Verbrüderung mit dem Teufel

Mittwoch, 24. September 2014

Wer die 70.000 waren, die am vergangenen Wochenende auf dem größten und neuesten Stadion Rumäniens in Bukarest den frisch gelegten Rasen platttrampelten, um ihren Parteichef und PSD-Präsidentschaftskandidaten V.V.Ponta bei Popcorn und Bier zum Geburtstag zu gratulieren und Erfolg im Wahlkampf zu wünschen, wird wohl im Detail ein Geheimnis des Mobilisierungsapparats unter Strippenzieher Liviu Dragnea bleiben. Auch, wie viele jüngst legalisierte Wendehälse unter den 70.000 waren.

Alle zusammen feierten sie, zurückhaltend siegesgewiss, die Offizialisierung der Morallosigkeit in der rumänischen Politik, ganz ähnlich, wie sie vor ein paar Jahren auf dem selben Stadion den Wahlsieg der inzwischen untergegangenen USL im voraus feierten. Zum Feiern, Fahnenschwingen und Losungrufen finden sich in diesem Land immer ausreichend Individuen, die es kaum wert sind, Bürger genannt zu werden. Da geht es zu wie mit dem Esel in orientalisch-balkanischen Erzählungen, bei dem es reicht, ihm auf einer Stange ein duftendes Heubündel vor die Nase zu halten. Und er geht, und geht, und geht...

Dabei hatte V.V. Ponta im Grunde recht, wenn er den durch Wahlen an Machtfetzen Gekommenen 45 Tage Zeit gibt, ihr Verhältnis zu seiner Partei – der offensichtlich wirklichen Macht – zu klären, seit die bei den demokratischen Wahlen siegreiche Parteienkoalition zerbrach und eiligst eine mehrheitsfähige Regierungskoalition zusammengeschustert wurde, bloß um als PSD an der Macht zu bleiben. Abgezielt wird auf schwankende PNL-Mitglieder, also zusammenkehrbare Reste der USL, weniger auf die wohl defintiv zerschlagene PDL. Ponta weiß, dass er die Präsidentschaftswahl gegen eine(n) die rumänischen Wählermassen überzeugende(n) Kandidaten/-in der Rechten verlieren kann (der/die noch nicht aufgetreten ist...) und sichert sich im Stile der auch bisher ohne Zurückhaltung manifestierten Ignorierung jedwelcher Moralität ab – die gut ankommt bei denen, die hierzulande zu den Urnen gehen. Verbrüdere dich mit dem Teufel, bis du dein Ziel erreicht hast, sagt, sinngemäß, ein beherzigtes rumänisches Sprichwort. Mündliche Zusicherungen der Unterstützung bei den Wahlen reichen Pontas Leuten nicht, sie müssen sich einstallen lassen, um am Gängelband zur Verfügung zu stehen. Denn die PSD-Regierung will  genau wissen, wie viele Stimmen sie per Ukas abgeben kann – an die PLR Tariceanus, an die PC und an die PUNR, ihre Marionettenparteien der Berufswendehälse. Die Kunst der Handhabung der Werkzeugstiele nennt man das in Rumänien.

Letztendlich wird V.V. Ponta seinen möglichen Wahlsieg aber weder seiner hemmungslos manifestierten Morallosigkeit, noch der fehlenden Moralität der größeren oder kleineren Politiker, die zur gesetzlich geregelten Wendehalsigkeit bereit sind, verdanken, sondern der Unfähigkeit der Rechten bzw. eines Politikers der Rechten, geeint einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen. Auch der jämmerlichen Wahrnehmung seiner Pflichten als Ombudsmann durch Victor Ciorbea, der sich als Pontas sülzige Marionette entblößte.


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