Viel Zeitgeschichte im ADZ-Jahrbuch 2015

Hauptthema: 25 Jahre seit der Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien

Donnerstag, 15. Januar 2015

Deutsches Jahrbuch für Rumänien 2015

Mädchen und Burschen in Tracht beim 24. Sachsentreffen in Mühlbach

Blasmusik aus Deutschland und Wassertalbahn

Spuren im Schnee bei Petersberg im Burzenland
Fotos: George Dumitriu

Dies ist bereits die 15. Ausgabe des Jahrbuchs in der neuen Periode, die 2002 eingesetzt hat, wenn man aber die 40 Jahrgänge des „Neuer Weg“-Kalenders (1950 – 1990) hinzuzählt, dann ist es die 55 Ausgabe dieses seinerzeit auflagestärksten deutschen Buches in Rumänien. In bewährter Tradition hatte Rohtraut Wittstock die Redaktion inne, gedruckt wurde in der Honterus-Druckerei in Hermannstadt, geschrieben haben wieder eine ganze Anzahl von Autoren. Der deutsche Botschafter in Bukarest, Werner Hans Lauk, bezieht sich in seinem Grußwort auch direkt auf die Zeitung: „Die ADZ als einzige deutschsprachige Tageszeitung in Osteuropa stellt hierbei (Ausbau der Brücken zwischen Deutschland und Rumänien - Anm. d. Red.) eine wertvolle Stütze dar. Durch ihr Wirken verleiht sie dem Leben der deutschen Minderheit in Rumänien Medienpräsenz und Öffentlichkeit. Sie ist für mich tägliche angenehme Lektüre.“

Das meiste wird aus erster Hand geschrieben. So fragen einen jetzt alle Leute über den Staatspräsidenten Klaus Johannis aus und wollen mehr über ihn wissen. Unsere Hermannstädter Kollegen – vor allem Hannelore Baier – haben Klaus Johannis seit der Zeit begleitet, als er sich 2000 zum ersten Mal als Kandidat des Forums für das Bürgermeisteramt gestellt hat. Die Kollegin schöpft also aus dem Vollen, wenn sie im Jahrbuch über die Hermannstädter Jahre von Klaus Johannis berichtetet. Es sind 25 Jahre seit der Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien vergangen. Diesem Hauptthema ist das Jahrbuch gewidmet, dabei konnten auch genügend unbekannte oder vergessene Aspekte der Zeitgeschichte hervorgehoben werden.

Eine statistische Studie zur Lage der deutschen Minderheit in Rumänien hat Martin Bottesch geschrieben, auch unter Verwendung von Daten aus der Geschäftsstelle des DFDR. Diese Untersuchung kann in vielerlei Hinsicht zu einem Bezugspunkt werden. Ich greife hier nur die Angaben heraus, die sich auf die ADZ beziehen. Wir haben rechts und links von uns so viele Zeitungen entstehen und auch wieder untergehen gesehen, die ADZ gibt es noch immer. Durch verschiedene Formen wurde die Zeitung nach 1990 gerettet, und mit ihr die „Banater Zeitung“ und die „Karpatenrundschau“. Über die ADZ-Krise, an die man auch jetzt denkt, schreibt Martin Bottesch: „Im Jahr 2008 gab es den Vorschlag, die Zeitung in ein Wochenblatt umzuwandeln... Dagegen kam im DFDR ein heftiger Widerstand auf, sodass man von diesem Plan absah und die hohen Kosten in Kauf nahm.“
Der Vorsitzende des Landesforums, Dr. Paul-Jürgen Porr, begrüßt im Gespräch mit Hannelore Baier u. a. den Generationswechsel, der in der Führung einiger Foren eingetreten ist, „wo Leute in Führungspositionen gewählt wurden, die aus der Wirtschaft kommen und auch vom Management viel verstehen.“
Eine Idee aus dem Gespräch mit dem Forumsabgeordneten Ovidiu Ganţ; „Wir haben viele Kinder und Jugendliche aus rumänischen Familien in den deutschsprachigen Klassen und wir haben sie für unsere Kulturtätigkeit begeistern können. Ob sie Zeit und Lust haben, aktive Mitglieder des Forums zu werden, ist eine andere Frage. Zu wünschen wäre, dass sich zumindest einige auch für die Belange der Gemeinschaft interessieren...“

