Verborgener Reichtum in Eibesdorf

Über 100 Gäste beim „Tag des unbekannten Denkmals“ in der Kirchenburg

Mittwoch, 11. September 2013

Architektin Dr. Gabriela Olasz berichtete über die Bauarbeiten an der Kirchenburg.

Der kleine, bisher freigelegte Teil der Fresken lässt auf den verdeckten künstlerischen Reichtum schließen.

Der Michelsberger Kirchenvater Michael Henning half beim Start der Himmelslaternen.
Fotos: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Die kleine evangelische Gemeinde in Eibesdorf/Ighişu Nou bei Mediasch lud am Sonntagnachmittag zum „Tag des unbekannten Denkmals“ ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Renovierungsarbeiten an der zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert entstandenen Kirchenburg. Das historische Ensemble in Eibesdorf gehört zum 18-Kirchenburgenprojekt der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, welches aus den Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union finanziert wird.

Die über 100 Gäste, die aus Hermannstadt/Sibiu, Michelsberg/Cisnădioara, Heltau/ Cisnădie, Mediasch und anderen Ortschaften angereist waren, wurden im Pfarrhof von Pfarrer Gerhard Servatius-Depner begrüßt. Danach berichtete die für die Restaurierungsarbeiten zuständige Architektin, Dr. Gabriela Olasz, über den Stand und die Perspektiven der Bauarbeiten an der Kirchenburg. Während eines Rundgangs durch die Anlage konnten die Anwesenden die Veränderungen beschauen und ihre Fragen sowohl an die Architektin als auch an Marius Bija-Kenst, den Projektbauleiter, richten.

Im Rahmen der Bauarbeiten wurde der Dachstuhl der Kirche vollständig erneuert, das Dach selbst wurde mit neuen Ziegeln gedeckt. Die alten, noch intakten Ziegeln wurden sowohl am Chor der Kirche als auch am Bering der Burg wiederverwendet. Das schwierigste Problem der Burg stellte die Feuchtigkeit dar. Um das Wasser richtig ableiten zu können, entfernte man alle Betonplatten im Kirchhof und legte neue Steinpflasterwege an. Im Kircheninneren entschied man sich für einen Backsteinboden.

Eine angenehme Überraschung verbarg sich unter dem Verputz des Kirchenraums: über 100 Quadratmeter Fresken konnten die Restauratoren unter der Leitung von Loránd Kiss entdecken. Diese sind in einem guten Zustand und können nach Angaben der Fachleute leicht wieder hergestellt werden. Bedauerlicherweise sind im laufenden Projekt keine Mittel dafür vorgesehen. Die Gesamtfinanzierung der Sanierungsarbeiten an der Eibesdorfer Kirchenburg beträgt 185.000 Euro ohne Mehrwertsteuer.

Zum Kulturprogramm der Veranstaltung gehörte auch die Projektion eines Dokumentarfilms über die Siebenbürger Sachsen. Den 1933 vom deutschen Fotografen und Filmer Hans Retzlaff gedrehten Stummfilm „Werktag und Fest der Siebenbürger Sachsen“ begleiteten die Mediascher Organistin Edith Toth und Pfarrer Servatius-Depner am Klavier und auf der Geige. Während der Andacht nach dem Abendgeläut sprach Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă die Hoffnung aus, dass die Verkündigung des Wortes Gottes in den Siebenbürgischen Kirchenburgen nicht verstummen wird, unabhängig davon, in welcher Sprache dies geschehen wird: „Für viele von uns mag es ungewohnt klingen, wenn wir heute die bekannten Choräle auch auf rumänisch singen. Bedenken wir nun, dass vor Jahrhunderten in dieser Kirche auf Latein gepredigt und gesungen wurde“, meinte Cosoroabă.

Abgeschlossen wurde der „Tag des unbekannten Denkmals“ mit einer Verkostung des Pfarrweines und dem Aufsteigen der Himmelslaternen. Die Veranstaltung in Eibesdorf fand im Rahmen des Projektes der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ statt.

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