Verdoppelung des Durchschnittslohns könnte für geringere Auswanderung sorgen

Mittwoch, 30. August 2017

Bukarest - Auf 1000 Euro müssten die Durchschnittsnettolöhne in den Großstädten Rumäniens steigen, um junge, gut ausgebildete Fachkräfte von der Auswanderung nach Westeuropa abzubringen. Dies glauben von der Bukarester Wirtschaftszeitung „Ziarul Financiar“ vor Kurzem zitierte Wirtschaftsberater, die jüngste Daten des Nationalen Instituts für Statistik bewerteten. Laut der Statistikbehörde betrug der Nettolohn im Landesdurchschnitt im Mai dieses Jahres 2360 Lei. Zieht man beispielsweise den Wechselkurs vom 31. Mai in Betracht, waren das 516,38 Euro, also knapp über die Hälfte der 1000 Euro. Nicht einmal in der Hauptstadt Bukarest kommt der Durchschnittslohnempfänger auf ein solch hohes Nettoeinkommen, in Bukarest betrug der Durchschnittsnettolohn im Mai 2017 3039 Lei (knapp 665 Euro), um 29 Prozent mehr als im Landesdurchschnitt. Überdurchschnittliche Nettolöhne verzeichneten ferner die Kreise Klausenburg/Cluj (2684 Lei), Hermannstadt/Sibiu (2524 Lei), Ilfov (2505 Lei), Argeş (2486 Lei) und Temesch/Timiş (2440 Lei), knapp unterhalb des Durchschnitts liegen die Kreise Kronstadt/Braşov (2333 Lei) und Jassy/Iaşi (2273 Lei). Den geringsten Durchschnittslohn meldet der südrumänische Kreis Teleorman, nämlich 1720 Lei, das sind 376,35 Euro bzw. 73 Prozent des Landesdurchschnitts.

Jedenfalls sind in allen Kreisen die Löhne im Mai 2017 im Vergleich zur selben Zeitspanne des Vorjahres deutlich gestiegen, in Bukarest und Ilfov um acht bis neun Prozent, in Klausenburg um sechs Prozent, im Kreis Temesch um 13 Prozent, in Kronstadt um 20 Prozent, in Hermannstadt um 16 Prozent, im Kreis Argeş sogar um 25 Prozent und selbst im Kreis Teleorman um 17 Prozent. Auch andere Kreise mit eher geringeren Nettolöhnen konnten überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen, so zum Beispiel Sathmar/Satu Mare mit einem Plus von 22 Prozent (auf 1933 Lei), Maramuresch/Maramureş mit 23 Prozent (auf 1866 Lei), Harghita mit 23 Prozent (auf 1808 Lei), Covasna mit 20 Prozent (auf 1817 Lei), Mehedinţi mit 23 Prozent (auf 2103 Lei) sowie Hunedoara und Karasch-Severin/Caraş-Severin mit jeweils 21 Prozent bis auf 1935 Lei bzw. 1877 Lei. Die westrumänischen Kreise Arad und Bihor verzeichneten eine Wachstumsrate zwischen Mai 2016 und Mai 2017 von 15 bzw. 19 Prozent, wobei die Arader im Durchschnitt heuer 2118 Lei verdienten, in Bihor allerdings liegen die Nettolöhne bei 1886 Lei.

Die Lohnstatistik weist auf relativ große regionale Unterschiede hin, wobei wie erwartet die Hauptstadt und ihr Umland die höchste Entlohnung aufweisen. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren die Nettolöhne in den Großstädten sowie in den stärkeren Industriezentren wie zum Beispiel der Kreis Argeş weiterhin wachsen werden, während in den weniger entwickelten Landesteilen wie die süd- oder ostrumänischen Kreise der Staat der größte Arbeitgeber bleiben wird. Gleichzeitig könne die positive Lohnentwicklung in Großstädten wie Bukarest, Klausenburg/Cluj-Napoca oder Temeswar/Timişoara die Binnenmigration deutlich erhöhen und unter Umständen dafür sorgen, dass weniger Arbeitskräfte nach Westeuropa auswandern, so zumindest die Hoffnung der von „Ziarul Financiar“ zitierten Experten der Rumänien-Niederlassung der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Boston Consulting Group.

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