„Vertrauensleute vor Ort sind sehr wichtig“

Hans-Bößner-Hilfswerk seit mehr als 20 Jahren in Rumänien

Samstag, 21. Juni 2014

Günter Huber (1.v.l), Stefan Schrepler und Arpad Schwegler mit der Familie in Vezendiu

„Wenn du ein Hilfswerk baust, musst du dich 100-prozentig auf die Leute verlassen können“, sagt Günter Huber, Leiter des Hans-Bößner-Hilfswerks der katholischen Pfarrgemeinde St. Otto in Lauf. Der ehemalige Laufer AOK Chef besitzt das Vertrauen seiner Mitmenschen und ist auch als Fußballspieler bekannt. Seit 1976 ist er beim Hans-Bößner-Hilfswerk tätig. Wichtige Stützen sind ihm mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Über seine ehrenamtliche Arbeit und die Tätigkeit des Hilfswerks im Kreis Sathmar sprach Gabriela Rist mit dem Vorsitzenden.

„Unsere Pfarrgemeinde St. Otto Lauf kann nun seit fast 40 Jahren, durch den unermüdlichen Einsatz vieler unentgeltlich tätiger Frauen und Männer eine überschaubare, schnelle und direkte Hilfe, ohne Abzug von Verwaltungskosten, für extrem arme Mitmenschen leisten. Die ersten eigenen Hilfsprojekte unserer Pfarrei beschränkten sich hauptsächlich auf Afrika, Indien und Südamerika. Es kamen aber immer neue zeitgemäße Projekte in Europa, z. B. in Polen, Kroatien und Rumänien, letztlich sogar noch in Deutschland, hinzu. In Rumänien hilft unsere Pfarrei den Ärmsten der Armen seit Ende der 80er Jahre laufend, hauptsächlich mit Kleidern und sonstigen Artikeln des täglichen Lebens. Der Transport erfolgt immer kostenfrei und zuverlässig durch Privatleute oder früher auch durch den rumänischen Pfarrer Paul Czepenauer“, berichtet Günter Huber über die Projekte des Hilfswerks.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine lebendige Hilfspartnerschaft mit der Pfarrei Hl. Theresia von Lisieux in Sathmar/Satu Mare. „Der ehemalige, wirklich arme Pfarrer Adalbert Knecht wurde von uns auch mit verschiedenen Messutensilien versorgt. Als er für seine Filialgemeinde Curtuiu] in Satu Mare eine kleine Kirche bauen musste, weil der neue Hauseigentümer des bisherigen Gebetsraumes weitere Gottesdienste in seinem Haus untersagte, bat er uns in seiner Verzweiflung erstmals im April1995 schriftlich um eine monetäre Hilfe. Das Geld für Baumaterialien reichte nämlich, trotz bestmöglicher Eigenbeteiligung, nicht mehr. Die dortige Pfarrgemeinde war bettelarm. Bauern verkauften sogar ihre Schweine, um den jeweiligen Baufortgang zu finanzieren. Unser Hans-Bößner-Hilfswerk konnte damals in der großen Notsituation mit 1000 DM und vielen nützlichen Sachspenden einen wertvollen Beitrag leisten. Rumänien-Aussiedler, die in Lauf und Umgebung wohnten, schlossen sich zudem dieser spontanen Nothilfe an und beteiligten sich zusätzlich mit großherzigen Spenden. Das kleine Gotteshaus konnte jedenfalls am 10.09.1995 mit unbeschreiblicher Freude in der gesamten Pfarrgemeinde, in Anwesenheit einer Abordnung aus Lauf, eingeweiht werden.

Rings um diese Kirche entstanden gut funktionierende Strukturen, die eine wunderbare christliche Nächstenliebe, human und materiell, praktizieren“, berichtet der Vorsitzende. Mit der finanziellen Unterstützung des Hilfswerks wurden zwischenzeitlich u. a. lebenswichtige Brunnen gebaut, Häuser von Großfamilien winterfest gemacht, sowie Beiträge zum Lebensunterhalt erbracht. „Unsere langjährige, fleißige, aus dem Kreis Sathmar stammende Mitarbeiterin Margareta Elisabeth Lieb hat die meisten größeren Aktionen in den letzten Jahren persönlich – völlig auf eigene Kosten – begleitet und für eine zuverlässige Durchführung gesorgt. Amtliche Bescheinigungen darüber erhielten wir stets von den örtlichen rumänischen Behörden“, so Günter Huber. Jährlich wurden Schokoladen-Sammelaktionen gestartet, wobei in großen Körben viele Zentner Schokoladen für arme Erstkommunionkinder und Waisenkinder gesammelt wurden. 

„Gute Kontakte nach Rumänien bestehen also heute noch. Die seit mehr als drei Jahrzehnten bestehenden Warenannahmen, am 2. Samstag im Monat  von 9 bis 10 Uhr, im Keller des St. Otto Pfarrheims, dienen u. a. auch diesem Zweck. Wir freuen uns bei vielen Hilfen über die sachbezogene Kreativität unserer Spender. So fördert z. B. Wolfgang Böhm, der Kassenverwalter unseres Hans-Bößner-Hilfswerks, mit seiner jährlichen „St. Nikolaus-Aktion“ die Hilfe für arme Waisenkinder in Satu Mare in hervorragender Weise. Ihm liegen diese Kinder mit einem unglaublich schweren Schicksal sehr am Herzen“, sagt der Vorsitzende.                   
 
Im Frühjahr unternahm Günter Huber zum ersten Mal eine Reise nach Rumänien. Zusammen mit Stefan Schrepler, Projektleiter für Rumänien, der 1991 aus Terem nach Lauf auswanderte, möchte er einer armen Witwe mit sieben Kindern in Vezendiu (Ortschaft neben Terem) helfen. „Die Pfarrgemeinde aus Lauf hat bereits viele Tausend Euro für diese arme Familie gespendet. Diese Familie zu unterstützen sowie einem 19-jährigen kranken Jugendlichen finanziell zu helfen, damit er operiert werden kann, sind zur Zeit die wichtigsten Vorhaben in Rumänien des Hans-Bößner-Hilfswerks“, meint der Vorsitzende. Bei der Verwirklichung dieser beiden Projekte stützt sich das Hilfswerk auf das Engagement des Vizebürgermeisters von Terem/Tiream Arpad Schwegler.

„Wir sind sehr dankbar, dass er sich für diese armen Familien einsetzt und vor Ort unsere Arbeit unterstützt“, spricht der Vorsitzende anerkennend über die Hilfe des stellvertretenden Bürgermeisters von Terem. Dass es Vertrauensleute gibt, mit denen man vor Ort im Interesse der bedürftigen Menschen arbeiten kann, hält der Vorsitzende des Hans-Bößner-Hilfswerks für sehr wichtig. Im Juli fliegt er nach Tansania um eine vom Hilfswerk finanzierte Krankenstation zu sehen. Für den guten Ablauf der Projekte in Rumänien wird Stefan Schrepler gemeinsam mit dem Vizebürgermeister aus Terem sorgen.

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