Ein Jubiläum wie die 25 Jahre Forum kann nicht gefeiert werden, wenn dabei nicht auch unbekannte Episoden zutage treten. Wolfgang Wittstock, der mehrere Legislaturperioden hindurch Abgeordneter der deutschen Minderheit war, erzählt im Jahrbuch u. a., wie er 2001 rumänischer Botschafter in Bonn werden sollte. Staatspräsident Ion Iliescu machte ihm den Vorschlag, Wittstock bat sich Bedenkzeit aus, weil er damals nicht nur Abgeordneter sondern kommissarisch auch Vorsitzender des Landesforums war. „Ich erklärte Iliescu, dass ein Eingehen auf seinen Vorschlag von meinen Landsleuten als ein Verrat an den Gemeinschaftsinteressen unserer deutschen Minderheit ausgelegt werden könnte. Dabei dachte ich vor allem auch an die Brück-Affäre, die sich im Herbst 1997 abgespielt hatte. (Der im Herbst 1996 gewählte Forumsabgeordnete Werner Hans Brück verzichtete etwa nach einem Jahr auf sein Parlamentsmandat, um als Wirtschaftsattaché Rumäniens nach Bonn zu gehen...).“ Wittstock hat dem Staatspräsidenten später aber zwei andere Vorschläge gemacht, die Namen habe er zwar nicht vergessen, nenne sie aber „aus Diskretion“ auch jetzt nicht. In mehreren Städten waren bei der Forumsgründung Kollegen vom „Neuen Weg“ oder anderen Zeitungen dabei. Ein Beispiel dafür ist Dieter Drotleff in Kronstadt, er hat Christine Chiriac für das Jahrbuch seine Erinnerungen erzählt. Bemerkenswert ist auch Folgendes: 1992 wurde in Kronstadt der Forumssitz in der Schützenwiesengasse/Str. Baiulescu 2 eingeweiht, das Gebäude hatte die Honterusgemeinde zur Verfügung gestellt und mit Unterstützung des Sozialwerks der Siebenbürger Sachsen in Deutschland wurde es saniert und ausgestattet.

Über andere Foren schreiben Dr. Klaus Fabritius (Altreichforum), Karl Singer (Forum der Deutschen im Banat), Johann Forstenheizler (Forum Nordsiebenbürgen) und Antonia Maria Gheorghiu (Buchenland).
Nina May und ihr Mann, der Fotokünstler George Dumitriu, haben im Sommer 2014 eine Reise zu den Heimattagen nach Oberwischau gemacht und davon sehr viel „in Wort und Bild“ mitgebracht, auch die Erzählungen von Augustin Olear über die Gründung des deutschen Forums der Zipser, ebenso viele frische und ausdrucksstarke Fotos, die der Bildgestaltung des Jahrbuchs zugute gekommen sind. Mit der deutschsprachigen Jugendarbeit in Rumänien kennt sich unser Kollege Vlad Popa bestens aus, 1998 haben sich die Regionaljugendverbände zur Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen (ADJ) zusammengeschlossen. Wie es in so einer Organisation zugeht, beschreibt Elise Wilk am Beispiel Kronstadt.
Dieser zeitgeschichtliche Teil nimmt 100 Seiten von 318 ein, so konnte auch vieles andere aus Kultur, Kulturerbe und Brauchtum aufgenommen werden. Besonders angesprochen hat mich das Gespräch, das Dieter Drotleff mit dem Schriftsteller Hans Bergel im Hinblick auf seinen 90. Geburtstag (26. Juli 2015) geführt hat. Auch über andere Landsleute kann man viel erfahren, etwa was Christine Chirac zum 75. Geburtstag des Kronstädter Musikers Hans Eckart Schlandt schreibt.

Ralf Sudrigian hat Dipl-Ing. Karl Hellwig in Reps besucht und berichtete über dessen vielfache Tätigkeit. Andere Autoren in diesem kulturhistorischen Teil sind Manfred Wittstock, Gernot Nussbächer, Thomas Şindilariu, Frank-Thomas Ziegler, Iulia Sur, Hans Butmaloiu, Dr. Markus Fischer. Im Abschnitt „Lesespaß“ stehen Texte von Michael Astner, Carmen Elisabeth Puchianu, Balthasar Waitz,Karin Gündisch, Joachim Wittstock, Paul Philippi, Walther Gottfried Seidner und Friedrich Schuster. Das Jahresrätsel von Ovidiu Şperlea ist heuer den siebenbürgischen Kirchenburgen gewidmet.

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