Viel Raum für Neuinvestitionen in Aussicht

Gespräch mit Martin Moise, General Manager REPOM, über erneuerbare Energiequellen in Rumänien

Mittwoch, 27. Juni 2018

Martin Moise bei einer Fachtagung.

REPOM steht für Renew-able Energy Production – Operation and Management, eine seit 2012 in Kronstadt/Braşov tätige GmbH, die das Management von Unternehmen betreut, welche Energie aus erneuerbaren Quellen liefern. Martin Moise (33), Manager dieser Firma, spricht in dem von ADZ-Redakteur Ralf Sudrigian geführten Interview über erneuerbare Energiequellen in Rumänien und einige der damit verbundenen Herausforderungen und Perspektiven.
 

Sie stehen an führender Stelle bei REPOM und Helioexpert. Um was für Unternehmen handelt es sich dabei?
REPOM und Helioexpert sind zwei in der Branche erneuerbare Energie tätige Unternehmen. Wir betreiben Windparks und Solarparks als externalisierten Service – komplettes Asset Management. Der Investor sichert die Finanzierung, wobei wir auch beim Bau geholfen haben. Nachdem die Anlagen in Betrieb gegangen sind, muss jemand sie betreuen betreffend administrative, kommerzielle und technische Seite. Um es plastisch auszudrücken: Der Investor prüft unsere Berichte und trifft dementsprechend seine Entscheidungen. Wir tun alles, dass die Parks gut funktionieren und ihre Produkte, d. h. Strom und grüne Zertifikate, sich verkaufen.

Uns gibt es in Rumänien seit 2008. Wir haben als TTM (Transfer de tehnologie {i management) angefangen, eine von Herrn Jürgen Ludwig gegründete GmbH, die in der Zwischenzeit in den beiden Firmen aufgegangen ist. Wir haben Projekte entwickelt – vom Konzept bis zu „ready to build“, Standorte gesucht, Messungen vorgenommen (z. B. Windintensität). Es folgte das Projektmanagement beim Bau; der Kauf von Anlagen; wir organisieren Ausschreibungen, suchen Partner für Zivilbauten, Straßenbau. Praktisch waren wir die rechte Hand des Investors. Ende 2011 kam es zur Frage des Investors: „OK, ich hab jetzt diese Anlagen gebaut, aber irgendjemand sollte sich jetzt um die weitere Betriebsführung kümmern.“ So ist dann REPOM entstanden. In der Zwischenzeit haben wir Anlagen in Betreuung mit einer Leistung von über 150 Megawatt. Als Vergleich: Diese Anlagen produzieren ungefähr die Menge an Strom, die Kronstadt verbraucht. Die Anlagen befinden sich im ganzen Land: manche in der Nähe Kronstadts wie z. B. in Podu Olt, Rosenau/Râşnov, Heldsdorf/Hălchiu, Hoghiz, Ucea (alles Solaranlagen). Windanlagen haben wir u. a. im Kreis Buz²u. Die Investoren sind sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland.
Wir haben uns schrittweise entwickelt und können heute sagen, dass wir den Kreis geschlossen haben: Entwicklung, Bau, Betreuung, Asset Management – das gesamte Know-how ist vorhanden.
 

Weshalb war es notwendig, einen eigenen Investorenverein für diesen Bereich zu gründen? Was konnte damit erreicht werden?
2013 waren wir und einige andere Investoren sehr enttäuscht über die diesbezügliche Gesetzgebungen. So gründeten wir PATRES (Organizaţia Patronală a Producătorilor de Energie din Surse Regenerabile), also einen Eigentümer-/Investorenverein der Energiehersteller aus erneuerbaren Quellen. Ich bin Vizepräsident dieses Vereins. Wir versuchen über Gespräche mit der Regierung, den Parlamentariern, Vertretern der Regulierungsbehörde (ANRE), die Gesetzgebung zu verbessern.

