Bergregion Georgiens.

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