Verdachterweckender Holzeinschlag im Naturreservat

Die Forsteinrichtung verweigert Informationen zu dem Fall

Samstag, 20. September 2014

Die Forsttransporte zerstören nicht nur die Walderde – die laut Forschungsergebnissen viele Jahrzehnte zu ihrer Genesung braucht – sie zerstören auch die Häuser der Ortschaften, durch welche sie donnern, oft noch Häuser in der ursprünglichen, für das Banater Bergland typischen Architektur.
Foto: GEC Nera

Die Orawitzaer Umweltschutzorganisation GEC Nera hat im Juni-August Feldbegehungen im Raum des Naturreservats der Gârlişte-Klamm vorgenommen, um den Holzeinschlag zu überprüfen, der hier – mit Genehmigung der Forstbehörden – betrieben wurde. Veranlasst wurde die Inaugenscheinnahme vor Ort durch Proteste der Ortsbewohner und deren Klage vor der Gemeindeverwaltung in Goruia, nachdem die heftigen und anhaltenden Regenfälle im Juli-August ihre Hausgärten, Heuwiesen und Weiden sowie mehrere Straßen der Ortschaft mit großen Massen angeschwemmtem Erdreich bedeckt hatten, die offensichtlich aus Richtung des Naturreservats der Gârlişte-Klamm – das zum Nationalpark Semenik - Karasch-Klamm gehört – kamen.
GEC Nera stellte erst mal fest, dass der Holzeinschlag im Naturreservat der Gârlişte-Klamm vom Bukarester Forsteinrichtungsinstitut ICAS genehmigt war, dass aber durch fehlende Kontrolle seitens der Forstverwaltung das Holzschlagunternehmen allem Anschein nach die Forstgesetzgebung mit Füßen getreten hat. Verpflichtungen zur Konservierung der Landschaft sowie der Zufahrtstraßen aus und in Richtung der nächstgelegenen Ortschaft Gârlişte sind nicht beachtet worden, ebenso wenig wie verpflichtende Maßnahmen zur Beibehaltung und Sicherung der Stabilität des Bodens im Raum des Forstschlags.

Komplett aufgewühlter Waldboden

Das Naturreservat sei komplett aufgewühlt worden, schreibt die Öffentlichkeitsbeauftragte von GEC Nera, Doina Mărgineanu, in einem offenen Brief an Medien und Behörden, „und über weite Strecken sind die markierten Wanderwege hier nicht mehr erkennbar. Der durch die vom Holzschlagunternehmen eingesetzten Gelenktraktoren und die schweren Forsttransporter im Raum des Schlags destabilisierte Untergrund wurde durch die heftigen Regenfälle weggespült und ist von den Wassermassen in der Ortschaft und in den Anwesen der Bürger abgelagert worden. (…) Beim Holzeinschlag am Rande des Naturreservats wurde auch das Gesetz der Geschützten Naturräume übertreten, weil die Holzfäller offensichtlich viel zu nahe an den Nationalpark Semenik-Karasch-Klamm herangekommen sind“, schreibt Doina M²rgineanu im Namen der Naturschützer weiter. „Das Forstschlagunternehmen wäre verpflichtet gewesen, dafür eine Genehmigung seitens des Rathauses von Goruia einzuholen – oder zumindest dieses zu verständigen. Laut Angaben des Rathauses ist dessen Genehmigung zwar eingefordert worden, aber erst, als die Bürger von Gârlişte wegen Verdacht auf Raubbau zu protestieren begonnen hatten, also nachdem das Vorgehen des Forstschlagunternehmens publik geworden war.“

Begrenzung des Nationalparks als Geheimnis

GEC Nera spricht im Schreiben seiner Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit die Vermutung aus, dass das Forsteinschlagunternehmen auch Bäume „im Inneren des Naturreservats” gefällt haben könnte: „Die gegenwärtige Position der Begrenzungsmarkierungen des Nationalparks Semenik - Karasch-Klamm (soweit vorhanden), das häufige Fehlen dieser Begrenzungen, ließ bei uns auch die Vermutung aufkommen, dass die Grenzen des Nationalparks nicht im Einklang mit den Ortskarten der Forsteinrichtung ICAS stehen. Deshalb haben wir, wie gesetzlich (544/2001) vorgeschrieben, von der Forstdirektion Karasch-Severin, als Verwalter dieses Nationalparks, aber auch von der Forsteinrichtung ICAS (Institut für Forstforschungen und -einrichtungen Bukarest) die geodätischen Koordinaten der Grenzmarkierungen des Nationalparks angefordert, um die Möglichkeit zu haben, mit unseren Navigationsgeräten die auf den Land- und Forstkarten eingetragene Position zu überprüfen, also eine eigene Identifizierung der Begrenzungen des Nationalparks vorzunehmen. Die Forstdirektion Karasch-Severin informierte uns schriftlich, dass sie solche Koordinaten nicht besitzt (und dies in ihrer Eigenschaft als Verwalter des Nationalparks – Anm. wk). ICAS antwortete, dass das Institut diese Koordinaten nicht weitergibt (...).“

Die Umweltschützer aus Orawitza schreiben zu Recht, dass während der ganzen Zeit, als das Holzeinschlagunternehmen in Gârlişte gewütet hat, sowohl die Forstdirektion Karasch-Severin als auch das Territorialinspektorat für Forst- und Jagdwesen mit Sitz in Temeswar, und auch die Garde für Umweltschutz Karasch-Severin die Möglichkeit gehabt hätten, „beizeiten das Desaster in den Wäldern um Gârlişte zu stoppen“, wenn sie eine minimale Präsenz und Willen zur Kontrolle gezeigt hätten: „Anders kann man die zeitverzögerte Reaktion dieser staatlichen Behörden nicht erklären, die sich letztendlich bloß durch eine symbolische Geldstrafe geäußert haben, welche das Forstschlagunternehmen spielend entrichtete. Und auch diese Geldstrafe wurde erst verhängt, nachdem GEC Nera an alle möglichen Einrichtungen Fotos vom Umweltdesaster verschickt hatte.“

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 22.09 2014, 01:31
Was hier passiert ist offensichtlich. Es ist für Außenstehende ermutigend zu lesen daß sich Widerstand bildet und aktiv ist; weiter so !

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