Zwischenzeitlich hat sich auch die Branche der erneuerbaren Energie hierzulande entwickelt. Den gesetzlichen Rahmen bildete das Gesetz 220 aus dem Jahr 2008. Da es dabei auch um eine Staatshilfe ging, musste die Bewilligung seitens der Europäischen Kommission vorliegen. Das ist 2011 geschehen. Bis heute aber wurde dieses Gesetz über verschiedene Anwendungsnormen rund zehnmal geändert. Am Anfang war die Vergütung für diese Anlagen relativ hoch, man hat da auch ein bisschen übertrieben, besonders im Fall der Solaranlagen. Dann fiel man ins andere Extrem: 2013 folgte die schlimmste Änderung – durch die Eilverordnung 57 hat man praktisch die eigentliche Staatshilfe, die zum Investor kommt, drastisch reduziert. Gebaut wurden zwischen 2010 und 2015 Kapazitäten von insgesamt 4953 MW in erneuerbaren Ressourcen, (3106 MW in Wind, 1361 MW in Fotovoltaikanlagen, 343 MW in Kleinwasserkraftwerken, der Rest, 143 MW, betrifft die Biomasse.) Es handelt sich um die installierte Leistung. (Da unterscheidet man zwischen nomineller installierter Leistung, wo z. B. auch CET Kronstadt dazu gehört, wobei es sich nur um „Kapazitäten auf Papier“ handelt, weil sie geschlossen sind). Nominell haben wir im ganzen Land etwa 22.000 MW. Davon funktionieren reell unter 15.000 MW. Von der reellen Leistung ist ungefähr ein Drittel erneuerbare Energie. Von der produzierten Energie von der Gesamtproduktion Strom repräsentieren erneuerbare Energien 17-18 Prozent. Wenn wir die großen Wasserkraftwerke dazurechnen, dann steigt der Prozentsatz des Stroms aus erneuerbaren Quellen auf rund 40. In Deutschland, als Vergleich, liegt dieser Prozentsatz noch bei etwa 31.

Rumänien hat also relativ viel erneuerbare Energie im Energiemix. Dieser Mix ist auch relativ gut verteilt auf Kohle, Gas, Kernenergie, Wasserkraft, erneuerbare Energie. Regional ist die Verteilung nicht so ausgeglichen. Die meiste erneuerbare Energie wird im Süden und Südosten des Landes hergestellt. In der Dobrudscha sind die größten Windparks zu finden. In Siebenbürgen ist relativ wenig installierte Leistung, gleich welcher Ressource, vorzufinden.

Welches wären die Probleme betreffend Herstellung erneuerbarer Energie?
Die vielen Änderungen in der Gesetzgebung betreffend erneuerbare Energie sind das größte Problem. Hinzu kommt die Art und Weise, wie Rumänien die Vergütung für grüne Energie reduziert hat. Diesen Schritt haben mehrere Länder getan, weil die Technologie billiger wurde. In Rumänien läuft diese Vergütung über das System der grünen Zertifikate, was jeder Verbraucher auch auf seiner Stromrechnung sehen kann. Die Hersteller von Strom aus erneuerbaren Ener-giequellen erhalten diese grünen Zertifikate für den Strom, den sie ins Netz einspeisen, und die Stromlieferanten müssen jedes Jahr eine gewisse Anzahl von grünen Zertifikaten kaufen und dann weiter dem Endkunden (Bevölkerung, Industrie usw.) verrechnen. Das Problem begann 2013, als die Abnahme der Zertifikate deutlich geringer wurde als die Anzahl der Zertifikate auf dem Markt. Für 2018 gehen wir von einer Deckung von 50 Prozent aus, also von zwei Zertifikaten hat nur eines einen Käufer. Also ist die Vergütung nur theoretisch da, du kannst nicht alle Zertifikate verkaufen. Bis April 2017 sind die Zertifikate nach 12 Monaten „verfallen“. Ab dem Zeitpunkt, laut dem Regierungserlass 24, erhalten die nachträglich ausgestellten Zertifikate eine Gültigkeitsdauer bis Ende 2031. Das Problem liegt darin, dass die Investoren ihre Anlagen über Bankkredite finanziert haben und nun Zahlungen an die Bank fällig sind.

