Versuche der Inklusion von Minderheiten

Europäische Fachtagung für katholische Erwachsenenbildung in Rumänien

Freitag, 10. Mai 2013

Vertreter aus sechs europäischen Ländern suchten in Miercurea Ciuc bei einer Fachtagung nach Wegen und Möglichkeiten, Angehörige von Minderheiten zur Beteiligung am gesellschaftlichen Leben heranzuziehen.

48 Mitarbeitende der katholischen Erwachsenenbildung aus sechs europäischen Ländern beschäftigten sich vom 22. bis 24. April 2013 bei einer Fachtagung mit der Situation der ethnischen Minderheiten in Europa, beziehungsweise in den jeweiligen Ländern der Teilnehmenden. An der vom Verein Pro educatione in Kooperation mit der Europäischen Föderation für katholische Erwachsenenbildung (FEECA) und mit finanzieller Unterstützung von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, durchgeführten Tagung nahmen Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner aus Österreich, Ungarn, Tschechien, Rumänien, Deutschland und den Niederlanden teil, heißt es in einer Presseaussendung der FEECA. Sie fand in Miercurea Ciuc statt.

Christiane Gertrud Cosmatu, Unterstaatssekretärin im Departement für Interethnische Beziehungen, Bukarest, stellte die Bildungspolitik für die Minderheiten in Rumänien, insbesondere das deutschsprachige Schulwesen, vor. Dr. Sándor F. Szakács vom Verein Pro Educatione legte den Teilnehmenden eindrücklich die Aufgaben und die Notwendigkeit der Erwachsenenbildung in Rumänien dar. Für den ungarischen Bevölkerungsteil in Rumänien wurden verschiedenste Angebote vorgestellt: József Bányász stellte die Bildungsangebote der Caritas für die ländliche Bevölkerung vor, die sich insbesondere für den ökologischen Anbau einsetzen; Zsuzsa Demeter vom Caritaszentrum für Benachteiligte der Diözese Karlsburg/Alba Iulia berichtete von ihrer Arbeit mit den Eltern behinderter Kinder; Csaba Fikó von der Vereinigung der Behinderten im Kreis Harghita stellte die (Um)Schulungsmaßnahmen für Menschen mit Behinderung vor. György Péter von der Caritas-Schule der Diözese Karlsburg präsentierte deren Weiterbildungsangebote für Pflegekräfte sowie Dr. Cristian Micaci vom Pastoralzentrum der Diözese Großwardein/Oradea die Erwachsenen- und Familienbildung des Bistums.

In einer Roma-Schule konnten sich die Teilnehmenden über die Situation der Roma-Minderheit in Rumänien informieren. Die engagierten Lehrerinnen stellten ihre Arbeit mit den Kindern vor, thematisierten aber auch ihre Grenzen in der notwendigen Elternbildung. Sie wünschen sich Unterstützung von anderen (Erwachsenenbildungs-)Institutionen.
Die Tagung zeigte: Neben der allgemeinen Erwachsenenbildung, die die Aufgabe hat, die Menschen zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten, hat die Erwachsenenbildung auch die Aufgabe der politischen Bildung. „Viele Probleme in den europäischen Staaten haben ihren Hintergrund in dem alleinigen Streben nach Geld, das zu einem radikalen Kapitalismus, der Privatisierung von Bodenschätzen, Wasser, Daseinsfürsorge und anderem geführt hat und viele Menschen in Armut und Verschuldung stürzt und zur Ausbeutung der natürlichen Grundlagen beiträgt“, so Dr. Sándor F. Szakács vom Verein Pro Educatione.

Während in Rumänien zwar 19 sehr unterschiedlich große Minderheiten seit Jahrhunderten leben, stellt sich die Situation der ethnischen Minderheiten in den Herkunftsländern der anderen Teilnehmenden sehr unterschiedlich dar: Tschechien verlor, beziehungsweise verliert viele Bevölkerungsgruppen; Deutschland und Österreich sind in den letzten Jahrzehnten Einwanderungsländer geworden, in denen allerdings auch noch einige wenige alteingesessene Minderheiten leben. In Österreich sind dies die Slowenen in Kärnten und die Kroaten im Burgenland.
Das Forum katholischer Erwachsenenbildung in Österreich stellte eines seiner erfolgreichen Angebote für die Zielgruppe der Migrantinnen und Migranten vor. „Eltern.chat“ ist ein niederschwelliges Angebot der Elternbildung, das zunehmend auch von Migrantinnen und Migranten wahrgenommen und damit zu einem wichtigen Beispiel für Inklusion wird. Deutschland stellte die Ergebnisse aus seinem Projekt „Interkulturelle Kompetenzen in der kulturellen Weiterbildung“ vor, in dem es darum ging, über Kultur Menschen mit Migrationshintergrund als Teilnehmende – aber auch als Kursleitende – vermehrt für die Erwachsenenbildung zu gewinnen. (ADZ)

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