Verletzter Österreicher beim Festival in Fundata

Die Veranstalter hatten keinen Rettungswagen bestellt

Mittwoch, 30. Mai 2012

Werbung für das Festival in Fundata bei der diesjährigen Kronstädter Tourismusmesse.
Foto: Ralf Sudrigian

Kronstadt - Es sollte eine besonders authentische Nachstellung eines Artilleriegefechtes aus dem Ersten Weltkrieg sein. Alles endete aber mit einem ernsten Unfall, dessen Opfer, ein 38-jähriger Österreicher, per Flugzeug in seine Heimat befördert werden musste.

In Fundata, ein Gebirgsdorf im Kreis Kronstadt, nahe an der Grenze zu den Nachbarkreisen Dâmboviţa und Argeş, ist das internationale Festival für Nachstellung historischer Schlachten ein wichtiger Termin im touristischen Veranstaltungskalender. Außer Wanderungen und Agrartourismus mit Schwerpunkt Schafzucht, erhoffen sich die Lokalbehörden von solchen pseudo-militärischen Spielen zusätzliche Besucher und einen höheren Bekanntheitsgrad.

Am Samstag beteiligte sich eine fünfköpfige Gruppe aus Innsbruck an der Nachstellung einer militärischen Auseinandersetzung aus den Jahren des Ersten Weltkriegs. Die Österreicher waren mit ihrer eigenen Replik einer Gebirgskanone angereist und wollten damit zu einer möglichst realistischen Darstellung eines Artilleriegefechts beitragen. Leider klappte es beim zweiten Schuss gar nicht wie geplant. Es kam zu einer Explosion, die dem Österreicher arge Wunden an den Händen, aber auch an einem Auge zugefügte. Vermutlich wurde das Kanonenrohr nicht komplett gereinigt, sodass sich beim zweiten Abfeuern eine zu große Menge der pyrotechnischen Substanz entzündete. Laut dieser Hypothese handelt es sich also um einen Unfall, der aus eigenem Verschulden zustande kam.

Was aber den Veranstaltern vorgeworfen wird, ist das Fehlen eines ärztlichen Rettungswagens vor Ort. Am Samstag griff ein SMURD-Arzt ein, der einen Notverband anlegte, um die heftige Blutung am Arm des Verwundeten unter Kontrolle zu halten. Dieser Arzt war aber zufällig dabei, als Zuschauer und nicht als ärztlicher Betreuer. Der herbeigerufene Rettungswagen transportierte den Verletzten ins Kronstädter Kreiskrankenhaus wo, nach ersten Stabilisierungsmaßnahmen, der Verwundete per Flugzeug zunächst nach Hermannstadt geflogen wurde. Von dort, auf Wunsch der Familie, wurde der Verletzte nach Österreich transportiert. Sein Leben ist nicht in Gefahr, aber es besteht das Risiko des Verlustes mehrerer Finger, sowie von Komplikationen der Augenverletzung.

Für die Veranstalter könnte diese unglückliche Episode auch strafrechtliche Folgen haben. Die Entschuldigung die zu hören war, und zwar „Bei Kulturveranstaltungen muss man laut Gesetz, keinen Arzt anfordern“, kann so nicht hingenommen werden. Letztendlich sind pyrotechnische Effekte, selbst bei Feuerwerken, Tätigkeiten, die mit einem gewissen Risiko in Verbindung zu setzen sind.

Kommentare zu diesem Artikel

Lars, 30.05 2012, 21:52
Gestandene Familienväter ziehen feldgraue, oder feldblaue, Uniformen an, setzen sich, je nach geografischer Herkunft oder Präferenz, Feldmützen oder Stahlhelme unterschiedlicher Bauart auf und spielen Weltkrieg. Was der Antrieb der Freizeitsoldaten zu diesem Mummenschanz ist bleibt im Dunklen. Der Stolz eine richtige Uniform zu tragen? Der wohlige Grusel beim Gedanken, das hunderte der Feldgrauen 1916 ihre so „fesche“ Uniform wohl nicht mehr selbst auszogen? Mahnung an die Greuel, die jeder Krieg für die Menschen bedeutet, kann es ja wohl nicht sein. Auch, wenn als verschwurbelte Begründung für diese Art „Volksbelustigung“ immer die Völkerverständigung, die Erinnerung und, ganz wichtig, die Tradition herhalten muss. Alles egal, solange nur Touristen angelockt werden. Und die Touristen kommen, in hellen Scharen! Das diesjährige Ergebnis in Fundata: Eine geplatzte Kanone, Blut, abgerissene Finger und schwerverletzte österreichische Freizeitsoldaten. Alles in Allem also ganz traditionell abgelaufen, das Kriegsspiel . Der letzte Satz ist zynisch und gegenüber dem Leid der Betroffenen unangemessen. Das Geschehen sollte den Veranstaltern, dem österreichischen Kanonenverein und auch den Schaulustigen zu denken geben.

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