Wie werden die Zertifikate verkauft?
Sie haben einen Mindestpreis und einen Höchstpreis. Unter dem Mindestpreis können diese Zertifikate also nicht verkauft werden. Der Preis ist eigentlich immer der Mindestpreis und hängt nicht von der Energiequelle ab. Unterschiedlich ist nur die Anzahl der Zertifikate, die vergeben werden. Früher gab es bilaterale Verträge zwischen den Produzenten und den Stromlieferanten. Parallel dazu gibt es eine Sonderbörse (OPCOM), wo die Zertifikate separat vom Strom verhandelt werden. Die Börse funktioniert gegenwärtig nach zwei Kriterien: nach dem Preis (das spielt aber keine Rolle, da wir den Mindestpreis haben) und nach der Zeitmarke („Timestamp“). Jeden Tag gibt es zwischen 9 und 11 Uhr Sitzungen für den Verkauf. Die Zuweisung erfolgt nach der Reihenfolge der Anmeldung sowohl beim Verkauf als auch beim Kauf. Praktisch um 9 Uhr kommen von Hunderten von Anlagen die Angebote an und wenn es einen Käufer für eine gewisse Menge gibt (denn es gibt nicht jeden Tag Käufer) dann wird das verbunden mit dem ersten Angebot, vielleicht auch mit dem zweiten oder dritten. Alles erfolgt online. Heute z. B. gab es 1020 Angebote und jedes Angebot kann maximal 10.000 grüne Zertifikate beinhalten. Angeboten wurden also rund 3 Millionen Zertifikate und verkauft wurden 4000.

Wie sieht die Zukunft dieser Energieressourcen und der damit verbundenen Technologie aus?
Bei der Europäischen Kommission steht gerade eine Änderung des Prozentsatzes betreffend erneuerbare Energie für 2030 im Gespräch (hier reden wir über Gesamtenergie, also Strom plus Wärme und Transport). Bekannt-lich gilt 2020 für die gesamte EU, bezogen auf erneuerbare Energie, ein Prozentsatz von 20 Prozent von der gesamten Energieproduktion. Jedes Land hat einen unterschiedlichen Prozentsatz als Ziel vorgegeben. Für Rumänien liegt dieses bei 24 Prozent. Das haben wir bereits erreicht. Für 2030 wurde als Ziel ein Prozentsatz von 27 Prozent für erneuerbare Energie vorgesehen; zur Diskussion steht aber bereits ein Prozentsatz von 35 Prozent. Ein endgültiger Beschluss soll Ende dieses Jahres getroffen werden. Wenn man bei 35 Prozent EU-weit bleibt, muss enorm viel gebaut werden. Die Kapazität für erneuerbare Energie muss in Rumänien dann in den nächsten 13 Jahren mehr als verdreifacht werden. Da wird viel Raum für Neuinvestitionen frei.

Relevant ist auch, dass heute erneuerbare Energie billiger ist als jede andere Energie, wenn wir über Neuanlagen reden. Bei Wind sprechen wir fast von „grid-parity“ (also man braucht praktisch keine Subvention – die Anlage lässt sich allein aus dem Stromhandel finanzieren). Bei Solaranlagen ist das in südeuropäischen Staaten wie Italien und Spanien der Fall. In Rumänien noch nicht.

Erneuerbare Energie wird sich entwickeln, weil die Herstellung billiger ist und zweitens, weil diese Energieform von der EU gefördert wird. Was die Technologie der Zukunft betrifft, so müssen wir an die 3 D erinnern: Dezentralisation, Dekarbonisation und Digitalisierung. Neue Denkansätze sind gefragt. Im Parlament wird zum Beispiel über die Möglichkeit diskutiert, dass jeder eine eigene Anlage auf sein Dach stellen kann, wie schon seit mehreren Jahren das in Deutschland der Fall ist. Das ist der „prosumer“ ( d. h. producer und consumer), der eigenen Strom verbraucht und auch ins Netz einspeist.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

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