Vergessene und wiederentdeckte Manuskripte

Eginald Schlattner las in Kronstadt vor

Freitag, 15. Juni 2012

Eginald Schlattner (links) stellte in Kronstadt seine neuen Veröffentlichungen vor. Anwesend waren auch Michaela Nowotnick und Thomas Şindilariu.
Foto: KR

Die jüngsten zwei Bücher von Eginald Schlattner, „Odem. Kritische Edition“ und „Mein Nachbar, der König. Verlassene Geschichten“, wurden am Samstag auch in Kronstadt, im Festsaal des Demokratischen Forums der Deutschen vorgestellt. Die Bände sind im Frühjahr dieses Jahres im Hermannstädter Schiller-Verlag erschienen und wurden in mehreren Städten in Rumänien und im Ausland bereits präsentiert.

In Kronstadt wurden die Gäste, Eginald Schlattner und Herausgeberin Michaela Nowotnick, von Thomas Şindilariu, dem Leiter des Archivs und der Bibliothek der Honterusgemeinde, begrüßt und vorgestellt. Wieso die Veranstaltung unter dem Motto „Vergessen, verstaubt, wiederentdeckt“ stand, erklärte Michaela Nowotnick, die Literaturwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin studiert hat und sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Siebenbürgen befasst: die Manuskripte wurden von Eginald Schlattner in den 50er und 60er Jahren verfasst, konnten aber damals nicht veröffentlicht werden.

Man verlor ihre Spur und hielt sie jahrzehntelang für verschollen – umso größer war die Überraschung, als die Literaturwissenschaftlerin diese Texte in einem Koffer im Rothberger Pfarrhaus wiederentdeckte. Sie traf die Auswahl und die Vorbereitungen für die Veröffentlichung.

Bei „Odem“ handelt es sich um einen Text, der bereits 1958 bei ESPLA, dem Staatsverlag für Literatur und Kunst, erscheinen sollte . Der Text war bereits lektoriert und zensiert  – „alle Saxonismen  wurden gestrichen“, so Michaela Nowotnick – doch wurde er nicht mehr veröffentlicht, weil Eginald Schlattner verhaftet wurde. Der Text trägt jetzt 1052 Fußnoten – die Herausgeberin der „kritischen Edition“ hat in ihnen hervorgehoben, was vor fünfzig Jahren von der Zensur verändert wurde, denn somit könne man genau sehen, wie ein Verlag überhaupt damals arbeitete.

Bei „Mein Nachbar der König“ geht es um sechs Geschichten, zu denen Michaela Nowotnick jeweils eine erklärende Einführung geschrieben hat. „Und zwar mit ihrer akribischen bundesdeutschen Humboldt-Genauigkeit“, wie Eginald Schlattner betonte. Zu diesen Geschichten habe er selbst sich nie bekannt, sagte der Autor, und es sei gänzlich der Herausgeberin zu verdanken, dass sie doch veröffentlicht worden seien.

Er las den Anfang aus „Odem“ vor, sowie die Erzählungen „Jemand steht immer im Wege“ und „Das Apfelbett“ aus „Mein Nachbar, der König“.  Während der anschließenden Diskussion nannte er Kronstadt einen „Ort beladen mit vielen Erinnerungen“, besonders die Umgebung, in der sich das Gebäude des Forums befindet: „die Obervorstädter Kirche, das Şaguna-Gymnasium, der deutsche Heldenfriedhof, das Volksbad und noch ein paar Schritte weiter die Securitate - mit all diesen Lokalitäten hat man existenziell zu tun gehabt, besonders ich.“

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