Verspielte Klänge trotz klammer Finger

Brahms Sinfonie Nr. 2 ertönt in der Kronstädter Bartholomäuskirche

Samstag, 02. November 2013

Kurz vor dem großen Auftritt. Die 70 Jugendlichen aus dem Saarland fiebern ihrem Debut in Kronstadt entgegen.

Höchste Konzentration: Das Kirchenmusizieren verlangte dem jungen Orchester einiges ab.
Fotos: Anna Brixa

Gleißendes Sonnenlicht flutet das älteste Baudenkmal in Kronstadt / Braşov: Die Bartholomäuskirche im typischen Zisterzienser-Stil, mit deren Bau noch vor 1225 begonnen wurde. Ihr großflächiger Hof ist an diesem ungewöhnlich warmen Oktobernachmittag gut gefüllt. Einige Besucher nutzen die Witterung zum Bepflanzen der Gräber, andere genießen einfach nur den angenehmen Sonnenschein. Über allem aber schwirrt ein fröhliches Stimmengewirr: 70 Jugendliche des Landes-Jugend-Symphonie-Orchesters Saar helfen sich mit Witzen und Kabbeleien über das letzte Lampenfieber vor ihrem Auftritt hinweg.

Und da geht es auch schon los: Die festlich gekleideten jungen Musiker im Alter von 14 bis 20 Jahren nehmen im deutlich kühleren und recht beengten Altarraum, der sie schon bei der Probe vor klangliche Herausforderungen gestellt hatte, ihre Plätze ein. Unter der Leitung von Alexander Mayer bieten sie ein Stück dar, das seit seiner Uraufführung 1877 als einer der größten Erfolge von Johannes Brahms gilt – Die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur.

Knapp 15 Jahre hatte der Komponist, den schon seine Zeitgenossen als Nachfolger Ludwig van Beethovens handelten, über seiner ersten Sinfonie gebrütet. Diesen Kampf mit sich selbst und den Noten merkt man dem Stück auch heute noch deutlich an. Die zweite Symphonie hingegen – so betont der organisatorische Leiter des Orchesters, Jens Bastian, in seiner Einführung – warte mit fröhlicheren, verspielteren Klängen auf. Und mit diesen erfreuten die jungen Profi-Musiker trotz der geringen Temperaturen, die selbst das Umblättern der Noten zu einer kleinen Herausforderung machten, in einem einstündigen Konzert ihre begeisterten Zuhörer.

Kronstadt war für das Orchester nach Klausenburg / Cluj-Napoca die zweite Station seiner Rumänien-Konzertreise. Alle zwei Jahre findet eine solche Tournee statt; die letzten Auslands-Gastspiele hatte das Landes-Jugend-Symphonie-Orchester in Kanada und Chile absolviert. Die Reise nach Rumänien war, wie auch die vorhergegangenen, von einer saarländischen Reisekauffrau organisiert worden – Ramona Lambing, die selbst aus dem Banat stammt. „Es war ihr großer Wunsch, dass wir auch einmal in ihre Heimat kommen“, erläutert Jens Bastian. „Sie hat mich direkt nach der Kanada-Tournee angesprochen und gefragt, ob wir nicht Lust dazu hätten, und uns von diesem Land vorgeschwärmt. Da haben wir gesagt: Ja natürlich, das machen wir.“ Die Reiseplanung laufe bereits seit zwei Jahren, seit einem halben Jahr dann auch die konkrete Vorbereitung der darzubietenden Stücke.

Die ersten Eindrücke von Rumänien beschreibt Bastian als sehr positiv; besonders hebt er die rumänische Gastfreundschaft hervor. Im Vorfeld habe man allerdings auch Bedenken gehabt: „Wir sind mit gemischten Gefühlen hierhergefahren. Man hört natürlich, dass es ein armes Land ist, und dass vieles noch nicht so weit entwickelt ist. Aber wir haben gesagt, wir schauen uns das jetzt erst mal an und machen uns ein unvoreingenommenes Bild. Vieles ist positiver, als wir es vielleicht erwartet hätten.“ Schon die zwei ersten Konzertsäle – die Philharmonie in Klausenburg und die Bartholomäuskirche hier in Kronstadt – hätten unterschiedlicher kaum sein können.

Aber schwingt nicht auch ein bisschen Enttäuschung darüber mit, dass nicht mehr Publikum gekommen ist? „Natürlich ist das schade“, so Bastian. „Man sieht es den Jugendlichen auf der Bühne an, dass sie traurig sind, dass es nicht mehr ist. Aber das wissen wir schon von vergangenen Konzertreisen – das ist immer schwierig.“ In Kronstadt sei lange unsicher gewesen, wo der Auftritt stattfinden würde, und dadurch habe man nicht früh genug für die Veranstaltung werben können. „Aber wenn man die berührt hat, die da waren, dann ist schon viel gewonnen. Und wir spielen auch für zwei Zuschauer.“

Die letzte Woche in Rumänien sieht für die jungen Musiker drei weitere Konzerttermine sowie ein buntes Kulturprogramm vor. Ganz besonders freuen sie sich auf ihren Auftritt in Temeswar / Timişoara, wo sie vor dem neuen deutschen Botschafter spielen werden. Dieser bringt zu seinem dortigen Antrittsbesuch gleich das gesamte Konsulat mit und hat bereits die Loge geblockt. Somit findet das Abschlusskonzert in besonders feierlichem Rahmen statt – zumindest, was die Rumänientournee betrifft. Denn gleich darauf geht es für die jungen Musik-Talente schon wieder auf Reisen: zu zwei Konzerten in Deutschland. 

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