Verurteilter Ex-Regierungschef Adrian Năstase nach tagelangem Tauziehen inhaftiert

Antikorruptionsbehörde ermittelt wegen versuchter Verhinderung des Strafvollzugs

Mittwoch, 27. Juni 2012

Das Behörden-Tauziehen hat ein Ende: Ex-Regierungschef Năstase trat seine Fahrt in die Strafvollzugsanstalt Rahova unter Blitzlichtgewitter und etlichen Buh-Rufen an. Gerufen wurde u. a. „ab in den Knast mit dir“ und „du hast das Land ruiniert“.
Foto: Mediafax

Bukarest (ADZ) - Sechs Tage nach seinem Suizidversuch ist Ex-Premier Adrian Năstase (PSD) am späten Dienstagabend endlich in die Strafvollzugsanstalt Rahova eingeliefert worden, wo er nun auf der Intensivstation des Gefängniskrankenhauses liegt. Năstase war letzten Mittwoch vom Obersten Gerichts- und Kassationshof rechtskräftig zu zwei Jahren Haft wegen illegaler Parteienfinanzierung verurteilt worden.

Seine Reise in den Knast trat der recht munter wirkende Verurteilte unter Blitzlichtgewitter, erheblichem Polizeiaufgebot und etlichen Buh-Rufen aus der schaulustigen Menge an, nachdem bis dahin tagelanges Tauziehen zwischen Ärzten, Staatsanwaltschaft und Polizei geherrscht hatte. Am Morgen hatte das Bukarester Stadtgericht entschieden, dass keinerlei Gründe vorliegen, um die Inhaftierung des Verurteilten weiter hinauszuzögern.

Davor hatte die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA strafrechtliche Ermittlungen gegen Năstases behandelnden Arzt Şerban Brădişteanu vom Notfallkrankenhaus „Floreasca“ eingeleitet, dem Falschdiagnose zwecks Haftverzögerung zur Last gelegt wird. Brădişteanu, ein ehemaliger PSD-Senator, hatte in den letzten Jahren durch seine Diagnosen bereits mehrere Parteikollegen, wie etwa den unter Korruptionsverdacht stehenden Kreisratsvorsitzenden von Argeş, Constantin Nicolescu, vor U-Haft oder Haftstrafen bewahrt. Weiters ermittelt die DNA gegen drei Polizisten wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Haftverzögerung. Verhört wurden sowohl die Chefs der Bukarester Polizei als auch das Ambulanz-Team, das Năstase notverarztet hatte. Der Arzt gab zu Protokoll, dass Năstase durch einen Streifschuss lediglich oberflächlich verletzt worden war.

Generalstaatsanwältin Laura Kövesi bestätigte indes, dass der Verurteilte tatsächlich einen Selbstmordversuch unternommen hat – daran bestehe kein Zweifel mehr. Allerdings griff der anwesende Polizeibeamte Nicolae Costea blitzschnell ein, fiel dem Ex-Premier in die Hand, immobilisierte ihn und legte ihm schließlich Handschellen an. Im Gerangel löste sich ein Schuss, die Kugel streifte Năstase dabei am Hals, sagte Costeas Verteidiger.

Kommentare zu diesem Artikel

Lumi, 28.06 2012, 02:33
Stärke zeigt ein System dann, wenn es Unterlegene fair behandelt - hier hat die Rumänische Gesellschaft deutlichen Nachholbedarf. War schon die Exekution der Caucescus völlig unsouverän und überzogen ist es der öffentliche Mob ggü Nastase jetzt auch.
Wichtig ist doch eigentlich nur die Signalfunktion die dieses Urteil ggü allen anderen Dieben setzen soll.
Rainer, 27.06 2012, 19:12
Was für eine Schmierenkomödie. Nastase ist der neue Klaus Kinski. Armes Riumänien.
Lumi, 27.06 2012, 18:47
Ich stimme Dir in jedem Satz zu !
Helmut, 27.06 2012, 16:42
Wenn er wirklich Schuldig ist,dann ok.Aber was ist mit den anderen....wieviele PDL-Politiker aber auch andere aus Politik und Wirtschaft laufen noch frei herum?
Wann wird es endlich in Rumänien ein Gesetz geben,welches die Parteien-und Politikerfinanzierungen transparent macht.Eine Offenlegung der Spenden an die Parteien und Politiker,auch an die kleinsten Kommunalpolitiker,würde dazu beitragen die Korruption im Lande zurück zudrängen.Dieses Gesetz müßte Strafen nicht nur für die NEHMER sonder auch für die GEBER vorsehen.Die Parlamentarier und die neue Regierung könnten damit der Bevölkerung zeigen,daß sie besser sind als der Auslaufpräsident und seine abgewählte Regierung und sie wirklich daran Interesse haben dieses Übel an der Wurzel auszurotten.Nur Mut, U S L, die Bevölkerung wird es euch danken.

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