„Verfemte Musik“ darf nicht vergessen werden

Sonntag, 28. Juli 2013

Die Initiative, dem siebenbürgischen Publikum „verfemte Musik“ aus der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts näher zu bringen, wird heuer fortgesetzt – zwar nicht mit einer Konzertreihe wie in den vergangenen zwei Jahren, sondern mit der Gründung des internationalen Vereins Musica Suprimata e.V. mit Sitz in Berlin.

Die Organisation wurde am 15. Juli ins Leben gerufen und möchte sich laut einer Information der Gründungsmitglieder „für die ehemals verfolgte, verdrängte und dann weitgehend vergessene Musik engagieren“, ganz gleich ob diese vom nationalsozialistischen Regime als „entartet“ oder später von der kommunistischen Obrigkeit als „formalistisch“ gebrandmarkt worden ist. Musica Suprimata e.V. erfülle somit den gesellschaftlichen Auftrag, die Werke geächteter Komponisten zurück ins Konzertleben zu bringen und sie für kommende Generationen präsent zu halten.

Ziel des Vereins ist es, ab Herbst 2014 wieder jährlich eine Konzertreihe rund um  den thematischen und geografischen Mittelpunkt Siebenbürgen zu veranstalten. Ein Jahrhundert nach Beginn des Ersten Weltkriegs wird das Festival erneut auf die Komponisten Bezug nehmen, die auf dem heutigen Gebiet Rumäniens geboren sind – insbesondere auf das Werk des Hermannstädters und Schönberg-Schülers Norbert von Hannenheim, der 1945 in einer nationalsozialistischen Euthanasie-Klinik ums Leben kam. Außerdem wird die von Viktor Ullmann im KZ Theresienstadt komponierte Oper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Todverweigerung“ auf dem Programm des dritten Festivals stehen.

Musica Suprimata e.V. ist international zusammengesetzt – die Mitglieder kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Rumänien. Neben dem Hauptsitz in der Bundeshauptstadt wurde die Gründung einer Niederlassung in Hermannstadt/Sibiu beschlossen. „Dies soll nicht nur eine rumänische Postadresse bedeuten, sondern eine Verankerung im Gesellschafts- und vor allem im Kulturleben des Landes“, versichert die Vorstandsvorsitzende des Vereins, Heidemarie T. Ambros, die auch bei den ersten Festivalauflagen zum Erfolg der Konzerte maßgeblich beigetragen hat. „Wir möchten uns verwurzeln, uns und vor allem die Musik, die zugegebenermaßen elitär ist. Doch ist sie nicht knochentrocken intellektuell, sondern sie hat, wenn man sich ihr öffnet, auch sinnliche Aspekte.“ Für mehr Anschaulichkeit sollen die vergessenen Klänge auch in Verbindung mit der bildenden Kunst und der Literatur ihrer Zeit gebracht werden. Der Entstehungskontext der Werke soll in einem Periodikum des Vereins analysiert und erklärt werden. Zudem zielt die Organisation auf die Förderung von Forschungsprojekten sowie von internationalen universitären und künstlerischen Kooperationen.

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