Verschwörung

Samstag, 18. März 2017

Da freut man sich die ganze Woche auf das Wochenende – und dann dies: Ab Samstagmorgen garantiert Dauerregen, der sich über den Sonntag bis tief in die Woche hinein erstreckt, sodass man weder an diesem noch am nächsten Wochenende im Garten arbeiten kann. Während die Steckzwiebeln schon ungeduldig in der Plastiktüte keimen und man zum n-ten Mal Samentütchen zählt und Beete plant, bleiben Spaten und Rechen wieder mal im Schuppen. Die Zwangspause treibt den Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen: Nichts tun müssen ist Stress pur! Erde schaufeln hingegen, bis die Schwielen auch noch Blasen werfen; Schubkarrenfahren, dass die Wirbel krachen und sich dann mit hocherhobenem Hinterteil und hochrotem Kopf stundenlang über einem Beet versenken, aus dem doch schon winzigste grüne Spitzen lugen (oder kommt das vom Blutdruck?), hat eine meditative Kraft, die jede Yogaübung in den Schatten stellt. Von wegen Gärtnerpose – das heißt „Rückwärtiger Sonnengruß mit Steckzwiebel-Mudra”. Nur, dass die Sonne eben partout nicht zurückgrüßen will.
Jedenfalls nicht am Wochenende.

In einem logikbasierten Kulturkreis aufgewachsen, sucht man da natürlich sofort nach einer Ursache. Steckt Putin dahinter, der Rumäniens Landwirtschaft mit Regenmacher-Raketen, die unsichtbare Kondensationskeime in der Ionosphäre versprühen, sabotieren will? Tanzen die Paparuden jetzt nur noch samstags und sonntags, weil sie in einer modernen Gesellschaft unter der Woche im Anwaltsbüro tippen, Cappucino mit Milchschaumhäubchen servieren oder an der Wursttheke stehen? Steckt die Pharmaindustrie dahinter, weil das Pisswetter am Wochenende das Geschäft mit den Erkältungspillen steigert? Oder muss man hier sogar die Sonne bestechen?
Kaum etwas ist im Frühling so zuverlässig wie strömender Regen am Wochenende. Pünktlich wie eine Schweizer Uhr. Die Schweizer... Ja – natürlich! Bestimmt wollen diese heimtückischen Alpenländler durch solch unlautere Methoden unseren Karpatentourismus ruinieren und uns die Wochenendausflügler abwerben.

Denn eines ist sonnenklar: Wenn man wissen will, wer hinter einem Missstand steckt, muss man sich nur fragen, wem dieser am meisten nützt. So jedenfalls ging schon Agatha Christie vor, oder Inspektor Hercule Poirot. So löst heute der schrullige Hauptkommissar Kluftinger seine vielen Morde im pittoresken Allgäu. Ja, selbst der Eberhofer Franz, Dorfpolizist in Niederkaltenkirchen – das liegt irgendwo hinter Pfuideifi – kam mit dieser Methode zu ungeahntem Ruhm. Was man nicht alles lernen kann aus bayrischer Krimi-Lektüre...
Wem der Schaden der Hobbygärtner also am meisten nützt? Mal überlegen... hmmm.
Bingo! Und schon ist der Täter ganz klar und eindeutig ermittelt: die Konservenindustrie.

Kommentare zu diesem Artikel

Michael, 18.03 2017, 09:56
Ich liebe diese bayrischen "Kluftlinger-Krimis"
Ich habe sie alle gesehen und kann nur feststellen: Kluftlinger kann es nicht gewesen sein - der hat ein nachweisbares Alibi.

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