„Verschwörung der Dummheit“

Verantwortlicher der Gesundheitsbehörde über Masernerkrankungen

Samstag, 28. Januar 2017

 Reschitza - Die zwei Todesfälle durch Masern, die im abgelaufenen Monat im Banater Bergland verzeichnet wurden, waren ein Grund für das monatlich tagende Präfekturkollegium, die Direktion für Öffentliche Gesundheit DSP zur Berichterstattung einzuladen.

Erschienen war Dr. Radu Albotă, der stellvertretende Direktor dieser Institution. Er präsentierte die Dynamik der Krankheit im Banater Bergland in der Zeitspanne 2010-2016 und ging detailliert auf die steigende Zahl der Erkrankungen an den Masern ein, die er salopp als ein Resultat der „Verschwörung der Dummheit“ bezeichnete, womit er die zahlreichen Aufforderungen in den sozialen Netzwerken meinte, seine Kinder nicht präventiv impfen zu lassen. Die Dynamik der Erkrankungen präsentierte Dr. Albotă aufgrund der monatlichen Berichte der Familienärzte: „In der gesamten untersuchten Zeitspanne blieben der Häufigkeit nach eigentlich die selben Krankheiten im Banater Bergland dominant – Bluthochdruck, ischämische Kardiopathie, Zuckerkrankheit – und alle drei zusammen machen gut 70 Prozent der chronischen Krankheiten der Bevölkerung des Banater Berglands aus. Durch die Überalterung der Bevölkerung und die stagnierende demografische Entwicklung steigt logischerweise auch die Zahl der typischen Alterskrankheiten, Gehirn- und Gefäßerkrankungen sowie obstruktive chronische Lungenerkrankungen.“

Unbestreitbar sei, dass die Möglichkeiten der Ärzte, Krankheiten früher und treffender zu bestimmen und zu entdecken, in der analysierten Zeitspanne gestiegen sind, durch die Fortschritte der Medizin und durch Verbesserung der Ausstattungen der Krankenanstalten. „Doch wir wissen auch“, sagte Dr. Radu Albotă, „dass es Wartelisten gibt beim Gerät für Magnetresonanz oder bei den Computertomographen, doch ebenso gut wissen wir, dass der Tag bloß 24 Stunden hat und dass nicht alle Erkrankungen, wie manche meiner Ärztekollegen meinen, unbedingt Untersuchungen an diesen Apparaten benötigen, um bestätigt oder verneint zu werden. Außerdem: nicht alle Untersuchungen an diesen Apparaten sind dringend. Ansonsten: es ist ziemlich billig, zu erfahren, dass man krank ist, oft geschieht das sogar gratis. Immerhin: das meiste wird ja von der Krankenversicherung verrechnet.“

Die Halbierung der Besuchszeiten in den Krankenhäusern findet Dr. Albotă angesichts der sich ausbreitenden Masern berechtigt. Nur findet er die „Verschwörung gegen Präventivimpfung“ als eine eklatante Dummheit in der öffentlichen Meinungsmanipulation. „Die Auswirkungen der Verschwörung der Dummheit sind klar: die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an Masern erkranken, steigt in erschreckendem Maß“, sagte der DSP-Direktor. „Und die Krankheitsformen werden immer gefährlicher. So etwas gab es früher nicht, als die Impfungen verpflichtend waren. Natürlich gibt es auch heute Pflichtimpfungen. Und es gibt fakultative Impfungen. Die Eltern entscheiden in letzterem Fall, Ärzte können nur zu- oder abraten. Das Problem sind die Eltern. Man kann keine Kinder in Fesseln zum Impfen bringen, und wenn das noch so gut wäre für ihre künftige Gesundheit. Interessant ist, dass die meisten schweren Erkrankungen nicht aus den ‘üblichen’ sozialen Schichten kommen, sondern aus vermeintlich aufgeklärten, gebildeten, wirtschaftlich wohlsituierten, für welche das Internet Religion ist. Vorsichtige, gesundheitsbewusste, wissenschaftlich aufgeklärte Personen verweigern in den seltensten Fällen Präventivimpfungen ihrer Kinder.“

Besorgniserregend sei auch, dass gegenwärtig die Zahl der Kleinkinder und der Erwachsenen, die mit Masern im Krankenhaus landen, gleichermaßen steigt, sagte Dr. Albotă. Der einzige Patient, der gegenwärtig im Notfallkrankenhaus von Reschitza mit Masern auf der Intensivstation liegt, ist 36 Jahre alt. Rund 100 Masernerkrankungen werden gegenwärtig im Banater Bergland im Krankenhaus behandelt. Seit die Masern wieder als eine Art Massenphänomen in Rumänien aufgeflammt sind, wurden im Banater Bergland 600 Erkrankungen verzeichnet. Brennpunkte der Erkrankungen seien Bokschan, Reschitza und Karansebesch, neuerdings auch Neumoldowa an der Donau.

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