Verschwörungsgläubig

Donnerstag, 10. Mai 2018

Versetzen wir uns in die Denke der Regierungskoalition und ihrer mittelmäßigen, hinsichtlich Meinungsmanipulation glänzend beratenen Spitzen Dragnea und Popescu-Tăriceanu! Zur Inflation haben wir ihre auf falschen Schlussfolgerungen fußenden Meinungen zerlegt: Inflation ist nicht, weil zu viel Leih-Geld auf den Markt gepumpt wird und der Geldwert im Verhältnis zum Warenwert sinkt, sondern weil das die ausländischen Warenketten, die Weltkonzerne und die Banken so wollen, um sich selbst reich und Rumänien arm zu machen. Oder: weil der Parallelstaat oder Soros es so wollen... Hinterbänklerlogik aus dem neuesten Intelligenznest Rumäniens, der Großraum Călărași. Die Denkgrundlage: „Ich bin doch kein Kind, an Zufälle zu glauben!” Originalton Daddy Dragnea, als er zur Inflation befragt wurde.

„Kindisch“ mag der mächtigste Mann Rumäniens nicht sein, vielleicht aber „primitiv“? Wenn´s nicht so läuft, wie er und seine Strategen es wollen, sieht er böse Kräfte am Werk, Verschwörungen, „Ausländer“, „die EU“ usw. Fällt Dragnea ein Apfel auf den Schädel, ist das keine Folge des Newtonschen Gesetzes, sondern einer globalen Konspiration gegen die Rumänen des PSD-Staats. Brüssel als Apfel-aufs-Haupt-Schmeißer.

Drehen wir den Spieß um! Der Trotzbesuch von Dragnea und seiner hausbackenen Regierungschefin Vasilica Viorica Dăncilă (eine Ätsch-Reaktion für Präsident Johannis) in Israel sowie der Vorstoß, entgegen internationalen Beschlüssen (Uno- und EU-Resolutionen) die Botschaft Rumäniens aus Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen und damit dem Unruhestifter aus Washington zu folgen – das ist weder eine pragmatische Option, von der Rumänien je großen Nutzen ziehen wird, noch die Denke eines großen Staatsmanns, der vorausschauend die rechte Position trifft, entgegen allen Warnungen.

Es ist Andienen eines kleinen und verunsicherten Politikers, der zufällig in seinem Ländchen große Macht erlangt hat und selbstgefällig entscheidet: Verantwortungsträger für Fehlentscheidungen findet er immer. Bibi Netanyahu soll für Dragnea umgehend ein gutes Wort bei Kumpel Trump einlegen. Wer für die nächste Präsidentschaft kandidieren möchte, braucht zumindest das Image des Freundes der Amerikaner. Im Klartext: Ein strafrechtlich Verurteilter – Dragnea – spricht bei einem strafrechtlich Verfolgten – Netanyahu – vor, damit letzterer bei Trump, den ein Sonderermittler (Mueller) wegen vermutlich staatsrechtlichen Gesetzesvergehen unter die Lupe nimmt, vorgelassen wird, um vom strafrechtlich Untersuchten Wohlwollen zu empfangen. Das Szenario einer Verschwörung, in nuce?

Das Drehbuch folgt Dragnea aufs Wort, immer recht misstrauisch zu sein und Dargelegtes/Vorgestelltes nicht unzerkaut hinunterzuschlucken. Misstrauen als Zeichen der menschlichen Reife – ist man misstrauensvoll, ist man, Gott sei’s gedankt, nicht „kindisch”.

Die Aufnahmetechnik Dragneas für Realitäten ist strikt zweigeteilt: Passen ihm die Reaktionen auf von ihm initiierte Maßnahmen, ist alles in Butter; passen sie ihm nicht, handelt es sich um eine Verschwörung. So diktiert es seine „Reife”. Ein braver (und also gehorsamer) Staatsbürger muss die Intuition haben (wie sie eine Reihe Ministerinnen der von Dragnea zusammengestellten ersten, zweiten und dritten PSD/ALDE-Regierung besitzen), positiv zu reagieren auf alles, was Dragnea positiv findet. Man betrachte die Reaktionen der Ministerinnen Vasilica Viorica Dăncilă, Olguța Vasilescu, der Oberbürgermeisterin von Bukarest, Gabi Firea, oder des „parteilosen” Justizministers Tudorel Toader! Deren Reaktion ist typisch, denn Verschwörungsgläubige sehen immer in den „Anderen” die Verschwörer. Bei ihnen herrscht ein Spiegeldefizit – oder sie glotzen in Blindspiegel.

Hingegen: Gute Absichten sind streng behüteter Exklusivbesitz der Verschwörungsgläubigen.

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