Viel Falschinformation über deutsche Minderheit

Veranstalter wussten nur wenig über Gala-Thema

Mittwoch, 17. Februar 2016

Lehrerin Brigitte Szokob vom Nikolaus-Lenau-Lyzeum stellt banat-schwäbische Trachten vor.

Am Vlad-Ţepeş-Lyzeum in Temeswar wird Deutschtum verstanden, auch wenn es hier keine deutsche Abteilung gibt. Im Bild: Der Ausstellungsstand der Schule bei der Gala der Minderheiten. Ähnlich vielsagend waren auch die Exponate der Schüler aus dem Lenau-Lyzeum, dem Iulia-Haşdeu-Lyzeum aus Lugosch und jene des Agrar- und Forstlyzeums in Temeswar.
Fotos: Siegfried Thiel

Norwegen, Island, Liechtenstein und die rumänische Regierung haben ein Projekt über Minderheiten finanziert – von den Veranstaltern „Gala der Minderheiten“ betitelt. Projektträger ist das Literaturmuseum in Jassy und die Corona-Stiftung, Projekt, das in mehreren Städten Rumäniens vorgestellt wird. Der am vergangenen Wochenende in Temeswar abgehaltene Teil über die deutsche Minderheit in Rumänien kann nur mit viel Wohlwollen als positiv gewertet werden. Die Grundidee zu einer solchen Veranstaltung ist durchaus sinnvoll, doch die Umsetzung bestand aus einer Aneinanderreihung von Pannen, Mängeln und Wissenslücken. Anders ist es nicht zu erklären, dass der Film über die deutsche Minderheit in Rumänien keinesfalls die Realität aufzeigt und der Vortrag der Referentin aus Reschitza von lokaler Ausrichtung geprägt ist und – außer einigen allgemeinen Statistiken - wenig Aufschluss über das Deutschtum im gesamten Banat gibt. Den großen Gewinn der Veranstaltung ergaben die Ausstellungsstände, getragen von Schülern, die zum Teil keine deutsche Schule besuchen, aber das Phänomen der Minderheiten durchaus verstanden zu haben scheinen.

Bereits der Titel der Veranstaltung, „minorităţi minore“, lässt aufhorchen. Der Begriff ließe sich unter Umständen gar mit „unwichtige Minderheiten“ übersetzen.

Warum sich die Veranstalter auf die Deutschen, Juden, Russen, Lipowaner, Ukrainer und Türken bei ihrem Projekt über Minderheiten in Rumänien festlegten, konnten diese nur ansatzweise erklären. Statements aus dem Dokumentarfilm zum sogenannten Anfang vom Ende des Deutschtums in Rumänien wurden genauso kontrovers aufgenommen, wie falsche Informationen aus dem Saal über die deutsche Minderheit. Es wäre trotzdem der falsche Ansatz, die gesamte Veranstaltung schlecht zu reden, denn über weite Strecken haben Statistiker, Geschichtswissenschaftler und Soziologen Aufschluss über Fakten gegeben, die in dieser Form nicht jedem bekannt waren.  

Die Zahl der Deutschen in Rumänien hat 60-70 Jahre lang – seit 1930 – stetig abgenommen. Trotzdem scheint, dass sich in den letzten Jahren der Prozentsatz jener, die sich als Deutsche bezeichnen, in den Statistiken leicht zugelegt. Die Deutschen und ihre Sprache seien von Bedeutung, auch wegen der Nähe zu Deutschland und Österreich, sagte Laura Cheie. Die Hochschullehrerin setzte fort: „Ihr Erbe ist sehr wichtig, weil es ein kulturelles Modell darstellt“.

Der Dokumentarstreifen – mit kurzen Statements und abwechslungsreichen Szenen - ist jedoch auf bloß einige Ortschaften Siebenbürgens festgefahren. Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Berglanddeutschen, Erwin Josef Ţigla, fasst in diesem Kontext in einem einzigen Satz zusammen, was sich viele bei der Veranstaltung dachten und auch äußerten: „Der Film widerspiegelt nicht die deutsche Minderheit.“

Der DFDB-Vorsitzende Dr. Johann Fernbach kritisierte auch den Titel der Veranstaltung und sagte auf „minoritati minore“ könne man auf gar keinen Fall eine Minderheit herabstufen, die so viel für die Kultur und die Wirtschaft Rumäniens geleistet hat, wie es bei den Deutschen der Fall ist. Fernbach sagte, mit der Bezeichnung „geschichtliche Minderheit“ könne der historische Charakter und die Auswirkung der seit Jahrhunderten in einem Landstrich lebenden Minderheiten auf ihre Region besser wiedergeben werden.

Die Veranstalter haben - unterm Strich gesehen - nicht alle notwendigen Register gezogen, „um“ – wie es in der Pressemappe heißt – „den Beitrag und die Auswirkung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, den diese Minderheiten auf die rumänische Kultur haben“.

 

Kommentare zu diesem Artikel

Markus, 21.02 2016, 10:23
Werner ich gebe dir recht. Der Artikel hat mir gefallen weil er er sehr kritisch einen Sachverhalt darstellt, u.zw. wie die Rumänen EU-Geld in den Sand setzen. Was der Autor möglicherweise nicht in acht genommen hat, ist, dass eventuell die Veranstalter absichtlich die Realität falsch aufgezeigt haben. Die Kinder aber, die nicht voreingenommen waren, haben die Realität gezeigt und deshalb waren sie auch besser als viele von den Wissenschafler.
Werner, 20.02 2016, 03:34
Es war noch zu meiner Zeit in den 1970-er und 1980-er Jahren in Siebenbürgen so und jetzt immer noch - die Rumäner wollen am liebsten die Geschichte Siebenbürgens vertuschen und umschreiben. Bestes Beispiel ist der Siebenbürger Sachse und zeitgleich nun rumänisches Oberhaupt. Sein Name lautet Klaus Johannis. Aber was passiert? Sein Name wird von der deutschen Form Johannis in die Rumänische Ioannis umgewandelt. So kling sie nicht zu sehr deutsch und man kann sich besser, als Rumäne, damit identifizieren.

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