„Verantwortung übernehmen!“

Der vierte Regionalentscheid des „Lesefüchse“-Wettbewerbs

Sonntag, 25. März 2018

In der Finalrunde diskutierten (v.l.n.r.): Leia Tarnovetchi (Decebal, Deva), Andra Cristea (Brukenthal, Hermannstadt), Denisa Dragota (Roth, Mediasch), Ioana Paul (Honterus, Kronstadt), Nicolae Steavu (Doamna Stanca, Fogarasch), Jasmin Linzing (Haltrich, Schäßburg), Lukas Horvath (Sfântul Iosif, Alba Iulia), Daria Rusu (Mesota, Kronstadt), Anca Mezei (Cosbuc, Klausenburg), Timi Virag (Bathory Istvan, Klausenburg).
Foto: die Verfasserin

Zum vierten Mal fand in Mediasch unter Leitung der Fachberaterin Birgit van der Leeden und aller aus Deutschland entsandten Deutschlehrkräfte die Entscheidung statt, wer Siebenbürgen beim Finale des Wettbewerbs „Lesefüchse International“ in Berlin vertreten soll. Die Beteiligung war wie immer sehr hoch: Von den Schulen, die in diesem Jahr teilgenommen haben, kamen zehn Schulsieger zum Finale nach Mediasch.

Engagiert wurde zum Beispiel über das Erwachsenwerden diskutiert. Wie die Ich-Findung gelingen kann, war das durchgehende Thema der vier besprochenen Jugendbücher. „Echt“ (Christoph Scheuring) behandelt die Auseinandersetzung mit Außenseitern, deren Menschlichkeit jedoch in den Vordergrund gerückt wird. Auch ein Kind oder Jugendlicher brauche Freiheit, um selbst seinen Weg wählen zu können, betonte Denisa Dragota vom Roth-Lyzeum in Mediasch, gleichzeitig sei jedoch Orientierung und Hilfe der Erwachsenen erforderlich. Jasmin Linzing vom Haltrich-Lyzeum in Schäßburg ergänzte, dass Kinder vor allem Vertrauen bräuchten, um den Mut zum eigenen Weg zu haben.

Gewalt und Mobbing bis hin zu einem unbeabsichtigten Tötungsversuch werden in „Miese Opfer“ vom jungen Autor Silas Matthes thematisiert. Fast alle Teilnehmer haben schon selbst Erfahrungen mit dem Bullying machen müssen, meinen jedoch, man solle sich Hilfe bei Erwachsenen suchen, wenn die Gewalt so massiv ist, wie beschrieben. Auch die Täter seien Opfer einer falschen Erziehung, meinte Daria Rusu vom Meşota-Lyzeum in Kronstadt.

„Warum sollte man zwischen Menschen wegen ihrer Herkunft unterscheiden?“, fragte Ioana Paul vom Kronstädter Honterus-Gymnasium, als es um die bewegende Erzählung „Checkpoint Europa“ von Manfred Theisen ging, der das Schicksal eines jungen Flüchtlings aus Syrien beschreibt. Alle waren sich einig, dass sich ihr Verständnis für Flüchtlinge und Fremde durch dieses Buch vergrößert habe. Allerdings wurde kritisiert, dass im Roman zu einfach zwischen Gut und Böse unterschieden werde.

Heiß her ging es auch bei der Debatte über das Buch „Der Drohnenpilot“ von Thorsten Nesch, in dem die Gefahren der Drohnentechnik problematisiert werden. „Du musst die Verantwortung für dein Handeln übernehmen, denn du musst dir über die Folgen deines Tuns bewusst sein!“, kommentierte Lukas Horvath vom Sfântul Iosif aus Karlsburg/Alba Iulia das Geschilderte, denn Drohnen könnten in einem zukünftigen „sauberen“ Krieg eingesetzt werden, sodass die Soldaten sich nicht mehr selbst verantwortlich fühlen. Ioana Paul ergänzte: „Für Sicherheit darf man nicht die Freiheit opfern.“ Die Idee eines Überwachungsstaates sei nicht mehr fern von dem, was wir jetzt hätten.

Einmütig entschied sich die sechsköpfige Jury für Lukas Horvath aus der Şcoala Sfântul Iosif in Karlsburg/Alba Iulia als Sieger in Siebenbürgen, weil seine fundierten Beiträge einen hohem Abstraktionsgrad aufwiesen und wegen seiner hervorragenden Deutschkenntnisse. Daria Rusu (C.N. Meşota, Kronstadt), Ioana Paul (L.T. Johannes Honterus, Kronstadt) und Denisa Dragota folgen auf den nächsten Plätzen. Aber letztlich, so die Einschätzung aller Teilnehmer und auch des Publikums, hätten alle den Sieg davongetragen, denn alle seien durch die Lektüre und die Diskussionsrunden reicher an Erfahrungen geworden.

Sabine Brünig

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