Valeriu Sepis „persönliche Mythologien“ ausgestellt

Ehemaliges Phoenix-Mitglied in Temeswar

Sonntag, 29. November 2015

Valeriu Sepi (links) mit Museumsdirektor Victor Neumann Foto: die Verfasserin

„Meine Mutter hatte immer eine Schale Milch für die Schlange des Hauses bereitgestellt“ – mit diesen Worten erinnerte sich Valeriu Sepi an Traditionen aus dem Banat, genauer gesagt aus der Gemeinde Valkany/Vălcani im Kreis Karasch-Severin, wo der 70-Jährige geboren wurde. Valeriu Sepi hat seine Gemeinde zuerst für Reschitza, dann für Temeswar verlassen. 1984 ging er nach Deutschland, seit 25 Jahren aber ist er ein Reisender, der zurzeit in Singapur lebt, doch kehrt er immer öfter ins heimische Banat zurück. Nun ist dies anlässlich der Vernissage seiner Ausstellung „Persönliche Mythologien“ im Temeswarer Kunstmuseum geschehen.

Und seitdem schaut Valeriu Sepis Schlange mit hypnotischem Giftblick und gespaltener Zunge von einer 7 mal 2 Meter großen Leinwand auf die Besucher des Museums. An die Schlangengeschichte aus der Kindheit hatte ihn ein Gebäude, das derzeit in Temeswar restauriert wird, erinnert: Die Fenster fehlen und ein Fassadennetz umhüllt das Haus, das in der Nähe der evangelisch-lutherischen Kirche und des Brunnens mit den Himmelsrichtungen steht. Dieses Netz hatte Sepi zunächst bemalt, dann das Motiv übertragen. Übrigens ist die Schlange in dieser Lokalmythologie kein böser Geist, sondern stellt den Bewacher des Hauses dar, der in der Nacht gegen die Wand schlägt, um den Hausbesitzer vor kommendem Unheil zu warnen. Deshalb also die Milchschale, die der Schlange (so wie andernorts der Katze oder einem Welpen) hingestellt wird.

Die Vernissage hatte nicht nur Liebhaber der bildenden Künste angezogen, sondern auch Nostalgiker, die auch heute von den wilden 70er Jahren schwärmen, als die populäre Rockband „Phoenix“ in Temeswar Furore machte. Denn Valeriu Sepi hatte dieser angehört. Von ihm selbst gebastelte Instrumente – einige von der rumänischen folkloristischen Tradition inspiriert, so etwa „Capra“ – haben damals der Folk-Rock-Band einen besonderen Kick gegeben.

Kein Wunder, dass Sepi seine Haare heute immer noch lang trägt und dass er – nachdem er vom Direktor des Kunstmuseums Victor Neumann persönlich vorgestellt wurde – die Jacke seines Anzugs mit einer schwarzen Lederjacke wechselte – auch als Zeichen der Solidarität mit den Opfern aus dem Bukarester Club „Colectiv“.

„Es gibt leider einige Vorurteile, was das Banat betrifft, nämlich dass es hier keine Kulturmenschen gegeben hat, dass sich die Banater stets nur um das bessere Essen, den Bau eines Hauses und Ähnliches bemüht haben. Dem kann man entgegenstellen, dass das Banat in vielen Bereichen, aber vielleicht vorwiegend in den bildenden Künsten Namen wie Julius Podlipny, Stefan Bertalan, Leon Vreme, Romul Nuţiu hervorgebracht hat. Valeriu Sepi gehört in diese Reihe von Künstlern. Er hat begonnen, sich hier zu entwickeln und hat die ganze Welt bereist, hat das Schöne in sich aufgenommen und hat das Schöne wiedergegeben. Er ist eine Märchengestalt, nicht nur ein Künstler“, so hat Victor Neumann Valeriu Sepi dem zahlreichen Publikum präsentiert.

Wer einige von Valeriu Sepis Werken, Zeugnisse eines vehementen Ausdruckswillens – seinen starken Christus in der ebenso ausdrucksvollen „Auferstehung“, das „Ei des Ursprungs“ mit dem ursprünglichen Gewimmel oder auch die „Schlange des Hauses“ – betrachten will, kann dies noch bis zum 11. Dezember im Temeswarer Kunstmuseum tun.

Kommentare zu diesem Artikel

Pavel, 03.12 2015, 13:16
Es ist gut, dass Frau Stefana Ciortea-Neamtiu in ihrem interessanten Bericht auch an die "wilden 70er Jahre" erinnert hat, als es in Temeswar z.B. die Rockband "Phoenix" und kritische Künstler wie Diet Sayler, Leon Vreme, Roman Cotosman u.a. gab. Denn wenn man die hochprämierten Klagelieder einer Herta Müller liest, bleibt man mit dem Eindruck, es sei in jener Zeit alles nur "Securitate" gewesen ...

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